Filme, Kino & TV
Kunst, Fotografie & Neue Medien
Literatur
Musik
Theater
 
Redaktion, Impressum, Kontakt
Spenden, Spendenaufruf
Mediadaten, Werbung
 
Kulturtermine
 

Bitte spenden Sie!

Unsere Anthologie:
nachDRUCK # 4

KULTURA-EXTRA durchsuchen...

Werkbetrachtung

Flucht nach Ägypten

von Francisco de Zurbarán



"Als sie aber hinweg gezogen waren, siehe, da erschien der Engel des Herrn dem Josef im Traum und sprach: Steh auf, nimm das Kindlein und seine Mutter mit dir und flieh nach Ägypten und bleib dort, bis ich dir's sage; denn Herodes hat vor, das Kindlein zu suchen, um es umzubringen. Da stand er auf und nahm das Kindlein und seine Mutter mit sich bei Nacht und entwich nach Ägypten und blieb dort bis nach dem Tod des Herodes, damit erfüllt würde, was der Herr durch den Propheten gesagt hat, der da spricht: 'Aus Ägypten habe ich meinen Sohn gerufen.'" (Matthäus 2, 13-15)

*

Kontrastreiche, erdige Stillleben, ergreifende Agnus Dei, realistische Mönchsportraits, prächtige weibliche Heiligenfiguren und sonstige sakrale Themen waren die Spezialität von Francisco de Zurbarán (1598-1664). Ein Großteil der in seiner Werkstatt in Sevilla entstandenen Bilder wurde von den spanischen Eroberern und Kirchenleuten in die neue Welt, u.a. nach Peru, Chile oder Mexiko verbracht, um dort in gerade errichteten Kirchen und Klöstern die Ureinwohner zu beeindrucken und vom Katholizismus zu überzeugen. Das beinahe quadratische Gemälde Flucht nach Ägypten ist etwas Besonderes, denn darauf vereint Zurbarán, was selten vorkam, Landschaft, Menschen und Tiere. Es gibt zwei sich sehr ähnelnde Varianten dieses Werkes. Die erste entstand 1629 und hängt im französischen Besançon. Ein Jahr später malte er die hier besprochene Version seiner Flucht nach Ägypten, die in Seattle/USA zu Hause ist.



Flucht nach Ägypten von Francisco de Zurbarán | Bildquelle: Wikipedia


Die kleine Familie ist unterwegs. Der Engel, der mit seiner Verkündigung diese Reise initiiert hatte, ist nicht zu sehen. Die Seattle-Version ist bescheidener, hat weniger Glanz. Hier scheint die Kerze fast heruntergebrannt zu sein und keine Kraft mehr zu haben, alles zu überstrahlen. Während Josef auf der Vorgängerversion Sandalen trägt, läuft er hier auf roten, leicht schmutzigen Füßen und barfuß hinter dem Esel her. Er trägt eine dunkle Hose, die über den Knöcheln endet, ein weißes Kleid und darüber einen grauen Mantel. Die Figur von Josef besteht aus zwei Dreiecken. Das erste zwischen seinen Beinen, und darüber gestülpt, das große, beginnt mit Josefs Wanderstand, der schräg nach oben läuft, am Kopf halt macht, um über seinen Hut auf dem Rücken und den Überhang wieder nach unten zu führen. Emsige Eile herrscht nicht in dem Bild. Mehr, Zurbarán hat die Szene eingefroren, mitten in der Bewegung. Josefs rechter Fuß steht fest auf dem steinigen Boden, während sein linker diesen nur mit den Zehen berührt. Er sieht jünger aus als erwartet und erreicht mit seiner rechten Hand die Finger der rotbackigen, seitlich auf dem Esel thronenden Maria. Unter ihrem rosafarbenen Rock, über dem sie einen blau-grünen Umhang trägt, könnte man eventuell einen Sattel erkennen. Marias großer, heller Hut sitzt wie ein Heiligenschein auf ihrem Kopf. Sie hält mit beiden Händen den sehr kräftig aussehenden und auf den Betrachter blickenden Säugling. Er trägt keine Windeln sondern konventionelle Kleidung. Maria blickt bescheiden nach unten. Während sich in der älteren Version die Farben einer lieblichen Landschaft in den Kleidungsstücken von Maria und Josef wiederfinden, hat er in der Seattle-Version darauf verzichtet. Hier ist der Hintergrund gewittrig, der Himmel bedeckt, und es scheint zu winden. Interessant ist der Esel. Zurbarán hat sich viel Mühe mit ihm gegeben. Der rechte Vorderfuß des Maultieres scheint ebenfalls im Trab stehen geblieben zu sein. Er trägt kein Geschirr. Die Ohren stehen gerade in die Höhe. Das Licht fällt von links oben über Kopf und Beine des Esels und dem weißen Kleid von Josef diagonal ins Bild. Die zweite Diagonale verläuft von Josefs Füßen schräg nach oben und endet in einem Baum oder einem Felsen.


