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31. 8. - 30. 12. 2012, Wallraf-Richartz-Museum Köln

1912 - MISSION MODERNE

Die Jahrhundertschau des Sonderbundes


Gemälde auf dem Plakat © Vincent van Gogh, Allee bei Arles, 1888, Öl auf Leinwand, Pommersches Landesmuseum, Greifswald




Ein Kunstgenuss der ganz umfassenden Art findet nun nach 3½jähriger Vorbereitungszeit in Köln statt: Eine Rekonstruktion der Sonderbundausstellung, allerdings mit nur 120 der ursprünglichen 650 Exponate. Vor rund hundert Jahren, am 25. Mai 1912 eröffnete die "Sonderbundausstellung" in Köln ihre Pforten. Es war die erste Überblicksausstellung ihrer Art, die Arbeiten junger Künstler in Zusammenhang mit denen ihrer Vorbilder wie van Gogh oder Henri-Edmond Cross stellte. Heute sind die Neulinge von damals schon längst etabliert, damals war die Ausstellung einmalig und bahnbrechend. Es gab erstmalig ein Begleitheft zur Ausstellung, die Bilder hingen einzeln und nicht in mehreren Reihen über- und untereinander und es gab noch eine Neuerung: ein Museumscafé, das zum Ausruhen und zum Gedankenaustausch einlud. Denn mit der Internationalen Kunstausstellung des Sonderbundes Westdeutscher Kunstfreunde und Künstler wollten die Künstler ihrer zeitgenössischen Kunst ein Forum schaffen und ihr zum Durchbruch verhelfen. Die internationale Ausstellung wurde von Protesten gegen das Ausländische und Fremdartige begleitet. Am „Vorabend“ des Ersten Weltkriegs 1914 waren säbelrasselnde Monarchien und Militärs eher nicht an neuartiger Kunst interessiert.

Trotzdem kam in Köln die stattliche Anzahl von 650 Bildern zur Ausstellung, unter ihnen die Fauves aus Frankreich, „Die Brücke“ und die des „Blauen Reiters“. Die Vielfalt reichte von van Gogh bis hin zu den Expressionisten. Picasso, Gauguin, Cézanne, Munch: Künstler aus den Niederlanden, Belgien, Deutschland, Österreich, der Schweiz und anderen Ländern waren ebenso vertreten. Die Charme-Offensive war nötig, denn die Bilder und Skulpturen wichen sehr von den bisherigen Sehgewohnheiten ab, in der oft das abgebildet wurde, was die Natur vorgab. Die Sehweisen, z. B. der Expressionisten, waren anders als bisher, für manchen Betrachter war es verstörend, was die Erneuerer der Kunst da in Farbe und Form gebracht hatten.




Sonderbundausstellung 1912, Blick in den Munch-Saal © Rheinisches Bildarchiv, Köln



Die Sonderbundausstellung stellte sich im Nachhinein als Wegbereiter der Moderne heraus. Die damals neuen Formen des künstlerischen Ausdrucks schufen teilweise die Grundlagen für die Kunst unserer Zeit. Die vierköpfige Jury der originalen Sonderbundausstellung wollte mit ihrer Auswahl die Bedeutung Kölns als „Vorort der neuen Kunst“ festigen, darunter Alfred Hagelstange, der damalige Direktor des Wallraf-Richartz-Museums.

Zwei der Bilder befinden sich schon länger in Besitz des Wallraf-Richartz-Museums: Die Lichtung (1906/07) von Henri Edmond Cross und Vier Mädchen auf der Brücke (1905) von Edvard Munch.




Henri-Edmond Cross, Lichtung06/07, Öl auf Leinwand, Wallraf-Richartz-Museum & Fondation Corboud, Köln, Photo: © Rheinisches Bildarchiv, Köln



Die Kuratorin Bärbel Schäfer hat auch nach weitreichenden Recherchen bei rund 80 der ursprünglich 650 Bilder nicht herausfinden können, um welche es sich damals gehandelt hat: „Wenn da nur steht: ‚Stillleben von van Gogh’ und keine weiteren Angaben aufzufinden sind, kann man sie leider nicht identifizieren.“ Bärbel Schäfer hat auch rund weitere 80 bekannte Bilder nicht auffinden können, selbst nach einer 2011 eingeleiteten Suchaktion in entsprechenden Medien. Diese Werke gelten als verschollen. Direktor Blühm tröstete bei allem, dass es nach zwei Weltkriegen schon erstaunlich ist, wie viele Gemälde das überhaupt überstanden haben.

1912 rangen die gezeigten Künstler noch um Anerkennung. Heute werden sie als Meister gefeiert und vermutlich einen riesigen Besucherstrom auslösen: Zeichen der Weitsicht und der Courage der damaligen Jury. Neben den bereits genannten Künstlern werden Werke von Ferdinand Hodler, August Macke, Giovanni Giacometti, Egon Schiele, Anton Faistauer, Georg Tappert und anderen gezeigt.


Helga Fitzner - 1. September 2012
ID 6178

Weitere Infos siehe auch: http://www.museenkoeln.de/homepage/default.asp?s=30


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