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Von Toten unter
und über der Erde
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Bewertung:
Fast hätte der Titel mich auf die falsche Fährte gesetzt. An der Moldauquelle ist zwar eine relativ genaue Ortsangabe, doch spiegelt dieser Ort keineswegs Romantik, sondern das Grauen eines unterirdischen Konzentrationslagers der Nazis wider. Das heutige Grenzgebiet zwischen Tschechien und Deutschland war lange durch den eisernen Vorhang getrennt, doch unter der Erde scheint es Reste eines Tunnelsystems zu geben, das zur Zeit des Zweiten Weltkriegs und vermutlich auch später einen geheimen Durchgang ermöglichte. Doch der Weg in deutsches Gebiet war gefährlich, und nicht jeder überlebte dies. Ein Flüchtling hatte als geheime Botschaft eine Ansichtskarte aus Prag in der Hand. Doch der Mann scheiterte, und seine Leiche befindet sich immer noch in der Unterwelt, denn niemand will an den Toten rühren.
"Er starb langsam, hatte genügend Zeit. Und eine sehr unsichere Schrift. Was war von den 'Schönen Grüßen aus der Totengruft' nach zwanzig Jahren geblieben? Eine zerknitterte Karte, durchtränkt von Flüssigkeiten aus seinem eigenen faulenden Körper. Durchnässt, in mehreren Dutzend unappetitlichen Schattierungen menschlicher Fäulnis verlaufen. Als er ihn damals hier fand, konnte er die wenigen nicht verschmierten Worte nur mühsam entziffern. Eine Nachricht an die trauernde Frau und den Kleinen." (S. 102)
Petra Klabouchová schildert die Schrecken ohne Vorbehalte. Die Einheimischen schweigen sich über die düstere Vergangenheit aus, mögliche Zugänge zum Tunnelsystem wurden verschüttet, und es scheint nur wenige Menschen zu geben, die sich in dem unterirdischen Labyrinth orientieren können. Heute lockt sie mögliches Nazigold, andere Kriegsbeute bis hin zum verschollenen Bernsteinzimmer. Von diesen Menschen handelt der Roman und von einem kleinen Mädchen, deren Leiche im letzten Winter im Böhmerwald in der Nähe der Moldauquelle gefunden wird.
Die einheimische Terezie Velková ist mit einem gestreiften Gefangenenanzug bekleidet, an dem sich ein gelber Judenstern befindet. Sie ist barfuß, und ihre Fußsohlen zeigen keinerlei Schrammen oder starke Verschmutzungen. Der untersuchende Kommissar, dessen Name kaum genannt wird und der immer als "er" bezeichnet wird, vermutet, dass die Tote von unten an den Fundplatz gebracht wurde.
Bei der Suche nach dem Mörder oder der Mörderin werden persönliche Eitelkeiten der Protagonisten sichtbar. Der Kommissar setzt sich unter Erfolgsdruck, um seiner Frau Anna zu imponieren. Der intriganten Sensationsjournalistin, kurz die Kobzová genannt, geht es einzig um Einschaltquoten. Der Hauptverdächtige, der Arzt der Region, ist von Zwangshandlungen beherrscht.
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Der Autorin gelingt es eine extrem spannende Handlung mit bizarren Charakteren zu vereinen. Zudem ist das Buch ein Zeitdokument, das die schwierige Situation der Region während der Kriegswirren und später eindrücklich schildert. Komplizierte Zusammenhänge werden gut erklärt. So ist das Buch gleich in mehrerer Hinsicht unbedingt lesenswert.
Ellen Norten - 19. September 2026 ID 16046
Verlagslink zum Krimi
An der Moldauquelle
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