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Werkbetrachtung

Caspar David Friedrich mit

Trauerbinde
von Caroline Bardua

(1781-1864)



Die deutsche Künstlerin, Porträtmalerin und Salonnière Caroline Bardua (1781-1864) war eine der ersten Frauen aus dem höheren Mittelstand, die es schaffte, sich eine Existenz als freie, bildende Künstlerin aufzubauen. 1810 malte sie das bekannte Porträt Caspar David Friedrich mit Trauerbinde.

Sie porträtiert den Künstler vor einem Hintergrund à la Friedrich, einer romantisch-melancholischen Landschaft. Auf den ersten Blick ist man versucht, das Gemälde dem Porträtierten selbst zuzuordnen, denkt an dessen Rügen-Bilder. Friedrich ist zu diesem Zeitpunkt 35 Jahre alt, die Künstlerin 29. Mit den Bildern Mönch am Meer und Abtei im Eichwald hat er gerade die ersten, bedeutenden Erfolge erzielen können. Friedrich hat einen Suizid-Versuch hinter sich, war länger schwer krank und litt immer wieder an Depressionen. Seine Schwester Dorothea verstarb im Dezember 1808, sein Vater im November 1809. All das fängt Caroline Bardua in dem Porträt ein:



Caspar David Friedrich mit Trauerbinde von Caroline Bardua (1781-1864) | Bildquelle: Wikipedia


Dunkel, kontrastreich, beunruhigend und von einem unsichtbaren Mond erleuchtetes Gewässer ist im Hintergrund zu sehen. Links und rechts am Bildrand schälen sich Tannen aus dem grau-schwarzen Himmel heraus. Sie sind abgeschnitten, scheinen aus der Leinwand ausbrechen zu wollen. Der junge Maler blickt im Dreiviertelprofil auf den Betrachter und nimmt einen Großteil der Leinwand ein. Die grau-grünen Augen zwischen den hellblond geschwungenen Augenbrauen und über der geraden Nase sind weit aufgerissenen. Sein femininer Mund glänzt und ist geschlossen. Er trägt einen rauschigen-lockigen Backenbart bis unter das Kinn. Seine glänzenden, rot-gold farbigen Locken sind sorgfältig auf seiner Stirn drapiert. Schmal, unglücklich und nachdenklich blickt er aus seinem schwarzen Mantel hervor. Die Trauerbinde am linken Oberarm dürfte dem Tod seines ein Jahr vorher verstorbenen Vaters geschuldet sein. Bei genauerem Hinsehen sieht man sogar die Knöpfe seines altdeutschen Rockes mit dem hohem, bis an die Ohren heranreichenden, Kragen und dunkelgrünem Futter.


*

Die Freundschaft zwischen Caroline Bardua mit Casper David Friedrich hält ein Leben lang. 1839 malt sie ihn erneut, als alten, abgeklärten Mann mit Stock und Pelzkragen (dieses Bild hängt in der Anhaltischen Gemäldegalerie Dessau).

Caroline Barduas Vater war Kammerdiener des Erbprinzen Alexius von Bernburg, ihre Mutter kam aus dem Harz. In Weimar lernt sie Goethe kennen und porträtiert ihn. Goethe stellt ihr auch das Empfehlungsschreiben aus, um Schülerin von Gerhard von Kügelgen in Dresden zu werden. Der Sohn ihres Lehrers und Maler Wilhelm von Kügelen meint über sie:


"Für die Kunst hatte Karoline Bardua entschiedenen Beruf. An Ausdauer, Fleiß und Konzeptionsfähigkeit übertraf sie ihr Geschlecht und zeichnete sich aufs vorteilhafteste vor allen übrigen Schülerinnen meines Vaters aus, der sich ihrer daher auch mit besonderem Interesse angenommen hatte und sich ihrer Erfolge herzlich freute, solange er lebte."


Kügelen stellt ihr Caspar David Friedrich vor. Sein Porträt zeigt sie 1810 auf der Dresdner Kunstausstellung. „Am meisten zog das vorzüglich gelungene Portrait des Malers Friedrich die Zuschauer an“, steht auf Seite 313 im Journal des Luxus und der Moden. Der Eintritt in die Kunstakademie bleibt ihr allerdings verwehrt. Nach Ende ihrer Ausbildung geht Bardua mit ihrer Schwester, der Sängerin Wilhelmine Bardua, nach Paris und Frankfurt. 1817 porträtiert sie sich mit ihr. 1819 eröffnen die beiden unverheirateten Schwestern einen Salon in Berlin. Die realistischen und hervorragenden Porträts von Caroline Bardua sind zeitweise sehr gefragt. Für Bardua ist es von großer Bedeutung, immer auch die Persönlichkeit, den Charakter ihrer Modelle einzufangen und auf der Leinwand zu verewigen. Allerdings werden 1822 ihre Porträts der Prinzessin Alexandrine von Preußen und weiterer Familienmitglieder stark kritisiert. Man wirft ihr vor, keine akademische Ausbildung vorweisen zu können. 1827 müssen die Schwestern aus finanziellen Gründen Berlin verlassen und ein unstetes Wanderleben der beiden Frauen beginnt. Bardua malt, abseits von Konkurrenz, in Heidelberg, Krefeld und Frankfurt/Main. 1832 gehen die beiden Schwestern wieder nach Berlin und animieren ihren Salon erneut.
Allegorische oder religiöse Geschichten, darunter auch Madonnenbilder, gehörten ebenfalls zu ihrem Repertoire. Außer Caspar David Friedrich porträtiert sie u.a. auch den Stargeiger Paganini, den Komponisten Carl Maria von Weber (1822) sowie Johanna und Adele Schopenhauer (1806). Außerdem entwirft sie Titelblätter für die Kaffeterzeitung. Zeitweise versucht Bardua sich auch als Bühnenbildnerin.

Viele ihrer Werke sind ihr nicht eindeutig zuzuordnen, da sie ihre Bilder selten signierte. Die Akademie der Bildenden Künste in Berlin zahlte ihr ab 1839 eine jährliche Pension von 100 Talern.
Christa Blenk - 20. Mai 2026
ID 15871
Caroline Bardua verstirbt 1867 mit 83 Jahren in ihrem Geburtsort Ballenstedt/Harz.

Ihr Porträt Caspar David Friedrich mit Trauerbinde hängt in der Alten Nationalgalerie in Berlin, entsteht 1810 und misst 76,5 x 60 cm.


Wikipedia-Link zum CDF-Porträt von Caroline Bardua


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