Selbstporträt während sie
wie ein Mann angezogen ist
und das Porträt von
Jane Benham Hay malt von
Eleni Boukoura-Altamoura
(1821-1900)
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Die erste griechische Künstlerin der Neuzeit, Eleni Boukoura, wird 1821 (im Jahr der Griechischen Revolution) auf der Insel Spetses geboren. Ihre Familie entstammt der Bevölkerungsgruppe der Arvaniten. Sie hat Glück einen kunst- und kulturinteressierten Vater zu haben; Ioannis Boukouras ist ein gefragter Unterhaltungskünstler und wohlhabender Aristokrat, der nach dem griechischen Unabhängigkeitskrieg eines der ersten Theater in Athen eröffnet. Er erkennt das Talent seiner Tochter und fördert sie. Das geht so weit, dass er einen italienischen Maler als Lehrer ins Haus bringt. Die Folge davon ist, dass Eleni 1848, 27-jährig, nach Italien geht, um sich weiterzubilden. Allerdings ist in dieser Zeit Frauen die Teilnahme am Unterricht versagt. Eleni nimmt kurzerhand den Namen Chrysinis Boukouras an und verkleidet sich als Mann. In Italien hat sie Kontakt zu den deutschen Nazarenern, einer romantisch-religiösen Künstlervereinigung. Die Maler lassen ihre Haare wachsen, scheiteln sie in der Mitte und suchen in einem Kloster in der Nähe von Rom nach der Erneuerung der Kunst im Geiste des Christentums. Später studiert Eleni Boukoura in Neapel und Florenz. Es gibt ein Foto von ihr in Männerkleidung, das 1850 gemacht wurde. Ob sie ihren zukünftigen Mann, den gutaussehenden italienischen Patrioten, Historienmaler und Garibaldi-Anhänger Francesco Saverio Altamura als Mann verkleidet kennenlernte, ist nicht bekannt. Ihr Bild mit dem verwirrenden und langen Titel Selbstporträt während sie wie ein Mann angezogen ist und das Porträt von Jane Benham Hay malt, ist weder datiert noch signiert, kann aber eindeutig Eleni Boukoura zugeordnet werden.
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Selbstporträt während sie wie ein Mann angezogen ist und das Porträt von Jane Benham Hay malt von Eleni Boukoura-Altamoura | Bildquelle: Wikipedia
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Das kleinformatige Werk zeigt die Künstlerin – wie der Titel schon sagt – als Mann verkleidet, während ihre Malerfreundin Jane Bonham Hay Modell sitzt. Die Künstlerin hat ihre Arbeit unterbrochen. Beide, Maler und Modell, blicken teilnahmslos und gleichgültig aus dem Bild heraus, auf uns, die Betrachter. Die zarte Frauenhand, die die Palette hält, könnte sie als Frau verraten. Aber da ist der Abendanzug, der Vatermörderkragen, der leicht angedeutete Oberlippenbart. Eleni zeigt dem Betrachter die Palette, hält sie fast senkrecht, so dass er die benutzten Farben darauf erkennen kann: Blau – Rosa – Rot – Brauntöne. Sowohl Maler als Modell haben dunkle, dichte Haare. Sie sehen sich ähnlich, haben dieselben Augenbrauen und Augen und eine lange, etwas zu große, gerade Nase. Sie trägt ein blaues, schulterfreies Kleid und ein diskretes Rubinen Collier. Ihr weinroter Schal ist nach unten gerutscht. Elenis steifes, weißes Hemd unter der weinroten Samtweste ist viel zu elegant für die Staffelei. Die Jacke eng geschnitten, ganz nach der Dandy Mode. Allerdings pflegten die Maler im 19. Jahrhundert im Anzug zu arbeiten. Mit den leicht eingefallenen Wangen wirkt der Maler älter als sein Modell. Die Haare sind seitlich gescheitelt; die von Jane der Mode nach in der Mitte und verlaufen hinten zu einem schlichten Biedermeier Knoten, ohne Korkenzieherlocken. Von der Engländerin Jane Bonham Hay gibt es kein offizielles Porträt und wir wissen nicht, wie sie aussah, ob sie ein heller oder ein südländischer Typ war. Der Bild-Hintergrund ist dunkel, unscharf und lässt nur links einen Teil der Staffelei im Dreiviertelprofil erkennen. Das Bild hat eine geometrisch, farblich ausgewogene Struktur. Ein durchdachter Triangel. Es dürfte die Maße des echten Gemäldes haben. Der weiße Rand der Leinwandstruktur ist eine weitere Lichtquelle neben der nackten Haut des Modells sowie Männerhemd und Gesicht der als Mann verkleideten Künstlerin. Es ist kein typisches, konventionelles Porträt, wie man es Mitte des 18. Jahrhunderts erwarten würde. Das Konterfei einer bekannten Persönlichkeit. Eleni sucht und findet hier neue Positionen, ungewöhnliche Darstellungen. Man könnte fast meinen, sie beteiligt uns, die Betrachter, an ihrem Drama. Ob sie zu dem Zeitpunkt schon etwas von dem Verhältnis ihres Mannes mit Jane wusste, ist auch nicht bekannt. Es ist ein mysteriöses, verwirrendes Bild: Eleni malt sich als Mann, der gerade ihre Rivalin porträtiert.
