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Rezension

"Felix Salten: Der unbekannte Bekannte." - ein Sammelband über den vergessenenen österreichischen "Bambi"autor

Ernst Seibert und Susanne Blumesberger (Hrsg.)

Im Herbstprogramm des Wiener Praesens Verlag


Kennen Sie Felix Salten? Wenn nicht, stehen Sie damit sicher nicht alleine da. Wenn doch: Wussten Sie, dass er der Autor von „Bambi“ ist? Diese und mehr Fragen über den österreichischen Autor der Jahrhundertwende werden von den BeiträgerInnen Wiener des im Praesens Verlag erschienenen Sammelbandes beantwortet. Der Untertitel „der unbekannte Bekannte“ kommt dabei nicht von ungefähr: Felix Salten, der nicht nur die Literaturvorlage zu einem der bekanntesten Disneyfilme schrieb, sondern auch als der Verfasser des – anonym erschienenen – Romanes rund um die Wiener Prostituierte Josefine Mutzenbacher gehandelt wird, wurde bisher kaum besprochen und ist dementsprechend unbekannt.
Felix Salten war jedoch nicht nur der Erschaffer einer Rehfigur und vermeintlicher Autor eines Skandalbuches, sondern arbeitete auch rege als Journalist und Redakteur. Unter anderem war Salten Sonntagsfeuilletonist bei der Neuen Freien Presse und hatte demnach großen Einfluss auf das Wiener Geistes- und Kulturleben nach der Jahrhundertwende.


Aufbau und Wissenschaftlichkeit der Anthologie

Der Sammelband basiert auf Texten eines Symposiums, das die Österreichische Gesellschaft für Kinder- und Jugendliteraturforschung im sechzigsten Todesjahr des Autors im November 2005 in der Wiener Urania abgehalten hat. Bei den Vorbereitungen musste man jedoch feststellen, dass es an wissenschaftlicher (Vor)arbeit rund um den österreichischen Autor auffällig mangelt – umso mehr ein Grund für das Erscheinen dieses Buches.

Die einzelnen Beiträge (die nach dem Symposium noch um drei weitere ergänzt wurden) sind in fünf Kapitel gegliedert. Zuerst wird „zur Biographie“ und „zum Kindheitsbild“ referiert, dann folgt die Besprechung allgemeinliterarischer und kinderliterarischer Werke; danach finden sich zwei Beiträge zur Rezeption.

Die Anthologie richtet sich zwar in erster Linie an ein (germanistisches) Fachpublikum, dies sei vorweg genommen. Hier wird wissenschaftlich zitiert, nach jedem Beitrag folgen Angaben zur verwendeten Sekundärliteratur, die Sprache bedient sich am germanistischen Fachvokabular und dort, wo transdisziplinär gearbeitet wird, auch an dem anderer Geisteswissenschaften. Die Kenntnis der Primärtexte ist von Vorteil, aber nicht unbedingt notwendig. Das heißt jedoch in jedem Falle, dass auch für den interessierten Laien eine gewisse literarische Versiertheit bei der Lektüre von Vorteil ist. Wem Begriffe wie Intertextualität, Tiefenstruktur oder Binnenhandlung bereits vertraut sind, bietet das Buch bestimmt weniger Hürden bei der Erschließung der Texte.


Von Reiseberichten und Tierbüchern: Zu den einzelnen Beiträgen

Verschiedene Themen rund um die Person und das Werk Saltens werden von den Beiträgern behandelt - da mag bei der Durchsicht des Inhaltverzeichnisses der eine oder andere Beitrag eventuell zu speziell erscheinen. Dies hängt auch damit zusammen, dass die Texte aus einem Symposium hervor gegangen sind. In den Besprechungen werden Saltens Werke oft die anderer zeitgenössischer Autoren gegenübergestellt; eine durchaus übliche literaturwissenschaftliche Methoden, um Texte eines Schriftstellers im literaturhistorischen Kontext darzustellen. So erläutert beispielsweise Rembert J. Schleicher die Parallen von Saltens Reisebericht „Neue Menschen auf alter Erde. Eine Palästinafahrt“ zu Theodor Herzls zionistisch-programmatischen Roman „Altneuland“. Ernst Seibert stellt Saltens Tierbücher (für Kinder) denen der österreichischen Autorin Annelies Umlauf-Lamatsch gegenüber. Umlauf-Lamatsch, deren Kinderbücher in Österreich intensiv rezipiert wurden, sind teilweise auch heute noch bekannt, man denke an „Der kleine Peter in der Katzenstadt.“ Ein Gegenmodell bilden Saltens Tierbücher deswegen, weil sie nicht in „werten“ und „unwerten“ vermenschlichten Tiergestalten aufgehen und damit nicht bereits auf die propagandistische Jugendliteratur der nationalsozialistischen Zeit verweisen, wie Umlauf-Lamatsch Werke dies tun. Seibert erkennt auch, dass Saltens Tierfiguren jenseits von Freuds Triebmodell stehen, vielmehr ringt der Autor mit dieser Logik immer dort, wo er Mensch und Tier einander gegenüberstellt.
Felix Salten ging übrigens vor dem 2. Weltkrieg ins Schweizer Exil, Umlauf-Lamatsch blieb in Österreich und entwickelte sich zur Propagandaschriftstellerin. Über seine Zürcher Zeit berichtet Verena Rutschmann.
Die Entstehungs- und Wirkungsgeschichte und im speziellen die filmische Adaption von „Bambi“ bleiben natürlich auch nicht unerwähnt: Heidi Lexe stellt die Frage, ob "Bambi" tatsächlich als Klassiker der Kinderliteratur gelten kann und Judith Mathez geht der Entstehungsgeschichte der Disney-Verfilmung nach.

Insgesamt liegt mit diesem Sammelband eine Textsammlung zu Felix Salten vor, die interessante und vor allem neue Einblicke in die Werke und das Leben des österreichischen Autors geben: Die Überlegungen der WissenschaftlerInnen finden sich hier vielfach zum ersten Mal verschriftlicht. Zu wünschen wäre geblieben, zu Gunsten einer einführenden Haltung auf manch Spezielles zu verzichten: Es wäre interessant gewesen, statt eines Beitrags zur Rezeption der kinderliterarischen Werke in Ungarn vorerst einen zu jener in Österreich zu lesen. Die verschiedenen Ansätze sollen aber auch zu weiteren literaturwissenschaftlichen Arbeiten über Felix Saltens Werke anregen, deren VerfasserInnen wohl weitere Schritte unternehmen werden, um das Forschungsfeld umfassend abzudecken.

fs - berlin red / 25. August 2006
ID 00000002618
Felix Salten. Der unbekannte Bekannte.
Wien: Praesens Verlag, 2006.
Kinder- und Jugendliteraturforschung in Österreich. Bd. 8.
177 S.; geb.; Eur 29,20.
ISBN 3-7069-0368-7.

Siehe auch:
http://www.praesens.at




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