Das Bild entstand 1630, misst 150 x 159 cm und hängt im Seattle Art Museum.
Christa Blenk - 23. Dezember 2023
ID 14538
Francisco de Zurbarán kann seine Bewunderung für den knapp 30 Jahre älteren Caravaggio (1571-1610) und dessen manieristische Lichtkompositionen nicht verleugnen. Sein Leben war lang hin- und hergerissen zwischen Caravaggios Sensualität und der strengen Askese, die die spanische Inquisition forderte. Das Gemälde Flucht nach Ägypten ist mit seinem harten Licht-Schatten-Spiel ist ein mystisch-theatralisches Schauspiel.

Der "spanische Caravaggio" wurde Zurbarán genannt. Er war ein Zeitgenosse von Velazquez und zählt zu den bedeutendsten spanischen Malern im 17. Jahrhundert, die im sogenannten Siglo de Oro (dem goldenen, spanischen Zeitalter) tätig waren. Allerdings erscheinen Zurbaráns Werke immer eine Nuance weniger zu flimmern oder zu vibrieren. Seine Religiosität hat es ihm nicht erlaubt, mit Caravaggios hemmungsloser Leidenschaft zu malen, über die Stränge zu schlagen, und glühende Wangen, manieristische oder zum Himmel aufblickende Augen waren die höchsten Emotionen in seinen Bildern und repräsentieren sehr gut zum strengen, spanischen Katholizismus. Ansonsten kommen seine sakralen Werke karg und besonnen, emotionslos daher. Eines seiner bekannteren Werke ist Abendmahl in Emmaus. Er hat es 1639 für ein mexikanisches Kloster gemalt. Im Madrider Prado hängt sein größtes Werk. Die Verteidigung von Cádiz gegen die Engländer ist eines von zwölf Gemälden, die im Auftrag des Herzogs von Olivares für den Empfangssaal im Buen Retiro entstanden sind. Dort hing es in illustrer Gesellschaft der berühmten Übergabe von Breda von Diego Velazquez.

1658 lässt sich der Sevillaner definitiv in Madrid nieder, aber zu dieser Zeit bevorzugen die Madrilenen die lieblicheren, gefälligeren Werke von Murillo. Erst die Impressionisten, vor allem Manet, haben Zurbarán aus der Schublade gelassen, in der er schon am Ende seines Lebens zwischen Velazquez, Rivera und Murillo verschwunden war.

Der spanische Barockmaler Francisco de Zurbaran stirbt 1664 in Madrid.


Wikipedia-Link zum Bild Flucht nach Ägypten


Post an Christa Blenk

eborja.unblog.fr

Ausstellungen

Kulturspaziergänge

Museen

Werkbetrachtungen



Hat Ihnen der Beitrag gefallen?

Unterstützen auch Sie KULTURA-EXTRA!



Vielen Dank.



  Anzeigen:




KUNST Inhalt:

Kulturtermine
TERMINE EINTRAGEN

Rothschilds Kolumnen

AUSSTELLUNGEN

BIENNALEN | KUNSTMESSEN

INTERVIEWS

KULTURSPAZIERGANG

MUSEEN IM CHECK

PORTRÄTS

WERKBETRACHTUNGEN
von Christa Blenk



Bewertungsmaßstäbe:


= nicht zu toppen


= schon gut


= geht so


= na ja


= katastrophal


Home     Datenschutz     Impressum     FILM     KUNST     LITERATUR     MUSIK     THEATER     Archiv     Termine

Rechtshinweis
Für alle von dieser Homepage auf andere Internetseiten gesetzten Links gilt, dass wir keinerlei Einfluss auf deren Gestaltung und Inhalte haben!!

© 1999-2024 KULTURA-EXTRA (Alle Beiträge unterliegen dem Copyright der jeweiligen Autoren, Künstler und Institutionen. Widerrechtliche Weiterverbreitung ist strafbar!)