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Boris Koch - Vier Beutel Asche

Roman
Heyne 2012
ISBN 978-3-453-26834-0



Reise mit einem Toten

Was tun, wenn der beste Freund oder die beste Freundin stirbt? Das Thema ist schwierig in unserer Gesellschaft, denn beim Verlust eines geliebten Menschen geht es doch meist um Familienangehörige. So steht Jan, die Hauptperson in Vier Beutel Asche mit seiner Trauer ziemlich allein da. Sein Freund ist auf dem Fahrrad von einem Pkw überfahren worden. Obwohl der Fahrer freigesprochen wird, sucht Jan zunächst in ihm den Schuldigen und bedroht ihn anonym. Doch bald merkt er, dass ihn diese geheimen Attacken nur noch einsamer machen. Nachdem auch noch die Beerdigung zu einer einzigen Farce entgleitet, in der lediglich die Etikette im Mittelpunkt steht, geht Jan am 17. Geburtstag seines Freundes nachts an dessen Grab, um ihn zu besuchen - und er ist nicht allein.

Er trifft dort auf Maik, einen eher flüchtigen Bekannten von Christoph, dem dessen Tod sehr nahe geht. Maik hat Schuldgefühle, da er Christoph sein Fahrrad lieh. Das defekte Rücklicht daran könnte den Unfall begünstigt haben. Noch während die beiden mit einander sprechen, tritt Lena hinzu. Auch sie ist erschüttert, obwohl sie ebenfalls eher flüchtig mit Christoph befreundet war. Zum Schluss kommt auch noch Selina, Christophs Freundin, ans Grab. Obwohl sie Lena misstraut, entwickelt sich ein intensives Gespräch zwischen den Vieren, in dem sie beschließen, noch einmal gemeinsam Abschied von Christoph zu nehmen. Sie wollen ihn zum zweiten Mal beerdigen, diesmal so wie Christoph es sich gewünscht hätte, nämlich im Meer. Um die Asche allerdings dort hin bringen zu können, gilt es zunächst, eine schwierige Hürde zu nehmen; die Urne von Christoph muss dazu ausgegraben werden.

„Mit einem Mal hatte uns Scheu erfasst, wir zweifelten, ob wir wirklich das Richtige taten. Weder Lena noch ich langten nach unten, um die letzte gelockerte Erde von Christophs Urne zu kratzen. War das wirklich das, was Christoph gewollt hätte?

Mein Blick huschte umher, als wäre die Antwort mitten in der Nacht zu finden. Ich war nicht abergläubisch, aber in Filmen schickten die Toten immer ein Zeichen, und so war der Blick ein Reflex. Nichts regte sich auf dem ganzen Friedhof, kein Wind frischte auf, kein Ast fiel vom Stamm, kein Eichhörnchen huschte über den Weg, keine Katze maunzte, kein Vogel krächzte, und schon gar nicht zeigte sich eine geisterhafte Erscheinung. Im Unterschied zu den Figuren im Film hätte ich auch nicht gewusst, ob ein Krächzen Ja und ein Blätterrauschen Nein bedeutete.“
(S. 120)

Es geht hier nicht um sensationsheischenden Übermut der vier Jugendlichen, sondern um den tief empfundenen Wunsch, einen echten und passenden Abschied von Christoph zu nehmen. Und so machen sie sich mit Motorroller und Motorrad auf in Richtung Frankreich, an die französische Atlantikküste zum Ort Morlaix. Dabei haben sie vier Beutel, in die sie die Asche des Toten aus der Urne verteilt haben.

Die Reise durch Frankreich birgt allerlei Abenteuer, und damit wird das Buch unterhaltsam, manchmal spannend und ist nicht nur ein Buch über Tod und Abschied, sondern auch über Leben und Liebe. Es erzählt die Reise von vier Menschen, die während der Fahrt eine eigene, besondere Beziehung zueinander aufbauen. Am Ende wird Christoph zum zweiten Mal beerdigt, eine Beerdigung ohne Etikette, stattdessen ein bisschen spektakulär.

Man muss nicht sechzehn Jahre alt sein, wie der Icherzähler Jan, um sich dem Thema Tod eines Freundes zu nähern. Die Jugendlichen wählen einen ungewöhnlichen und zu ihrem Alter passenden Weg. Das Buch will Mut machen zum eigenen Umgang mit der Trauer, und die ist vom Alter unabhängig. So ist Vier Beutel Asche mehr als ein Jugendbuch. Es ist ein Buch zu einem traurigen Thema, aber es ist kein trauriges Buch.

Ellen Norten - 29. April 2013
ID 6712
Boris Koch: Vier Beutel Asche
384 S., geb. m. Schutzumschlag
ISBN 978-3-453-26834-0
EUR 17,99 (D)

eBook: ISBN 978-3-641-09269-6
EUR 13,99 (DE)

Heyne Verlag, 2012



Siehe auch:
http://www.randomhouse.de/heyne/


Post an Dr. Ellen Norten



 

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