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Kunstmesse

Reine Verkaufsmesse in traditioneller Kojenaufteilung




Kunst, Kultur und Events am Flughafen Tempelhof sind nicht neu für Berlin. Zuletzt nutzte die Volksbühne unter Chris Dercon, leider nicht besonders erfolgreich, den Hangar 5 am geschichtsträchtigen Ort. Auch die Berlin Art Week war schon zu Gast. In diesem Jahr sind gleich beide Berliner Herbst-Kunstmessen hier präsent. Die art berlin, Aushängeschild der Berlin Art Week, ist in ihrem zweiten Jahr von den Hallen der Station am Gleisdreieck in die Hangar 5 und 6 umgezogen. Die POSITIONS Berlin Art Fair folgte von der Arena in Treptow in den Hangar 4.

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Mit rund 120 Galerien aus 21 Ländern ist die Teilnehmerzahl der art berlin zum Vorjahr etwas gestiegen. Mit der traditionellen Kojen-Präsentation gibt man sich aber wieder mehr als reine Verkaufsmesse zu erkennen, wenn auch mit dem Salon „Verlörung“ ein kollektiver Galeriestand und dem neuen Bereich „Special Projects“ kleinere kuratierte Einzelpositionen von Künstlern gestaltet wurden. Dennoch wirkt das Gesamtbild der art berlin nicht gerade besonders innovativ. Schaut man von der Weite des Tempelhofer Felds in die engen Koyengänge, hat man fast eine Art Dejavu und fühlt sich an die alten Zeiten des Art Forums Berlin in den historischen Messehallen am Funkturm erinnert.

Echte künstlerische Highlights sind rar gesät, die Galerien gehen mit bewährten Namen und Kunstrichtungen auf Nummer sicher. Besonders die Malerei ist wieder hoch im Kurs. Das war nicht immer so. Dem Trend entgegen stellt sich zum Beispiel die Düsseldorfer Galerie Hans Mayer mit dem US-amerikanische Videokünstler Tony Oursler, bekannt u.a. durch das letzte Musik-Video von David Bowie zum Song "Where Are We Now?" Diesmal hat Oursler seine für ihn typischen Videoköpfe auf große ovale Platten projiziert. An den Wänden blinken leuchtende Maskengesichter.



Videoköpfe von Tony Oursler | (C) art berlin 2018


Wo sind wir jetzt, könnte auch das Motto zur art berlin am neuen Standort Tempelhof sein. Die Messeleiterin Maike Cruse gibt sich zuversichtlich. Man hofft auf gute Verkäufe für die Galerien und langfristige Verträge für die Messe. Die Galerie neugerriemschneider präsentiert sich hier wie eine Art Platzhirsch recht offen in der Mitte des Hangars 5 und protzt mit Bildern, Skulpturen und großen Namen wie Ai Weiwei und Olafur Eliasson. Der polnische Künstler Pawel Althamer ist mit einer seiner den menschlichen Verfall zeigenden Skulpturen vertreten. Das wirkt schon alles recht sakral.

Sehr schön auch das Zusammenspiel der minimalistischen Bilder von Carsten Nicolai mit den opulenten Skulpturen von Stella Hamberg bei der Leipziger Galerie Eigen + Art. Die ebenfalls aus Leipzig angereiste Galerie Kleindienst stellt dem 1950 geborenen Maler und Vertreter der Leipziger Schule Walter Libuda den 22 Jahre jüngeren und zur Zeit recht angesagten Vertreter der neuen Leipziger Schule Christoph Ruckhäberle gegenüber. Für das rein weibliche Duo „Rose & Rosa“ haben sich die Leipziger mit der Kölner Galerie Choi & Lager zusammengetan. Die recht spartanischen Papierarbeiten der 81jährigen britischen Malerin Rose Wylie werden hier ergänzt durch die phantastisch verspielten Zeichnungen und Ölbilder der Leipziger Malerin Rosa Loy, die längst aus dem Schatten ihres berühmten Mannes Neo Rauch getreten ist.

Interessante Malerei und Arbeiten auf Papier mit Christine Baumgarten, Bernd Koberling Dieter Krieg, Walter Störer und Michael Wurz gibt es auch bei der Berliner Galerie Klaus Gerrit Friese und bei der König Galerie mit Corinne Wasmuth, Jorinde Voigt und Rinus van der Velde zu sehen. Ergänzt werden sie durch Skulpturen von Alicja Kwade und Erwin Wurm und einer kleinformatigen Fotografie-Serie von Andreas Mühe. Witzig auch das Künstlerduo Asger Carlsen / Roger Ballen mit ihren Fotomontagen No Joke bei der Berliner Galerie Dittrich & Schlechtriem. Die Galerie Crone zeigt feministische Video- und Fotoarbeiten von Martha Wilson, die sich mit der Überblendung und Verwischung von Identitäten beschäftigen. Etwas deutlicher zur Geschlechterdebatte äußert sich die Kölnerin Astrid Klein in ihren Fotografien bei der Galerie Rüdiger Schöttle.

Immer ein Hingucker sind auch die Gemälde und Papierarbeiten von Cornelia Schleime. Die Berlinerin teilt sich die Präsentation der Galerie Michale Schultz u.a. mit den farbigen, entrückten Architekturlandschaften der südkoreanischen Künstlerin SEO. Der Kölner Maler Peter Zimmermann glänzt mit seinen dekorativen Epoxi-Mischtechnik-Farbflächen bei der Galerie Samuelis Baumgarte.

International kann der Auftritt der in Istanbul und Berlin vertretenen Zilberman Gallery, die neben einer Installation von Simon Wachsmuth mehrere Positionen von türkischen KünstlerInnen zeigt. Auffällig auch die unfertig wirkenden Portraits des in Kanada geborenen Malers David Nicholson, die schwarze Sklaven, Häuptlinge der American Natives, weiße Nordstaatenoffiziere oder den spanischen Eroberer Cortés zeigen. Fünf Gesichter Amerikas nach dem Motto: „The Half has never been told.” Ein kritischer Kommentar zur unaufgearbeiteten Geschichte des amerikanischen Kontinents.



Installation auf der art berlin 2018 | Galerie neugerriemschneider (C) Clemens Porikys

Stefan Bock - 28. September 2018
ID 10943
Weitere Infos siehe auch: https://www.artberlinfair.com


Post an Stefan Bock

blog.theater-nachtgedanken.de

art berlin 2017

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