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Rezension


Rezension des Romans von Albert Sánchez Piñol

IM RAUSCH DER STILLE



Albert Sánchez Piñol

Sein Titel verheißt alles. Es muss um vieles gehen, wenn zwei Extreme sich gestalten. Stille ist rar geworden und Ort mit Selbstwert in sich. Rausch als Ortsantipode überschallt Unerträgliches. Egal, ob das Szenario der verheißenen Kernwertefusion seine Bühne im Innen oder Außen findet, Mensch und Bewusstsein sind im Schmelztiegel für eine ahnbare Fundamentalkatastrophe. Zu viel Aussicht in der Bedeutungsschmelze vierer Wörter?

Die Komponenten für das Explosivgemisch sind bewährt: Eine ferne Insel, zwei Charaktere, die Liebe und eine Gefahr aus einer zeitgeistschwangeren Dimension, der des Meeres. Alles ist perfekt aufgestellt. Kann der Debütroman aus dem Jahr 2002 sein höchstes Titelversprechen einlösen? Das Thema, Krieg versus Frieden, ist gewaltig. Die Chancen scheinen gering, aber Piñol kennt als Anthropologe seine Modelliermasse: der Mensch als Träger der Extreme von Gandhi bis Hitler. Und Extreme sind angesagt.

Der fiktive Abenteuerroman mit existentiellem Symbolgehalt und Aussagewert erreichte Platz 1 spanischer und österreichischer Bestseller-Listen, verweilte dort über 100 Wochen, heimste den bedeutenden Literaturpreis "Ojo critico de narrativa" ein und wurde in 27 Sprachen übersetzt. 2006 erschien "La pell freda", so der spanische Originaltitel, in deutscher Sprache.

Albert Sanchez Pinol, Im Rausch der Stille, Roman, S. Fischer Verlag Frankfurt am Main 2005, ISBN 9783100616029, Gebunden, 252 Seiten, 18,90 EUR

Worum geht's? Protagonist ist ein irischer Freiheitskämpfer, der sich in seiner Ich-Erzählung von der Revolution abwendet und sich einem anderen, ebenso weiten, Ziel zuwendet, einer antarktischen Insel, um dort in der Stille fern allen Geschehens eine Stelle als Wetterbeobachter anzutreten. Angekommen auf der Insel findet er das Haus seines verschwundenen Vorgängers, den er ablösen soll, verlassen vor. Nicht verlassen hingegen ist der Leuchtturm der Insel nahe einer seltenst befahrenen Atlantikroute. Batís Caffó, den österreichischen Leuchtturmwärter, findet der Ire betrunken, wirr, widerlich, rauh, abweisend und geheimnisvoll vor. Das Inselgeheimnis aber offenbart sich schon in der Nacht nach der Ankunft. Es ist die Gefahr, die aus dem Meere kommt. Massen hominider Amphibien entsteigen ihrer Unterwasserwelt, um dem Mann im Leuchtturm den Garaus zu machen. Dies, obwohl sich Aneris, Angehörige der hybrid-fiktiven Rasse, als Lebensgefährtin mit übersinnlicher Fähigkeit der Gefahrenvorausschau und als Sexsklavin des Turmkämpfers halten lässt. Ihre Teilnahme- und Sprachlosigkeit gibt dem durch sie entstehenden Schlachtfeld zwischen den Überlebenskämpfern eine surreale Komponente. Der Martialität der Menge der Angreifer entsprechend setzen die beiden Inselmänner die adäquate Gewalt
menschlicher Verteidigungs- und Kriegsstrategie entgegen. Soweit im Süden nichts Neues. Jedoch ein Patt wird absehbar und Fortsetzung von Gewalt wird den Untergang beider festschreiben. Dieser Erkenntnis des Iren widersetzt sich der Österreicher prinzipiell. So wird ein weiteres Schlachtfeld eröffnet. Menschliche Zwietracht erfährt sich im Kampf gegen die mindestens ebenbürtige fremde Macht Citauca, die so fremd nicht zu werden trachtet.

Wenn überraschende Handlungsverläufe Hochspannung generieren, so tragen sie existentielle Kernfragen des Individuums und des Menschen an sich gleichermaßen in sich. Der Leuchtturm wird zu einem Leuchtfeuer für Nachdenken jenseits des offenen Endes eines Romanes, der sich einem eindeutigen Genre entzieht, und seine Leser nicht eher entlässt, bis diese die letzte Seite im Rausch der Stille durchlebt haben.


Arnd Moritz - 4. Mai 2010
ID 00000004621

Albert Sanchez Pinol, Im Rausch der Stille
Roman
S. Fischer Verlag, Frankfurt am Main 2005
ISBN-10 3100616022
ISBN-13 9783100616029
Gebunden, 252 Seiten, 18,90 EUR

Weitere Infos siehe auch: http://www.fischerverlage.de





 

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