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Kulturmanagement konkret 2009: Interdisziplinäre Positionen und Perspektiven

DRITTER BAND DER FACHBUCHREIHE KULTURMANAGEMENT KONKRET
Herausgegeben von Gesa Birnkraut und Karin Wolf
Broschiert: 176 Seiten. ISBN-10: 3981143728. ISBN-13: 978-3981143720


Der dritte 2009 erschienene Band der in Wien und Hamburg ansässigen Institute für Kulturkonzepte verspricht einen Blick auf die momentane Chancen und die Zukunft des Kulturmanagements.
Vergessen werden dabei nicht die Positionen des Vergangenheit. Denn die an sich ideologische Paradoxie – freie Kunst versus kapitalistische Marktwirtschaft – in diesem seit über 30 Jahren existierenden Fachbereich unter einen Hut zu bringen (der englische Begriff dafür ist ja immerhin ‚arts management’) wurde oft mit Naserümpfen einer sich als unabhängig begreifenden Bohème betrachtet.
Doch gibt es heute kaum noch eine Bohème, zumindest keine, die sich ihrer chronischen Geldnot durch Managementkonzepte erwehren würde. Im Gegenteil: der neue uomo universale oder vielleicht besser uomo mundi der Kultur ist kreativ UND geschäftstüchtig. War nicht schon Leonardo sich nicht zu schade seine Erfindungen den gut zahlenden Militärs anzupreisen?
Doch ohne zynisch werden zu wollen: es ist ja richtig, und das wird einem anhand des kleinen zweisprachigen Büchleins durchaus bewusst, einen konstruktiven Weg aus dem finanziellen Dilemma zu suchen: dies gilt für kulturelle Einrichtungen ebenso wie für den einzelnen Künstler. Ohne Geld geht halt nix und je mehr Geld je schicker das Ergebnis. Betrachtet man sich die zähen Rangeleien auf irgendwelchen städtepolitischen Sitzungen um jeden Cent, offenbart sich einem die Bedeutung gut vorgetragener kulturpolitischer (Schein)argumente: Projekte mit Renommeeoption haben’s leichter, meist ganz nach dem zeitgenössischen Glaubensbekenntnis mehr Form, weniger Inhalt.

Karin Wolf und andere resümieren anerkennenswert vielschichtig über diese Probleme und finden zudem den Umkehrschluss im Begriff der Kreativwirtschaft: kreative Methoden der Kultur fruchtbar gemacht für wirtschaftliche Innovationszwänge. Und so widmet sich das Büchlein auch dem Berufsbild des Kultur- bzw. Projektmanagers, der seit den 70er Jahren mit Politikern, Wirtschaftsfunktionären und Künstlern jonglieren muss. (siehe hierzu auch http://de.wikipedia.org/wiki/Kulturmanagement.) Birgit Mandel spricht von der Nutzbarmachung der Kreativressourcen und Leo Hemetsberger bemüht den alten PE-Begriff der Soft Skills für Führungskräfte im Kulturmanagement.

Dass mit den entsprechenden Marketingkonzepten und einer erfolgreichen Vernetzung von Kulturschaffenden schließlich auch progressive Projekte herauskommen können, zeigt der Artikel von Gesa Birnkraut und Maja Niedernolte, der einen Einblick in ein afrikanisch-deutsches Kultur-Pilotprojekt bietet. Das Ziel: durch Weiterbildungsmaßnahmen eine weitere Professionalisierung des afrikanischen Kulturbetriebes zu erreichen. Hilfe zu Selbsthilfe. Ja. Aber ebenso: kolonialverdächtig.
Abhängigkeitsverhältnisse durch Sponsoren oder einseitige Fundraisingkonzpete veranschaulichen dann auch Margaret Tali und Laura Pierantoni. Sie betonen die Notwendigkeit eines ‚Verteilens auf viele Schultern’ also von Modellen, die Einflüsse etwaiger Großsponsoren möglichst reduzieren können.

Neben solchen transkulturellen Überlegungen als ein typisches und ja auch ergiebiges Merkmal des heutigen Kulturbetriebes werden schließlich noch die Aspekte „Sicherheitsbedarf in Kulturbetrieben“ und „Nutzungsrechte im Internet“ diskutiert.
Auch hier zeigt sich der stets immanente Widerspruch: denn klar, wir wollen ja nichts Unrechtes tun, nichts illegales, keinerlei Form der Sanktionen riskieren, die obendrein kostspielig sein könnten. Und Dummheit schützt vor Strafe nicht. Doch kreativer Spontaneität wird hier aus einem Sicherheitsbedürfnis heraus ein klares Rahmenfeld abgesteckt. Da ausgerechnet die großen Medienunternehmen nicht unerheblich ihre Einschaltquoten mit ihrem steten Epigonentum, Ideenklauen, Plagiatentum und Beleidigungen erhöhen, allerdings mit viel Geld und damit einer ganz anderen Art von Sicherheit im Nacken bleibt unerwähnt. Aber es ist natürlich für die ehrlichen Kulturschaffenden ein anerkennenswerter Ansatz hier ethisch, juristisch usw. korrekt agieren zu wollen. Beide Beiträge bleiben sehr praxisnah.

Zusammenfassend empfand ich das 176 Seiten starke Büchlein als eine lohnende Lektüre, auch weil man sich hier noch einmal die ganze Stühle vor Augen führen kann, zwischen denen der Kulturbetrieb hockt. Zwar stören Begriffe wie Kulturwirtschaft und zeigen durchaus eine Tendenz an. Aber das sei den Machern zugestanden: denn im Prinzip haben sie, wie es in den letzten Jahren immer deutlicher wurde, recht mit ihrem Ansatz – leider.

Das Buch bringt keine neuen Ideen, aber es fasst die aktuelle Situation gut zusammen und wirkt allein daher inspirierend – nicht nur für Kulturmanager. Falls einen Personalentwickler die Muse küsst, sei auch ihm ein Blick empfohlen.

s.p. - red / 18. Febraur 2010
ID 00000004561
Ist auch bei goole books einzusehen: Kulturmanagement konkret 2009

INSTITUT FÜR KULTURKONZEPTE
Neuer Kamp 32
20357 Hamburg
t +49 40.44 50 62 60
f +49.40.44 50 62 87
info@kulturkonzepte.de


Siehe auch:
http://www.kulturkonzepte.de/?actP=4&Mnav=115





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