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Von Rechten und
Gerechtigkeit
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Bewertung:
In Hamburg wird ein Obdachloser an seinem Schlafplatz ermordet. Die Tat geschah mit einem Bolzenschussgerät, das normalerweise beim Schlachten von Tieren verwendet wird. Auf einem Zettel, der in der Tasche des Opfers steckt, hat der mutmaßliche Mörder notiert:
"In Hamburg sagt man Tschüss. Lieblingsleiche Nr. 1."
Das lässt Kommissar Thies Knudsen und seine Kollegin Dörte Eichhorn auf weitere geplante Morde schließen.
"'Also was haben wir?'/“, sagte Knudsen. 'Einen toten Obdachlosen aus Bulgarien. Das Münzgeld aus seinem Portemonnaie und die halbe Flasche Korn sprechen gegen einen Mord im Milieu. Ebenso der Zettel mit der Botschaft.'
Eichhorn nickte. 'Die These mit den durchgeknallten Jugendlichen auf Droge oder Alkohol hilft hier ebenfalls nicht.'
'Bleibt das fremdenfeindliche Motiv“' fuhr Knudsen fort.
'Dazu passt auch der Zettel.'
'Nazis, die einen Obdachlosen töten und ihn dann Lieblingsleiche nennen? Klingt wie aus einem schlechten Film.'
'An die Morde der NSU hat auch anfangs keiner geglaubt, Dörte. Dass da zwei Männer und eine Frau in einem Wohnmobil durch Deutschland fahren, um wahllos Menschen mit Migrationshintergrund zu töten.'"
(Lieblingsleichen von Kester Schlenz & Jan Jepsen, S. 28)
Passend zur NSU folgen bald weitere Morde an Obdachlosen und Migranten, die dem gleichen Muster folgen. Besonders zynisch: Die Opfer werden als kleine Puppen zuvor im berühmten Miniatur-Wunderland in der Hamburger Speicherstadt durch den Täter oder einen Mitwisser an genau dem späteren Tatort als Mordopfer deponiert. In den Fokus geraten schnell rechtsradikale Extremisten, die mit der Mordserie für aus ihrer Sicht „saubere“ Verhältnisse im Land sorgen wollen. Schnell lernen wir diese Gruppierung kennen, und nachdem offensichtlich wird, wie die Täter an polizeiinterne Informationen geraten, nimmt für mich leider die Spannung ab. Das Buch zeigt aber andere Vorzüge.
Es beschreibt einfühlsam das Milieu der Obdachlosen, ihre Probleme und auch manchen Weg, der sie in ihre traurige Situation geführt hat. Beispielhaft steht hierfür Leonie, die einen Mord beobachtet hat und selbst seit kurzem im Milieu lebt. Kurioserweise trifft sie in einer Hilfseinrichtung auf Maria, einer ehemaligen Mitschülerin. Maria arbeitet hier nicht nur als Praktikantin, sie ist auch die Tochter von Oke Andersen, kurz La Lotse, dem besten Freund von Kommissar Knudsen. Und so finden sich in diesem vierten Band der Reihe die sympathischen Hamburger Charaktere wieder zusammen und sorgen für unterhaltsamen Lesestoff.
Das Buch liest sich gut, pointiert und amüsant, doch ist es in seinem kriminalistischen Verlauf sehr vorhersehbar. Als Krimi nur bedingt spannend, ist es als Lektüre gegen rechts dagegen sehr geeignet.
Ellen Norten - 11. Juni 2026 ID 15901
Penguin-Link zu den
Lieblingsleichen
Post an Dr. Ellen Norten
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