Der Krähenbaum von
Caspar David Friedrich
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Caspar David Friedrichs Bilder sind weltweit in allen bedeutenden Museen zu finden. Eine neue Interpretation von Landschaften oder Natur sind seine von Schwermut und Weltschmerz geprägten Gemälde, die perfekt die Epoche der Romantik einfangen. Friedrichs Streben war nicht, die Landschaft oder die Natur objektiv wiederzugeben. Er strebte vielmehr danach, erlebte oder selbst gewonnene, metaphysische Gedanken und Erfahrungen malerisch umzusetzen. In seinem umfassenden schriftlichen Werk hob er dieses Einswerden mit dem göttlichen Universum immer wieder hervor.
Der Pariser Louvre hat 1976 mit dem Kauf seines Gemäldes Krähenbaums den Grundstein für eine Sammlung der deutschen Romantiker gelegt. Der Krähenbaum (oder auch: Rabenbaum) zählt heute zu Friedrichs Meisterwerken. Es ist eine persönliche Reflektion über Tod und Leben und das Vergehen überhaupt.
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Der Krähenbaum von Caspar David Friedrich | Bildquelle: Wikipedia
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Schlangenartig wuselt sich abgebrochenes und halb verrottetes Baum- und Wurzelwerk links und rechts einer bizarr und nackt in den Himmel ragenden knorrigen, versteinerten Eiche. Die fall-resistenten Blätter sind an einer Hand abzuzählen. Die kahlen Äste und Zweige werden zu verlängerten Armen und großen Händen, die nach Unsichtbarem greifen wollen, wegflattern. Das scheint die Krähen aber nicht zu beunruhigen. Einige sitzen auf einem Ast. Sie warten auf Verstärkung, und der Schwarm ist auch schon im Anflug. Die Wurzeln des Baumes liegen am Fuß eines Landstreifens, auf dem früher ein prähistorisches Denkmal stand. Ein Hünengrab oder ein Dolmen. Das können wir nicht wissen, aber Friedrich hat es auf der Rückseite des Bildes vermerkt. Der Baum reckt sich in den Abendhimmel. Die Sonne geht gerade unter und taucht diese makabre Szene in warmes, sentimentales Licht, das schon lange Schatten wirft. Ein breiter, gelber Lichtstreifen unterbricht in der Mitte das Bild. Eine Armee von untereinander kommunizierenden Fabeltieren bildet das Fallholz auf dem Boden neben einem gefällten oder umgefallenen Stamm. Vereinzelte, tote, verwelkte Blätter versinken, werden eins mit dem herbstlichen Boden.
Der Krähenbaum ist eine ausdrucksstarke und symbolträchtige Meditation über Leben, Tod, Zeit. Schönheit und Grausamkeit liegen ganz nahe beieinander, reichen sich die Hände. Genauso wie das Hell und das Dunkel und dann die pastellfarbene Hoffnung. Sanfte Nuancen in rosa, lila, beige vermischen sich mit dem orangefarbenen Himmel, der durch die weit verzweigten, blätterlosen Äste gut zu sehen ist. Links verlässt der windschiefe Baum das Bild. Friedrich dehnt so seinen Sakralbezirk, diese Fusion von Natur und Konstruktion, in die Endlichkeit aus. Ganz weit hinten, in der Ferne sieht man das Meer und hohe Klippen. Es sind die Kreidefelsen von Rügen. Ein beliebtes Motiv von Caspar David Friedrich.
Raben gelten übrigens, nicht nur in der Bildenden Kunst, als spirituelle Begleiter und mit Weisheit ausgestattet. Sie sind in manchen Kulturen auch ein Symbol für Tod und Dunkelheit.
Auch farblich ist das Gemälde ein Meisterwerk.
Es misst 71 x 54 cm, entsteht 1822 und hängt im Pariser Louvre.
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Piet Mondrian hat circa 100 Jahre später diesen Baum als Modell benutzt, um seinen Übergang von der Figuration in die geometrische Abstraktion zu dokumentieren.
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Christa Blenk - 5. Mai 2026 ID 15832
Der jüngere Bruder von Caspar David Friedrich (1744-1840) ertrinkt bei dem Versuch, ihn, Caspar David, aus dem Wasser zu ziehen. Er ist eventuell ins Eis eingebrochen. Friedrich verarbeitet dieses dramatische Erlebnis 1801 mit dem Holzschnitt Knabe auf einem Grab schlafend. Ansonsten ist er in dieser Zeit nicht sehr produktiv und wird immer wieder von Depressionen heimgesucht. Die unglückliche Liebesbeziehung zu Julia Stoye – die er 1804 im Hochzeitskleid malt - könnte seinen Zustand noch verschlechtert haben.
1802 geht Friedrich als Prospektmaler nach Dresden, wo er u.a. Novalis und Heinrich von Kleist trifft. Erst ab 1805 stellt sich langsam künstlerischer Erfolg ein. 1818 verdient Friedrich seiner Meinung nach genug, um sich eine Familie „leisten“ zu können und heiratet im Januar die 19 Jahre jüngere Caroline Brommer, Tochter eines Blaufärbers. In diesem Jahr entstehen Wanderer über dem Nebelmeer und Kreidefelsen auf Rügen. 1824 wird Friedrich zum außerordentlichen Professor an der Dresdner Akademie ernannt. Er malt u.a. Das Eismeer und Mann und Frau, den Mond betrachtend.
Wikipedia-Link zum Krähenbaum von CDF
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