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Veranstaltungstipp


1. Juni bis 29. Juli 2012, Kölnisches Stadtmuseum

IN DEN TRÜMMERN VON KÖLN

Zeichnungen aus der zerstörten Stadt von Raffael Becker


De Mamma hätt jesaat: Wenn der decke Pitter widder lück is alles widder joot © Raffael Becker

Gleich drei Ereignisse werden mit der Ausstellung begangen. Der Maler und ehemalige Werbegrafiker Raffael Becker feierte im März seinen 90. Geburtstag. Die Schatztruhe, ein Gebilde aus goldfarbenen Stellwänden, wird eingeweiht und es wird des 70. Jahrestages des 1000 Bomber-Angriffs auf Köln gedacht, der vom 30. auf den 31. Mai 1942 begann.

Als der 23-jährige Raffael Becker im Sommer 1945 aus der Kriegsgefangenschaft heimkehrt, liegt seine Heimatstadt in Trümmern. Er hat nichts und es gibt nichts, nicht einmal ein Gefäß zum Wasserholen. Er wohnt in den Trümmern, als Zudecke hat er noch einen alten Armeemantel und einen Militärlöffel, der sich zur Gabel umfunktionieren lässt. Dem Verhungern zu entgehen, ist eine Ganztagsbeschäftigung. Hamstern, Wasser holen, Holz suchen, Anstehen. Wenn die Brotmarken mal zwei Tage auf sich Warten lassen, heißt es noch mehr Hunger schieben. In den Trümmern des Kellers seines ehemaligen Wohnhauses entdeckt er eines Tages einen alten Zeichenblock mit Zeichnungen von ihm, den seine Mutter sorgfältig aufbewahrt hatte. Auf den Rückseiten fängt Becker mit ersten Zeichnungen an, den Nachkriegsalltag festzuhalten. „Allerdings nur sofern die Beschaffung von Nahrung, Wasser und Holz das zuließ“, betont Becker. Gezeichnet hat er mit allem, was in irgendeiner Form geeignet ist, Tinte, Tusche, Wasserfarben. Mit kleinen Textzeilen in Sütterlin schreibt er die Sprüche auf, die er so hört. Auf dem Plakat der Ausstellung unterhalten sich zwei Kinder, dass die Mama gesagt hat, wenn der dicke Pitter (die größte Glocke vom Kölner Dom) wieder läutet, dann wird alles wieder gut. Das war weit mehr als nur schöngefärbt.

Neben einer Zeichnung von einem sehr übergewichtigen Bauern sind auch Bilder von ausgemergelten Russlandheimkehrern ausgestellt. Zeichnungen vom Fringsen (eine von Kardinal Frings erlaubte Art von Mundraub und Kohlenklau), Hamstern und Schwarzmarkt zeigen die Mühsal, aber auch die ungebrochene Kraft der Kölner Zivilbevölkerung. Besonders die Bilder von Kindern, die nichts anders als Kriegs- und Nachkriegsalltag kennen, gehen zu Herzen.

Becker erzählte während der Pressekonferenz auch, dass es durchaus Glücksgefühle gab: „Ich lebte, ich hatte noch beide Beine und Arme, ich war wieder zu Hause.“ Beim Wasserholen am Hydranten lernte Becker dann auch seine Frau kennen, mit der er mittlerweile seit 64 Jahren verheiratet ist. „Die Kölner haben das irgendwie mit ihrem rheinischen Frohsinn und Galgenhumor ertragen“, resümierte Becker.

Als er die Zeichnungen in späteren Jahren zeigte, gaben ihm alle den Rat, sie bloß wegzuschließen. Davon wolle keiner wissen. Nun zum 70. Jahrestag des 1000-Bomber-Angriffs auf Köln sind sie eine wunderbare, authentische Ergänzung zu den vielfältigen Veranstaltungen, die diesbezüglich in Köln stattfinden.




Auf Hamsterfahrt - Foto (c) Raffael Becker


Helga Fitzner - 1. Juni 2012
ID 6002

Weitere Infos siehe auch: http://www.museenkoeln.de/koelnisches-stadtmuseum


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