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Rezension


Blütenlesen, Die Bedeutung von Anthologien


(Rezension von Urs Malte Borsdorf)

Bücher werden viele Produziert. Doch die Arbeit mancher Verlage beschränkt sich oft nur noch darauf, alte Bücher mit neuer Einbandgestaltung und oft sogar unter anderem Titel neu aufzulegen.
Dabei kann nicht gesagt werden, dass die Qualität der Literatur nachließe, sondern eher, dass es offenbar für Verlage immer schwerer wird, neuere Literatur einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Mitunter können Anthologien versuchen, diesem Zustand Abhilfe zu schaffen.
Die Anthologie ist keine sehr anerkannte Buchform. Das ist eigenartig, in einer Zeit, in der Textsammlungen hoch im Kurs stehen; sei es Ranickis mehr oder weniger willkürlicher „Kanon“ oder die Süddeutsche Bibliothek mit ihren „50 Romanen“ die zu weiten teilen (wie „Die Stimmen von Marrakesch“ von Elias Canetti oder Schnitzlers „Traumnovelle“) keine solchen sind.
Die drei hier angeführten Anthologien spezialisieren sich jeweils auf eine der drei großen Textgattungen: Lyrik und Prosa, Dramatik.
Lyrik ist die Textgattung die in unserer heutigen Zeit den geringsten Stellenwert einnimmt. Das ist befremdlich, bedient sie doch die Wünsche unserer schnelllebigen Zeit da sie kurz und oft ein literarisches Erlebnis ist. Um Gedichte zu lesen braucht man nicht in schmalen Dachkammern zu hausen. Man kann sie an Bushaltestellen lesen, im Zug oder an Kuchentheken. Dies trifft vor allem auf die Anthologie „Lyrik von Jetzt“ zu, die mit deutschsprachigen Lyrikern der jüngsten Zeit aufwartet. Zu den Besten zählen hier Christoph W. Bauer, dessen Gedichte Sätze kreieren die miteinander verwoben sind was mäandrierend erscheint, oder die Texte der früh verstorbenen Beatrix Haustein die psychologisch genau gearbeitet sind. Traurig an diesem Band ist jedoch, dass die österreichische Lyrik nur mit drei Autoren vertreten ist, noch schmählicher verhält sich der Band gegenüber der Schweizer Literatur.
Der aktuellen Prosa wurde oft das lyrische abgesprochen, zu verknappt sei sie und die Sätze zu kurz. Doch kann es keine bessere Referenz lyrischer Prosa geben als Sprachverknappung; die verdichtete Prosa einer Karen Duve etwa oder jene Heinrich Bölls sind Belege hierfür. Erstere ist in dem Band „Inventur“ nicht vertreten und hier liegt auch das Problem: die aktuelle Prosa ist nicht gut ausgewählt. Erfreulich ist allerdings, dass auch ein wenig in Vergessenheit geratene Autoren, wie etwa Hans Henny Jahnn, mit aufgenommen wurden.
Der Band „Spectaculum 75“ ist Teil einer Reihe die neuere mit frühen Autoren der Moderne vereint. In dieser Ausgabe befinden sich etwa Stücke von Antonin Artaud, Simona Sabato, Peter Turrini. Ein beigefügter Materialienteil lässt in Interviews die Autoren selbst über ihre Stücke sprechen.




Die drei Anthologien machen eines deutlich: es ist wichtiger sich die Literatur selbst zu erarbeiten und Textsammlungen bilden bestenfalls einen Anstoß hierfür, ohne das Wissen ersetzen zu können.



Urs Malte Borsdorf, 1. Februar 2005
ID 00000001588
Björn Kuhligk, Jan Wagner (Hg.): Lyrik von jetzt, 74 Stimmen. DuMont Literatur- und Kunstverlag. EUR (A) 15,40.

Norbert Niemann, Eberhard Rathgeb (Hg.): Inventur, Deutsches Lesebuch 1945-2003. Hanser. EUR (A) 24,20.

Spectaculum 75, Sechs moderne Theaterstücke und Materialien. Suhrkamp. EUR (A) 20.

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