|
Leichte Kost
für Jedermann
|
|
Bewertung:
Um es vorwegzusagen: Ich hasse Schubladendenken in jeder Hinsicht und in der Kunst ganz besonders. Da gibt es die verrücktesten Diskussionen darüber, ob ein Text, eine Geschichte, ein Roman eher der „High Fantasy“, der „Urban Fantasy“ oder gar der „Romantasy“ zuzurechnen ist. Für mich verlieren solche Diskussionen unter Kunstkritikern oder solchen, die sich dafürhalten, oft das Wesentliche aus dem Blick. Es ist wie bei Herrn Keuner und dem Lorbeerbaum, der immer wieder noch besser, noch akkurater geschnitten wird, bis er am Ende eine perfekte Kugel darstellt, nur als Baum verschwunden ist. Diese Parabel von Berthold Brecht zeigt, dass, wenn man ein Lebewesen oder eine Sache nur nach einer künstlichen, erzwungenen Form gestaltet, man den eigentlichen Wesenskern zerstört.
Nun habe ich mir den SPIEGEL-Bestseller Punkt Punkt Komma Strich, fertig ist die Kunstgeschicht' trotzdem vorgenommen, da ich zugestehen muss, dass insbesondere in der Malerei eine grobe Orientierung hilfreich sein kann.
Wenn meine bevorzugten Maler eher in neuerer Zeit ihre Werke geschaffen haben, ist es für mich ungünstig nun gerade ein Museum aufzusuchen, in dem die geschätzten „alten Schinken“ hängen. Nach der Lektüre des Buches von Jakob Schwerdtfeger weiß ich, dass diese dem Barock zuzurechnen sind und meine Favoriten dem Impressionismus und der Klassischen Moderne. In den einzelnen Kapiteln sind Bildbeispiele abgebildet, die die Epochen in ihrem Stil verdeutlichen und denen zusätzlich einige weniger bekannte Informationen zugeliefert sind.
"…einiges, was wir heute als Meisterwerk begreifen, wurde lange nicht als solches wahrgenommen. Kunst unterliegt Moden und dem Zeitgeschmack, das gilt besonders für den Barock. Allein der Name dieser Epoche war zunächst abwertend gemeint, denn auf Französisch stand „baroque“ damals für schief oder sonderbar, abgeleitet vom portugiesischen Wort „barocco“ für eine unregelmäßig geformte Perle. Im Vergleich zur Renaissance wurde der Barock als eine Art Ausrutscher angesehen, die Werke empfand man als überladen und verkünstelt. Diese Wahrnehmung hat sich mittlerweile geändert und aus der einstigen Beleidigung „Barock“ ist ein feststehender Epochenbegriff geworden." (S. 56)
Das Buch liefert einen Ritt durch 1.000 Jahre Kunstgeschichte, ist leicht zu lesen, da launig geschrieben. Ob man es gemäß seines Titels der „Kunstcomedy“ zuordnen kann, um wieder einen neuen Begriff aufzugreifen, bleibt für mich egal. Mir gefällt seine Übersichtlichkeit; Zeitdiagramme, die die wichtigen Kunstepochen zeigen, und die den Kapiteln nachgestellten kurzen Zusammenfassungen, die auf das Wesentliche konzentriert sind. Verzichtet wird auf langwieriges intellektuelles Geschwafel, das sich an Insider und Pseudoinsider richtet. Also bin ich als neugierige, kunstinteressierte und unvoreingenommene Leserin für dieses Buch ideal und hoffe nun, dass ich mir die Begriffe aus der Kunstgeschichte auch langfristig merken kann. Falls nicht, kann ich das Buch wieder zur Hand nehmen und werde schnell die von mir aufgeworfene Frage klären können.
Ellen Norten - 14. August 2026 ID 15986
dtv-Link zum Sachbuch von
Jakob Schwerdtfeger
Post an Dr. Ellen Norten
Buchkritiken
Hat Ihnen der Beitrag gefallen?
Unterstützen auch Sie KULTURA-EXTRA!
Vielen Dank.
|
|
|
Anzeigen:
Kulturtermine
TERMINE EINTRAGEN
Rothschilds Kolumnen
AUSSTELLUNGEN
BIENNALEN | KUNSTMESSEN
INTERVIEWS
KULTURSPAZIERGANG
MUSEEN IM CHECK
PORTRÄTS
WERKBETRACHTUNGEN von Christa Blenk
= nicht zu toppen
= schon gut
= geht so
= na ja
= katastrophal
|