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Die Hybris des

Feuilletonisten





Bewertung:    



Es ist ein wenig so wie mit der Bild-Zeitung. Fragt man renommierte Journalisten angesehener Blätter, so sprechen sie voller Anerkennung von den Machern dieser Zeitung. Unterhält man sich indessen mit Lesern, vor allem der anspruchsvollen Medien, so wird man kaum Lob über diese Zeitung hören. In einer Hinsicht kann man beide Reaktionen nachvollziehen.

Wer ein Produkt vom Standpunkt des Produzenten bewertet, wird zu einem anderen Urteil kommen als derjenige, der es als Konsument betrachtet. Genauso aber ist es mit Büchern. Fragt sich nur noch, welche Position hierbei der Rezensent einnimmt. Wir wagen einen erwartbaren Vorschlag zur Güte: Der Kritiker vermittelt zwischen beiden Perspektiven.

Nehmen wir den Thriller Hybris von Jacobsen. Schon klar, die Regale in den Buchläden sind voll von dieser Art Literatur. Der anspruchsvolle Leser rümpft also die Nase. Kitsch. Klischee. Konsum. Diese berüchtigte Trias der Vorurteile liegt dem geneigten Publikum leicht und gerne auf der Zunge. Doch so einfach sollte man es sich nicht machen.

Hybris ist der vierte Roman des Dänen Steffen Jacobsen, Jahrgang 1956, der in seinem bürgerlichen Beruf Chirurg in Kopenhagen ist. Ein spätberufener Shootingstar der dänischen Krimiszene. Worum nun geht in diesem Thriller, ohne zu viel von der Handlung zu verraten?

Eine junge Frau wird tot aufgefunden. Sie hat eine Schusswunde am Rücken, und ihre Kleider sind von Salzwasser durchtränkt. Kurz vor ihrem Tod hat sie sich ihren Namen und ihr Geburtsdatum in die Haut geritzt. Ein versteckter Hinweis auf den Täter? Kommissarin Lene Jensen übernimmt den Fall. Unterdessen wird der privat-Ermittler Michael Sander, ihr Ehemann, mit der Suche nach einer spurlos verschwundenen Geigerin betraut. Die Wege von Jensen und Sander kreuzen sich, und sie kommen einem monströsen Verbrechen auf die Spur.

Soweit so gut. Jetzt könnte der Feuilletonist vieles einwerfen, eines aber ist unbestreitbar: Dieser Autor ist ein perfekter Handwerker. Gut, es ist ein Klischee, aber es stimmt: Der Leser wird diesen Roman nach der Lektüre aller Wahrscheinlichkeit nach wieder vergessen. Aber ebenso ist anzunehmen, dass der Leser diesen Thriller nicht mehr weglegen wird bis er die letzte Seite erreicht hat. Denn hier handelt es sich um einen ausgesprochen spannenden Textverlauf, eine in jeder Hinsicht gelungene Geschichte, die, soviel muss gesagt werden, in psychologischer Hinsicht keinesfalls stereotyp ist. Hier schreibt ein Autor, der die Menschen studiert hat und der - bei aller Irrealität mancher Handlungsschritte, und die sollten wir auch einräumen: Schließlich ist es ein Thriller! – ein komplexes psychologisches Netzwerk erzeugt.

Gestehen wir also zu, dass dieser Roman handwerklich versiert ist und keine nennenswerten Makel aufweist, sofern wir zugeben, dass eben dies: Spannung zu erzeugen, die Aufgabe und der Sinn dieser Art von Literatur ist. Dann aber wäre es anmaßend, wenn der Kritiker diesem Produkt vorwürfe, dass es seine Funktion erfüllt und nichts anderes als diese Funktion. Es ist diese Hybris, die wir nicht teilen wollen.

Stellen wir also in Rechnung, dass diese Geschichte psychologisch gewieft und überaus spannend erzählt wird und anerkennen wir fürderhin, dass hier mit der Frage nach der genetischen Perfektion ein Thema zur Diskussion gestellt wird, das einige hochaktuelle Bezüge aufspannt, durchaus aber auch ein Menschheitsthema ist, so bleibt dem Kritiker nichts übrig, als diesen Roman vorbehaltlos denjenigen zu empfehlen, die genau dies suchen: Köstliche und atemraubende Unterhaltung, die den Leser dazu bringt, für kurze Zeit all das zu vergessen, was zu einem normalen bürgerlichen Leben gehört. Daher ein guter Rat zuletzt: Schließen Sie die Tür ab!



Jo Balle - 22. Oktober 2018
ID 10979
Link zum Buch: https://www.randomhouse.de/Paperback/Hybris/Steffen-Jacobsen/Heyne/e528919.rhd


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