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Rezension

Lütteken, Laurenz (Hg.): Musikwissenschaft. Eine Positionsbestimmung.

Kassel: Bärenreiter-Verlag 2007
ISBN/ISMN: 978-3-7618-1992-0




Vier Positionen um Musikwissenschaft

Prof. Laurenz Lütteken (Zürich), Prof. Ulrich Konrad (Würzburg), Prof. Hans-Joachim Hinrichsen (Zürich) und Prof. Peter Gülke (Basel) helfen auf die Sprünge.


Einfach mal zu sagen, wo Musikwissenschaft herkommt, wie sie sich ursprünglich begründet, wie sie zu ihrem Recht an der Universität kam und wodurch ihr dieses Recht neuerdings abgeknapst wird. Davon berichten diese vier essayistischen Beiträge. Also auch: Warum Wissen in der Musik, Wissen über Musik bedingt und umgekehrt. Sie beschreiben teilweise interne Ent- und Verwicklungen, ausgespart die von Musikwissenschaft im Dritten Reich. Und bleiben vor allem dem musikalischen Kunstwerkbegriff streng verpflichtet. Sehen gerade darin die Unterscheidungsfähigkeit ihres Fachgebiets, vor Nivellierung, vor Okkupation, vor theoretischen „Moden“. Es handelt sich um sprachlich erfreulich unprätentiös daherkommende Vorträge an Außenstehende. Für Leute, die einmal hineinschnuppern wollen und nicht recht wissen, was es so auf sich hat mit dieser alten und institutionell gleichsam jungen Wissenschaft, gibt dieses Buche eine gute Einführung.

Wer hingegen tiefere wissenschaftstheoretische oder musikphilosophische oder interne Auseinandersetzungen, gar mit einer „Kritischen Theorie der Musik“ (Claus Steffen Mahnkopf) von den Positionsbestimmern erwartet, wird von dem vorherrschenden Stil-Konservativismus enttäuscht. „Das Kerngeschäft der Musikwissenschaft ist nun einmal die denkende Auseinandersetzung mit dem wunderlichen Phänomen der Musik, und gerade im Erstaunen über das Phänomen berührt sie sich mit einer vieltausendjährigen Zivilisationsgeschichte überhaupt.“ (Laurenz Lütteken) Eines lernt sich dem Leser vor allem: Wie bescheiden Geisteswissenschaft im Zeitalter des globalwirtschaftenden Ungeistes geworden ist. Einzig Peter Gülke lädt ein zu „offensiver Wissenschaft“, allerdings mit miefig eingesetztem Begriffsarsenal wie „Identität“ oder „Tradition“ im Gepäck. Was diesen ohnehin zu schnell verfassten Beitrag zu einem überflüssigen macht. Ob nicht all dies viel zu harmlos bleibt? Gewiss. Dass Musikwissenschaft so am Ende die Bereiche zementiert, wie Gülke mahnt, als „deren Opfer“ sie sich gerne sieht, beglaubigen diese alles in allem gelinden Versuche über Musikwissenschaft in der Tat.

Wolfgang Hoops - red / 20. September 2007
ID 3446


Siehe auch:
https://www.baerenreiter.com




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