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2./3. Juni 2007 - Köln

"Treffen junger Magazine" ("TJM")


Jung und schön - Neue Literaturmagazine braucht das Land!

Wenn es eines Beweises bedürfte, dass technischer Fortschritt sich auch auf vergeistigte Institutionen wie den Literaturbetrieb auswirken kann – am vergangenen Wochenende in Köln wurde er geführt: Dort versammelten sich beim „Treffen junger Magazine“ („TJM“) Herausgeber und Redakteure von acht Literaturmagazinen, deren gemeinsamer Nenner zumindest die Attribute „jung“, eben aber auch „unbekannt“ sind. Zweck der Veranstaltung: „wechselseitige Befeuerung“ und gebündelte Präsentation der eigenen Arbeit, die stets im stillen Kämmerlein vorangetrieben wird und deren Ertrag allzu oft auch ebendort zu verbleiben droht.

Raus also aus dem Kämmerlein, riefen die Macher daher laut, und rein in die Kölner Szenekneipe Hallmackenreuther am Brüsseler Platz, dort, wo sich auch die junge Kölner Literaturszene umtut. In der ersten Etage konnte man sich bei der „Kleinen Messe der Jungen Magazine“ davon überzeugen, dass es den jungen Literaturenthusiasten gelingt, bemerkenswerte Druckwerke vorzulegen: schon deren äußerliches Erscheinungsbild darf man als vollkommen schön bezeichnen. Die reine Freude, etwa in der von Jan Valk und Jonas Reuber herausgegebenen Zeitschrift „sprachgebunden“ zu blättern – ansehnliche Abbildungen in höchster Druckqualität auf ausgesuchtem Papier in hochwertiger Bindung – ohne sich gleich intellektuell an den darin abgedruckten Texten zu verausgaben.

Solch hohe Qualität – inhaltlich, optisch, haptisch – ist natürlich dem Enthusiasmus und Einfallsreichtum der Herausgeber zu danken, nicht zuletzt aber doch wohl auch den zunehmend erschwinglichen technischen Möglichkeiten der Drucklegung solcherlei Periodika. Das „Netz“ muss keinesfalls der Weisheit letzter Schluss sein: Ein Beweis, den diese Zeitschriften-Messe ganz en passant führte.

Selbst die Gimmicks sind hochwertig: So bietet die Aachener Zeitschrift „[SIC]“ zu ihrer jüngsten Ausgabe einen Soundtrack auf CD an. Darauf muss man nicht nur erst einmal kommen, das will auch hübsch umgesetzt sein. Und das ist, hier wie dort, eindrucksvoll gelungen. Eine Ausnahme in Bezug auf die Schönheit mag die auf simplem Zeitungspapier gedruckte „lauter niemand“ aus Berlin darstellen, die dafür aber mit einer staunenswerten Auflagenzahl von 10.000 Exemplaren protzt. Die meisten anderen Zeitschriften überschreiten mit Glück vielleicht die 1000er-Grenze – oder auch eher nicht. Das Attribut „unbekannt“ längst abgelegt hat die aus dem Hildesheimer Literaturseminar hervorgegangene „BELLA triste“, die es im Literaturbetrieb bereits zu einiger Aufmerksamkeit gebracht hat und bei dreimaligem Erscheinen pro Jahr eine Auflage von 1400 Exemplaren erreicht. Die „EDIT“ aus Leipzig, neben „Krachkultur“ mit 13 Jahren älteste unter den jungen Magazinen, erreicht dreimal jährlich eine Auflage von 1600 Exemplaren. Die „Kritische Ausgabe“ hingegen hat mit 850 Exemplaren die vierstellige Schallgrenze noch nicht ganz erreicht.

Aber was nicht ist, kann ja noch werden: Nicht ganz ohne Hintergedanken verweisen die Organisatoren dieses Treffens auf den Erfolg junger und unabhängiger Verlage wie „kookbooks“, nachdem die sich vor zwei Jahren gemeinsam auf der Leipziger Buchmesse präsentierten. Ausgelegt war das vom Deutschen Literaturfonds sowie der SK Stiftung Kultur geförderte „Treffen junger Magazine“ auf zwei Tage. Und neben der nachmittäglichen Präsentation sollte natürlich auch das gemeinsame Befeuern, also Austausch und strategische Planung, nicht zu kurz kommen: Dazu trafen sich die Herausgeber und Redakteure jeweils vormittags im Kölner Literaturhaus. Dass es dort am Sonntagmorgen nach der „Nacht der jungen Magazine“ eher verkatert zuging, mag man als gutes Zeichen für einen gelungenen Dialog zwischen allen Beteiligten – Herausgeber, Autoren und Leser – werten: schließlich sind die ebenso jung wie ihre Magazine. Und zum Glück hatte man dank dem deutsch-französischen Kulturmagazin „la mer gelée“ auch südländisches Temperament aufgeboten, deren Vertreter die Tanzfläche bei der gut besuchten Party im Keller des Hallmackenreuther als erste belebten.

Natürlich fehlten in Köln auch nicht die, um die es eigentlich letztlich geht: die jungen Literaten, die selbstverständlich alle schon selbst in jungen Literaturmagazinen veröffentlicht haben oder wurden. Saša Stanišic, Jörg Albrecht und Nora Gomringer lasen am Samstag, Hauke Hückstädt, Jo Lendle und Ron Winkler am Sonntag. Letztere drei beteiligten sich auch an einer Podiumsdiskussion: Die Funktion von Literaturmagazinen konnte dabei von allen Seiten des Literaturbetriebs beleuchtet werden, zumal etwa Lendle sowohl selbst Autor ist, aber als Dumont-Mitarbeiter auch aus Verlegersicht sprechen konnte.

In dem „TJM“-Projekt ist auch ein gemeinsamer Stand der beteiligten Zeitschriften auf der kommenden Frankfurter Buchmesse vorgesehen, auf der man weiteres reges Publikums-und Presseinteresse entfachen möchte. Dann wird auch die „Lose Blätter“ dabei sein, die für Köln kurzfristig absagen musste. Und eine Fortsetzung des gemeinsamen Diskurses auf Ebene solcher Treffen mit erwünschter Innen- und Außenwirkung ist für das kommende Jahr schon angedacht. Ihr Potenzial haben die Lieferanten des gepflegten Metadiskurses zur jungen deutschsprachigen Literatur unter Beweis gestellt. Sie werden weiter von sich hören machen.


www.junge-magazine.de/

http://www.bellatriste.de/
http://www.sprachgebunden.de/
http://www.editonline.de/
http://www.siconline.de/
http://www.lamergelee.de/
http://www.kritische-ausgabe.de/
http://www.lauter-niemand.de/
http://www.krachkultur.de/
http://www.lose-blaetter.de/




Stefan Andres - red. / 8. Juni 2007
ID 3278





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