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Lára ist seit dreißig Jahren verschwunden. Das junge Mädchen hatte in den Sommerferien als Haushaltshilfe bei einem wohlhabenden Ehepaar auf der kleinen Insel Viðey gearbeitet. Die fünfzehnjährige war eines Tages wie vom Erdboden verschluckt. Angeblich wollte sie damals die Arbeit auf der einsamen Insel beenden, und sie sei nach Reykjavík zurückgekehrt, so hieß es. Doch Beweise gab es dafür nicht. Die polizeilichen Ermittlungen wurden durch die gesellschaftliche Stellung des arbeitgebenden Ehepaars von Lára behindert. Jede Befragung zu den Umständen ihres Verschwindens galt als beleidigende Verdächtigung und endete mit einer Beschwerde über den Ermittler bei seinem Vorgesetzten. So blieb die Polizeiarbeit unvollständig, und Kristjàn Kristjànsson verfolgte seine mangelhafte Vorgehensweise sein berufliches Leben lang.
„Man hatte ihm nicht erlaubt, der vielversprechendsten Spur nachzugehen, da man sie für zu weit hergeholt hielt. Diese verdammten Seilschaften – sie zogen sich durch das gesamte politische Spektrum. Nur ja keinen Staub aufwirbeln, wenn die Gefahr bestand, dass man irgendwelchen „bedeutenden“ Persönlichkeiten auf die Füße trat. Und Kristjàn hatte mitgespielt. Er wollte doch nur seinen Job behalten und seine Vorgesetzten zufrieden stellen." (Reykjavík, S. 38)
Als der Journalist Valur auf die lückenhaften Ermittlungen stößt, beginnt er 1986 zu recherchieren. Er findet eine neue Spur, doch riskiert er mit seiner Arbeit sein Leben. Einflussreiche Bauunternehmer und Rechtsanwälte könnten mit dem Schicksal von Lára in Verbindung stehen, doch eine Leiche des Mädchens wird nicht gefunden. Erst durch den Hinweis einer anonymen Zeugin kommt Fahrt ins Geschehen, und der Fall Lára, der zu den prominentesten Kriminalfällen auf Island zählt, kann gelöst werden.
Die Handlungen spielen kurz vor dem brisanten Gipfel zwischen Ronald Reagan und Michail Gorbatschow 1986 in Reykjavík. Der Autorin Katrín Jakobsdóttir sind die politischen Vorgänge als ehemalige Premierministerin Islands wohl bekannt, obwohl ihre Amtszeit deutlich später lag. Es ist ihr erster Krimi, den sie mit dem Erfolgsautoren Ragnar Jónasson zusammen geschrieben hat.
Der Roman fällt ein wenig aus unserer schnelllebigen Zeit, da sich der Text Muße für ausgiebige Recherchen nimmt. Das bringt aber eine angenehme Ruhe mit sich, die Raum für Landschaftsbeschreibungen und das gesellschaftliche Leben um 1986 auf der Insel liefert. Sehr hilfreich ist die vorangestellte Liste der wichtigsten Personen. Da die isländischen Namen uns sehr fremd sind, wird so Verwechslungen entgegengewirkt und eine Zuordnung zum Geschlecht wird möglich.
In diesem Roman geht es weniger um Spannung, sondern um akribische Ermittlungen gepaart mit viel Lokalkolorit. Ein Buch für Islandfreunde und solche, die es werden wollen.
Ellen Norten - 7. Juli 2026 ID 15938
btb-Link zum Krimi Reykjavík
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