Das Bild gehört zu einer Privatsammlung und misst 32 x 26 cm.
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Ein paar Jahre nach ihrem Ankommen in Italien, tritt Eleni zum römisch-katholischen Glauben über und heiratet den Maler Saverio Altamura, mit dem sie bereits zwei Kinder hat. In dieser Zeit dürfte das besagte Bild entstanden sein. Sie bekommen noch einen Sohn, bevor Altamura Eleni verlässt und mit seiner Geliebten Jane Bonham Hay und dem jüngsten Sohn nach Paris geht. Eleni verkraftet diese Trennung schlecht und geht mit den Kindern Sophia und Ioannis nach Athen zurück, wo sie Kunst unterrichtet. Später lässt sie sich mit den beiden wieder auf der Insel Spetses nieder. Dort stirbt ihre Tochter Sophie mit 18 Jahren an Tuberkolose. Ihr Sohn Ioannis Altamouras wird ein bekannter Meeresmaler und lebt zeitweise in Kopenhagen. Auch ihn rafft nach seiner Rückkehr nach Griechenland 26-jährig die Tuberkolose hin. Eleni zieht sich danach in die Einsamkeit zurück. Vorher verbrennt sie allerdings ihre Werke und einige ihres Sohnes. 1900 verstirbt sie auf der Insel Spetses.
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Christa Blenk - 24. September 2026 ID 16057
Eleni Boukoura-Altamoura war nicht nur Griechenlands erste große Künstlerin, sondern auch die erste bekannte Frau, die in dieser Zeit eine formale Kunstausbildung erhielt. Der Kunsthistoriker Dimitris Papageorgopoulus fand in den vergangenen Jahren drei signierte und bisher unbekannte Werke von ihr. Die wenigen von ihr heute erhaltenen Arbeiten hängen in Privatsammlungen. Es gibt ein weiteres bekanntes Selbstporträt von Eleni Boukoura: konzentriert, mit kurzen Haaren und einer Kopfbedeckung sitzt sie im Profil vor einer Leinwand. Sie erinnert an Sappho nur dass Eleni einen Pinsel in der Hand hält und keinen Griffel.
Rhea Galanaki hat ein Buch über das Leben von Eleni Boukoura geschrieben: Eleni or Nobody, das vor allem als Theaterstück bekannt wurde.
Griechische Kunst und Künstler verbinden wir automatisch mit der Antike. Das darauffolgende byzantinische Reich ging über 1.000 Jahre und brachte unglaubliche Ikonen oder Fresken hervor. Die Künstler waren eher anonym. Ein bekannter Ikonenmaler war im 16. Jahrhundert Domínikos Theotokópoulos. Er machte unter dem Namen El Greco in Spanien/Toledo mit seinem religiösen Manierismus Karriere.
Nach der Revolution 1821 zog es ab Mitte des 19. Jahrhunderts viele griechische Künstler nach München und die bayerische Stadt wurde zum „Athen an der Isar.“ Die sogenannte Münchner Schule spezialisierte sich auf Porträt und Landschaft und war bedeutend für die Akademische Malerei. Nach dem Unabhängigkeitskrieg gegen das Osmanische Reiche wurde Griechenland 1830 international anerkannt. Die Signatarmächte schlugen der griechischen Nationalversammlung vor, einen europäischen Fürsten zu wählen. 1832 wurde der junge bayerische Prinz Otto von Wittelsbach erster König von Griechenland.
Wikipedia-Link zum Bild von Eleni Boukoura-Altamoura
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