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Schaurig dunkel
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Bewertung:
Andreas Winkelmann entführt uns diesmal ins Norddeutsche Moor. In dieser abgeschiedenen Region leben nicht nur knurrige, wettergegerbte Menschen, hier ist Platz für düstere Legenden, aber auch für spektakuläre Filmchen auf einem TikTok-Kanal. Den betreiben die 18-jährigen Zwillinge Nike und Jana. In anzüglicher Verkleidung drehen sie abgefahrene Kurzvideos, mit denen sie ihr Videoportal speisen. Die Zwillinge treten dabei nie gemeinsam auf, so dass Außenstehende nicht wissen, dass es sich um zwei Frauen handelt.
Die eineiigen Zwillinge sehen sich so ähnlich. dass nur die Eltern diese unterscheiden können. Das nutzen die Zwei, um ihre Umwelt mit der jeweils falschen Identität zu täuschen. Nicht jeder im Dorf mag die jungen Frauen deshalb, doch fühlen sie sich anscheinend nicht bedroht, als sie bei denkbar schlechtem Wetter einen Ausflug ins Moor wagen. Sie kehren nicht zurück und ein Suchtrupp ortskundiger, unter ihnen der Landarbeiter Toma machen sich auf die Suche.
"...das Moor log und betrog.
Vor allem bei diesem Deckswetter.
Rechts und links der Straße zog es sich schier endlos dahin, dieses flache, feuchte Land mit seinem niedrigen Bewuchs aus Moorbirke und Waldkiefer, der Boden bedeckt von Wollgras, Sonnentau und Moosen. Nichts war wie das Moor, dessen Boden die Seele der Vergangenheit speicherte.
Toma lauschte. Blieb regungslos. Konzentrierte sich, schloss die Augen, die ohnehin nutzlos waren im Nebel.
Und riss sie wieder auf, als er was hörte.
War das ein Mensch oder ein Tier?
Ein Schrei oder das Heulen eines Wolfes?
[...] Oder handelte es sich um etwas ganz anderes?
Etwas zwischen Himmel und Erde, das sich nicht so einfach erklären ließ?"
(Moorland. Die Zwillinge, S. 7)
Die Suche nach den Mädchen zieht sich schier endlos in die Länge. Im Dorf gibt es eine Handvoll Verdächtige, aber nicht mehr. Dann kommt es zu einem weiteren Mord. Ein Einzelgänger wird in seiner Hütte anscheinend grundlos erschossen.
Der Thriller lebt von den gruseligen Gewaltvideos, die der Täter auf dem TikTok-Kanal der Zwillinge postet. Ein echter Spannungsbogen entsteht nicht und der Täter, der zum Schluss gefasst wird, ergibt sich nicht aus der Handlung.
*
Nachdem Winkelmann mit der Reihe um die Ermittler Jens Kerner und Rebecca Oswald ein sympathisches Team in den vorangegangenen Büchern agieren ließ, ist mir die neue Kommissarin Malia Gold unsympathisch. Sie liefert keine ermittlungstechnischen Glanzleistungen, sondern ist ständig mit ihren Familienproblemen beschäftigt. Nach 15 Jahren kehrt sie ins norddeutsche Moorgebiet zurück und trifft dort auf ihre Vergangenheit, insbesondere auf ihre Mutter, vor der sie einst geflohen ist. Zwar werden die griesgrämigen Charaktere der Menschen dort intensiv geschildert, doch nimmt mich dies als Leserin nicht gefangen. Eigentlich interessiert mich ein guter Krimi, wie ich es von Winkelmann gewohnt bin, und nicht die Mutterproblematik einer Malia Gold. Und so warte ich nicht gespannt auf die angekündigte Fortsetzung mit dieser Ermittlerin und ihren Psychoproblemen.
Ellen Norten - 27. März 2026 ID 15769
Knaur-Link zum Thriller
Moorland. Die Zwillinge
Post an Dr. Ellen Norten
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