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Micheline Rampe: Jeder will es werden, keiner will es sein

Alter als Herausforderung
A1 Verlag, München 2006
ISBN 3-927743-87-9


Handbuch für erfolgreiches Altern

„Alt werden ist nichts für Feiglinge“ steht auf den Geburtstagskarten, die in meinem Bekanntenkreis verschickt werden, wenn das „Dritte Alter“ erreicht ist.
Nach dem Buch, Alter als Herausforderung, von Micheline Rampe, beginnt dieser Lebensabschnitt mit 50 und endet bei 80 Jahren. Solange muss man offensichtlich tapfer sein. Das, im Münchner A1 Verlag herausgegebene Sachbuch mit dem Untertitel, „Jeder will es werden, keiner will es sein“, kann dafür als als Handbuch dienen, sodass es dann klappen möge – das erfolgreiches Altern.
Durchgehend positiv argumentiert die Autorin Micheline Rampe gegen die Mär an, dass im Alter Kraft, Knochen und Gehirn zwangsläufig nachlassen müssen.
28 berühmte und weniger bekannte Männer und Frauen, von Coco Chanel bis Dieter Hildebrandt, präsentieren in Interviews und Zitaten, dass das „Best Age“ auch als fröhliche und zufriedene Lebensphase erlebt werden kann.
Die Interviewten verschwenden (fast) keinen Gedanken auf aufkommende und bestehende Falten oder Schwächen, „denn sie haben keine Zeit dazu“. Was tun sie stattdessen?
Malen, schreiben, denken, reisen, Brötchen schmieren, singen, tanzen und netzwerken.
Die Autorin strickt daraus eine genüsslich zu lesende, sehr aufmunternde „Anleitung zum Glücklichsein in der dritten Lebensphase“.

Nun soll ich also, langsam grauer am Kopf, lahmer im Gebein, mit stetig steigenden Dioptrin in der Brille noch mutig werden, um glücklich zu altern? Ja, meint Micheline Rampe, ganz einer Meinung mit ihren Interviewten. Statt sich über die Diffamierung des Alters (Ageismus), zu ärgern, rät die Autorin zu den Haltungen des dynamischen Trios Dieter Hildebrandt, 80, Trude Unruh, 82, und Elke Heidenreich, 67. „Es gibt nur eine Lebensweisheit“, sagt der Kabarettist Dieter Hildebrandt: „Sich nichts gefallen lassen“. Die Schriftstellerin Elke Heidenreich dagegen leistet es sich, „manche Leute zu mögen, oder nicht“.
Plattitüden wie „Wer nicht alt werden will, muss halt jung sterben“ oder anders herum, „Nur jung zu sterben schützt vor hohem Alter und seinen Gebrechen“ kennt jeder.
Besser ist es, der 69-jährigen Modeschöpferin Coco Chanel zuzuhören: „Ich bereue nichts, außer das, was ich nicht getan habe“. Oder Vivienne Westwood, 66, Dozentin an der Berliner Akademie der Künste bis 2005 die ihren Studentinnen rät: „Denken, statt zu konsumieren“.
Die Künstlerin Louise Bourgeois, Jahrgang 1911 und die 1927 geborene Graue-Pantherin Trude Unruh leben auch nach der Devise.
„Werde, der/die du bist!“ ist Lebensmotto der Angesprochenen und Kernthese der Autorin Micheline Rampe, die ihr Alter nicht verrät.
Einzelne Kapitel wie Künstler, Visionäre, Querdenker, Netzwerker, Kommunikatoren leiten durch das Buch, das eine Fülle an Stoff bietet, indem es Erkenntnisse aus der Alterforschung, aus Biografien, und aus anderen Werken, aufbereitet. Selbst der umfangreiche Anhang kann als zusätzliches, spannendes Kapitel gelesen werden.

Die freie Lektorin und Autorin Micheline Rampe war Rundfunk und Fernseh-Journalistin, bevor sie in die Verlagsbranche wechselte und seitdem erfolgreich Sachbücher schreibt.

Es erfrischt ungemein, an der „Schwelle zum Dritten“ dieses Buch zu lesen. Keine hässliche Sachen wie Pflegestufe, Demenz, Seniorenheime, Haftcreme und Inkontinenz werden benannt. Auch das landläufig berühmte Wort Rüstigkeit wird vermieden. Von Einsamkeit im Alter ist nur ab und an ein Hauch zu spüren - in der Forderung, dass es sie zu vermeiden gilt.
Dem Elend dieser Welt ist in diesem Buch kein Kapitel einräumt, es existiert dennoch. Auch Krankheiten sind real. Doch hier bleiben die Schattenseiten des Alterns im Hintergrund.
Robert Gernhardt stirbt am 30. Juni 2006 an seinem Krebsleiden. Im gleichen Jahr ziert er mit seiner Hündin Bella den Literarischen Hundekalender 2006 (siehe Kultura-Extra im Januar 2007) und strahlt Gelassenheit aus.

Es schadet nie und nimmer, sich an positiven Beispielen zu orientieren, sich mit denen zu freuen, die bis ins hohe Alter aktiv sind und es bleiben wollen.
Die Hamburgerin Trude Gränert-Gerlach, genannt Schutty, amtierende Seniorenschönheitskönigin, geboren 1919, leitete mit ihrem Mann mehrere Schuhgeschäfte und ist Mutter von vier Kindern. Mit 50 Jahren wird sie Witwe. Was sie in ihrem Leben am meisten bereut hat? „Nichts. Ich habe alles gemacht, was ich wollte. Ich habe nach dem Tod meines Mannes Liebhaber gehabt und war mit ihnen glücklich. Ich bereue nichts.“
Schade ist, dass das Cover und die Farbgestaltung das Buch äußerlich wenig attraktiv erscheinen lassen. Der Inhalt ist erste Sahne.


Hilde Meier -red.-berlin / 28. Februar 2007
ID 00000003025
Micheline Rampe
Jeder will es werden, keiner will es sein - Alter als Herausforderung
(Titelbild/Cover: giftbox on legs)
Alter als Herausforderung
A1 Verlag, München 2006
ISBN 3-927743-87-9
200 Seiten, gebunden
€ 18,80/sFr 33,20

www.MichelineRampe.de


Siehe auch:
http://www.a1-verlag.de





 

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