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nachDRUCK # 2

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Sachbuch

Wenn die Vergangenheit

die Zukunft ist





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Solche Verhältnisse wären auch heute noch ziemlich ungewöhnlich: da verlieben sich zwei wohlverehelichte Schwestern in denselben Mann, der seinerseits mit einer Freundin von beiden verheiratet ist, die einmal die Geliebte der älteren Schwester war. Beide – die Ehefrau des Mannes und die ältere Schwester - werden im selben Jahr von ihm schwanger. Ihre komplizierte Gefühls- und Sexwelt leben die Beteiligten offen, tauschen sich zeitweise sogar darüber aus und sind sich am Ende nicht mal spinnefeind.

Und das zu Anfang des 20. Jahrhunderts! Kaum zu glauben!

Ein spannendes Doppelporträt der Schwestern Richthofen, Else und Frieda – Frauen von gestern und doch “von morgen“.

Der Mann zwischen den drei Frauen ist der bekannte Wiener Psychoanalytiker Otto Gross. Aber um ihn und auch um die anderen Männer geht es nicht in erster Linie. Diese Männer – darunter viele Größen aus Wissenschaft und Kultur von Rainer Maria Rilke bis Erich Mühsam - bilden eher den Rahmen des herrschenden libertären Zeitgeistes, der vor allem den Frauen neue Räume eröffnete.

Else von Richthofen, die ältere, wählt auf dem Weg zur Selbstbestimmung zunächst den Pfad der Bildung. Sie promoviert bei Max Weber, wird die erste akademisch gebildete Fabrikinspektorin in Deutschland. Nach einigen Jahren entscheidet sie sich jedoch gegen den Beruf und für eine bürgerliche Ehe mit Kindern, die ihr dank des ebenso vermögenden wie toleranten Ehemanns Edgar Jaffé viel Freiheit lässt. So unterstützt Jaffé Else auch noch, als sie mit Alfred Weber zusammenlebt, dem jüngeren Bruder von Max Weber, mit dem sie zeitweise ebenfalls eine intime Beziehung unterhält. Zu Beginn des Ersten Weltkrieges übernimmt Else wieder soziale Aufgaben – im Nationalen Frauendienst.

Frieda wird ihren Mann Prof. Ernest Weekly und ihre kleinen Kinder verlassen, nicht aber für Otto Gross. Nach nur wenigen Wochen Bekanntschaft geht sie mit dem damals noch unbekannten und mittellosen D. H. Lawrence auf und davon, dem Verfasser der Lady Chatterley – und bleibt lebenslang. Übrigens: auch Frieda arbeitet - während ihrer ersten Ehe als Übersetzerin und später, nach Lawrence´frühem Tod, wird sie Verwalterin seines Werkes. Und sie wird Erinnerungen an ihre Ehe herausgeben.

*

Gunna Wendt gelingt einmal mehr in ihrem Buch Frauen von morgen. Die Schwestern Richthofen im Kreise der Bohème ein lebendiges und detailreiches, intensiv recherchiertes Bild der damaligen Zeit rund um ihre Protagonistinnen: durchaus realistisch, d.h. kritisch, aber ohne zu moralisieren. Das gilt auch für einige interessante Nebenfiguren wie beispielsweise Marianne, die Frau von Max Weber. Dabei legt die Autorin den Focus auf die Wege zur Selbstbestimmung, bzw. zur Selbst-Erfindung von Frauen über alle gesellschaftlichen Widerstände und Vorurteile hinweg. Lesenswert und immer noch aktuell!


Petra Herrmann - 1. Juli 2026
ID 15928
Reclam-Link zum Sachbuch von Gunna Wendt


Post an Dr. Petra Herrmann

petra-herrmann-kunst.de

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