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Rezension

Natalie Schlegel - "Mamas Lover"

Wovon Mütter heimlich träumen
Ulrike Helmer Verlag, Königstein/Taunus - 2007
236 Seiten, 19,90 Euro - ISBN 978-3-89741-236-1


Der Ulrike Helmer Verlag schreibt über sich selbst:
„Unser Selbstverständnis ist es, als unabhängiger Verlag Bücher mit Profil zu machen und ein Auge für die Vielfalt und für ungewöhnliche Themen zu haben – insbesondere für solche, die die Wünsche und Träume von Frauen, ihre Geschichte und Zukunft betreffen.“ (www.ulrike-helmer-verlag.de)

Und die „Wünsche und Träume von Müttern“, wie sie Natalie Schlegel als Thema des neuen Buches „Mamas Lover“ gewählt hat, wurden bisher als großes Tabuthema brav unter dem Teppich gehalten. Denn Mütter haben nach der öffentlichen Meinung ja keine Frauen mit sexuellen Bedürfnissen und Wünschen zu sein, sondern fast asexuell und so etwas wie „reine Engel“. Mit der Geburt eines Kindes wird eine Frau zur Mutter, Mutti, Mama – Namen, die oft auch der Ehemann übernimmt. Dabei bleibt das Frausein auf der Strecke.

In einem längeren theoretischen Teil nimmt Natalie Schlegel das Leben von Müttern unter die Lupe, wie es sich aus den Befragungen herauskristallisiert: Da ist immer wieder dieser schleichende Prozess, der auch heute noch aus selbstbewussten, berufstätigen Frauen abgehetzte, überforderte „Muttis“ macht, die in der Haus- und Kinderarbeit versinken – während die Väter in der Regel ihr gewohntes Leben weiterführen. Dazu kommt die Rollenfestlegung von außen, die immer noch ähnlich rigide wirkt wie bei unseren Großeltern. Die meisten jungen Frauen können sicher die volle Tragweite der Veränderungen nicht abschätzen, die ihr „Kinderwunsch“ nach sich zieht. Und ein Kind, wenn es einmal da ist, lässt sich nicht rückgängig machen ...

Auch wenn am Anfang einer Ehe der Anspruch auf Gleichberechtigung und Teilung der Hausarbeit steht: Ist erst ein Kind – oder sind gar mehrere Kinder – da, ist meistens die Rückkehr zur traditionellen Rollenverteilung vorprogrammiert. Deshalb finde ich es sehr gut nachvollziehbar, wenn heute immer mehr junge Frauen bewusst auf Kinder verzichten.

Dann erzählen 15 Mütter von ihren heimlichen Träumen oder realen Liebhabern, die ihnen helfen, ihren Alltag zu meistern und sich selbst wieder „als Frau“ zu spüren. Da gibt es die heimlich ausgelebte Affäre, die neuen Schwung in ein Mutterleben bringt; die „Fantasiereise“ mit fünf Männern auf eine einsame Insel als kleine Auszeit im Alltagstrott; eine „Beinahe-Affäre“ mit einem verheirateten Mann, der Skrupel bekommt, bevor es ernst wird; die Kombination Ehemann/Liebhaber als bewährtes „Erfolgsmodell“; die verwirrende, aber unerfüllte Liebe zu einer Frau; eine „virtuelle“ sexuelle Beziehung über das Internet; eine ganze Serie von Affären nach dem „Auslöser“ eines zufälligen Zusammentreffens mit einem Jugendfreund; eine glückliche dritte Ehe nach zwei gescheiterten Ehen und Jahren als Alleinerziehende; die Affäre mit einem 20 Jahre jüngeren Kumpel der erwachsenen Tochter; den „Traum vom Traumprinzen“ beim Bügeln als einzigen „Fehltritt“ in 50-jähriger Ehe; einen Verehrer, der sofort zum „Ekel“ mutiert, als er sich seiner Eroberung sicher ist; und schließlich den liebevoll und zärtlich geträumten Ehemann, der in Wirklichkeit gefühlskalt und egoistisch ist.

Aus allen Geschichten geht hervor, dass die Frauen mit ihren Ehemännern bzw. Vätern ihrer Kinder lange und intensiv – meist über Jahre – um eine tragfähige Basis, um Gespräche, Verständnis, Interesse, ein wenig Anerkennung und Zuwendung gerungen haben. Erst nachdem ihre Bemühungen sich als gescheitert erwiesen und sie alle Hoffnungen in dieser Richtung aufgegeben hatten, suchten sie „Ersatz“, um selbst nicht vor die Hunde zu gehen. Alle betonen, dass ihre Kinder ihnen das Wichtigste seien. Oft ertragen sie die unbefriedigende Situation einer kalten, lieblosen Ehe, um den Kindern den Vater und die „heile Familie“ zu erhalten.

FAZIT: Ein wichtiges und mutiges Buch. Es zeigt, dass fremd gehende Mütter in den seltensten Fällen „Flittchen“, „Huren“, „Nymphomaninnen“ o. ä. sind, sondern schlicht um ihr Überleben als Frauen kämpfen.


Armgard Dohmel - red. / 15. Oktober 2007
ID 3477


Siehe auch:
http://www.ulrike-helmer-verlag.de





 

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