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Erfolgreich
ungeschickt
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Bewertung:
Was für ein Titel! In einem Schulaufsatz würde jeder Deutschlehrer einen dicken Ausdrucksfehler anstreichen. „Aufs Haus gehen“ bedeutet schließlich, einen Ausgegeben zu bekommen – vom Haus: Ein Schnäpschen in der Wirtschaft, der Keks zum Kaffee. Aber wie kann ein Kriminalkommissar, genauer gesagt Kriminalhauptkommissar KHK Sörensen aufs Haus gehen? Anscheinend kriegen wir den Mann ohne Vornamen bei der Lektüre kostenlos mitgeliefert, dabei ist der unbeholfene Ermittler mindestens liebenswert und eigentlich unter dem Strich recht erfolgreich. Und dann ist da noch eine KOK, die Kriminaloberkommissarin Jennifer Holstenbeck. Die sich gerade überlegt das verschlafene Nest an der Nordsee zu verlassen, Doch warum?
„Mal von draußen draufschauen. Kennen sie das, wenn sie in Urlaub waren, mehrere Wochen und dann kommen sie zurück, und plötzlich sehen Ihre Straße, Ihr Haus, die ganze Gegend irgendwie wieder interessant aus? Fast hübsch? Das ist aber nur ganz kurz so. Sobald sie sich einmal um die eigene Achse drehen und die Haustür aufschließen, ist der Zauber vergangen und alles ist wieder eingeschlafene Füße und Graubrot mit Gurkenwasser..." (Sörensen geht aufs Haus von Sven Stricker, S. 116)
Doch noch ist Jennifer mit am Start. Es geht um Nachbarkeitsstreitigkeiten – die allerdings ausufern. Da bekommt der eine Nachbar anonym ein paar Menschenknochen zugeschickt, und die vergräbt er gleich wieder im Garten des Kontrahenten. Am Ende sind beide Gärten komplett durchgepflügt, weitere Knochen gibt es indes nicht. Es werden keine Leichen gefunden und es ist völlig offen, von wem die Knochen überhaupt stammen könnten.
Jennifer und Sörensen brauchen Zeit, um zu beweisen, dass hinter den Nachbarschaftsstreitigkeiten viel mehr steckt, als zunächst vermutet. Das macht die Handlung zunächst etwas zäh, bringt aber die fulminante Sprache der beiden voll zum Einsatz. Es ist die Banalität, die den Leser gefangen nimmt und dem eitlen Intellektuellen zeigt, dass auch schwierige Sachverhalte sehr einfach ausgedrückt werden können.
Dazu kommt das kuriose Liebesleben oder besser gesagt die Suche danach von Sörensen. Sein erstes Date im "Deichkrug" entgleist völlig und wird zum Spektakel für die gesamte Kneipenmannschaft. Es ist Sörensen, der dies fast für selbstverständlich hinnimmt und wohl damit für den merkwürdigen Buchtitel verantwortlich ist.
Nichtsdestotrotz nimmt der Krimi immer stärker an Fahrt auf, bis man das Buch vor Spannung nicht mehr zuklappen mag. Bizarre, aber keineswegs konstruierte Zusammenhänge schmücken den Fall, der an Perfidität nichts zu wünschen übrig lässt.
Zu guter Letzt lösen Jennifer und Sörensen den Fall und letzterer merkt endlich, in welche Richtung sein Herz wirklich schlägt. Das wiederum lässt auf Fortsetzungen hoffen.
Ellen Norten - 28. Februar 2026 ID 15728
rororo-Link zum neuen Krimi von
Sven Stricker
Post an Dr. Ellen Norten
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