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Ausstellung

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WELT IM UMBRUCH.
KUNST DER 20ER JAHRE


Buchcover zum Ausstellungskatalog | (C) Hirmer Verlag

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Es ist die letzte Ausstellung des Bucerius Kunst Forums in den alten Räumlichkeiten und hätte eigentlich schon die erste im neuen Domizil werden sollen: Welt im Umbruch. Kunst der 20er Jahre zeigt Werke von Aenne Biermann, Otto Dix, Carl Grossberg und vielen anderen Malern und Fotografen der 1920er Jahre. Der Fokus der Ausstellung ist die vergleichende Gegenüberstellung von Neuer Sachlichkeit in der Malerei und Neuem Sehen in der Fotografie – in dieser Form übrigens ein Novum, das den Besuch so besonders reizvoll macht. Zugleich ist Welt im Umbruch aber auch ein Beitrag zum Jubiläumsjahr „100 Jahre Bauhaus“ und findet im Rahmen des „Hamburger Architektursommers 2019“ statt.

In dieser in Kooperation mit dem Münchner Stadtmuseum [dort noch bis 2020 zu sehen| entstandenen Ausstellung hat sich das Bucerius Kunst Forum selbst übertroffen. Freilich: Sehenswert sind Ausstellungen hier eigentlich immer. Die Umsetzung der Konzeption bedarf aber in diesem Falle dennoch besonderer Hervorhebung – selten waren hier Themenschwerpunkte klarer definiert und Werke klarer gruppiert als in dieser Schau, so dass der Besucher tatsächlich ohne größere Anleitung hindurchgehen kann und mehr sieht als eine Zusammenstellung von Werken – das, muss man sagen, ist schon ziemlich großartig gemacht.

*

Im Zentrum stehen die gesellschaftlichen und politischen Umbrüche der 20er Jahre, die sich in neuen künstlerischen Ansätzen in Fotografie und Malerei spiegeln. Die Kuratoren haben dabei sieben Themenfelder herausgegriffen, anhand derer sie Besucher durch die Vielfalt der Epoche leiten: Stillleben, Selbstbildnis, Akt, Architektur- und Stadtansichten, Technik und Industrieanlagen, Individualportrait und Typenbildnis sowie politische Montage.

In den meisten dieser Themenfelder spiegelt sich auf je eigene Weise die Nüchternheit und Sachlichkeit des malerischen Auges bzw. des fotografischen Blicks. Die direkte Gegenüberstellung von Malerei und Fotografie erweist sich als besonders fruchtbar: Ein Beispiel ist die Gegenüberstellung von Hannah Höchs Gläser (1927) und Albert Renger-Patzschs ebenfalls Gläser titulierte Fotografie (vor 1928). Ganz deutlich zeigt sich hier, wie sich ein neuer, sachlicher Blick auf Gegenstände manifestierte – und wie auch die Malerei dabei von der Fotografie in der Behandlung von Sujets beeinflusst wurde.

Die Werkschau besticht aber gerade dadurch, dass sie die Epoche in ihrer Vielschichtigkeit vor uns auferstehen lässt. So sehen wir im Raum zu „Technik- und Industrieanlagen“ zugleich die Begeisterung der Künstler für das Technische, aber auch – sehr subtil zur Darstellung gebracht – Kritik an den sozialen Konsequenzen des technischen Fortschritts.

Der Raum „Politische Montage“ zeigt die künstlerische Antwort auf die politische und gesellschaftliche Lage in der Weimarer Republik. Neben dem Auseinanderklaffen der Schere von Arm und Reich geht es dabei auch um das Erstarken des Nationalsozialismus – spätestens an dieser Stelle bekommt die Ausstellung nun auch eine dezidiert aktuelle Dimension.

Ann-Kristin Iwersen - 26. Februar 2019
ID 11249
Auch der zur Ausstellung Welt im Umbruch. Kunst der 20er Jahre erschienene Katalog enttäuscht nicht: Zu jedem Schwerpunktthema gibt es einen eigenen Fachbeitrag, der die wesentlichen Aspekte anschaulich auf den Punkt bringt. Zudem gibt es drei Beträge, die den weiteren Rahmen für die Ausstellung bilden. Dies sind zunächst der Aufsatz „Glühendes Eis. Malerei und Fotografie der 20er Jahre im künstlerischen Dialog“, der noch einmal die Gegenüberstellung von Neuer Sachlichkeit und Neuem Sehen zum Thema macht. Katharina Zykora widmet sich in diesem Zusammenhang noch einmal spezifischer der Frage der ikonischen Differenz. Den Abschluss des Bandes macht der Beitrag „Ausstellungen neu sehen. Ausstellen und Sammeln in den 20er Jahren“ von Esther Ruelfs, der sich der Ausstellungspraxis widmet und damit noch einmal aus einer anderen Perspektive die Frage des Sehens und des Zeigens aufgreift. Insgesamt entsteht so ein wohlabgerundeter Begleitband, der gottlob bedeutend mehr zu bieten hat als bloß Reproduktionen schöner Bilder. Der Katalog ist im Hirmer Verlag erschienen und kostet 29 Euro. | aki

Weitere Infos siehe auch: https://www.buceriuskunstforum.de


Post an Dr. Ann-Kristin Iwersen

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