Filme, Kino & TV
Kunst, Fotografie & Neue Medien
Literatur
Musik
Theater
 
Redaktion, Impressum, Kontakt
Spenden, Spendenaufruf
Mediadaten, Werbung
 
Kulturtermine
 

Bitte spenden Sie!

Unsere Anthologie:
nachDRUCK # 4

KULTURA-EXTRA durchsuchen...

Werkbetrachtung

Cinq maîtres de la

Renaissance florentine
-

fünf Meister der Florentiner

Renaissance, verewigt von einem

anonymen Maler (zu sehen im

Pariser Louve)



Der Künstlerbiograf und Maler Giorgio Vasari (1511-1574) hat den Begriff Renaissance (Rinascimento/Wiedergeburt) geprägt. Für ihn die Überwindung des Mittelalters, eine Erneuerung der antiken Kunst und die Nachahmung der Natur mit Hilfe mathematisch berechenbarer Perspektiven. Wo Talent wohnt, lässt sich Talent nieder und spornt an, noch besser, noch vortrefflicher zu werden. Vor allem in der Früh-Renaissance in Florenz schien ein Künstler drei weitere hervorzubringen, und jeder suchte den anderen zu übertreffen. Am Ende der Hochrenaissance, um 1550, hat ein anonymer Maler diese Hommage an die großen Meister der Renaissance gemalt.


Im Längsformat scheinen die fünf Porträtierten (Cinq maîtres de la Renaissance florentine) eher durch Zufall auf der Leinwand gelandet zu sein. Sie sehen sich nicht an, haben keinen Kontakt untereinander und kommen wie fünf Einzelporträts auf einer Fläche daher. Der anonyme Künstler hat auf jeweilige Attribute verzichtet:



Anonymus, Cinq maîtres de la Renaissance florentine (hängt im Pariser Louvre)
Bildquelle: Wikimedia


Links im Bild Giotto (1266-1337), ganz in Rot, im Halbprofil. Der älteste dieser fünf Genies. Von Giotto stammt das älteste Bildnis seines Zeitgenossen Dante Alighieri (1265-1321). Obwohl das heute meist gezeigte und am weitesten verbreitete Porträt von Dante posthum der Künstler Sandro Botticelli um 1495 gemalt hat. Im Botticelli-Stil hat der unbekannte Künstler Giotto hier porträtiert. Dieser blickt leicht seitlich und unbeteiligt auf den Betrachter.

Giottos Hauptwerk ist der umwerfende Freskenzyklus (1304-1306) in der Capella degli Scrovegni in Padua. Die Scrovegnis gehörten um1300 in Norditalien zu einer aufstrebenden Schicht von Kaufleuten, die durch Geldverleih und Wucher sehr reich wurden (was ihnen bei Dante einen Platz im siebenten Höllenkreis, bei den Wucherern, einbrachte). In ungefähr 100 Szenen malt Giotto unter anderem die Beweinung Christi, die Passionsgeschichte. Er hat mit seinen gemalten Architektur-Elementen, darunter das Trompe-l’œil, maßgeblich Michelangelo und Masaccio beeinflusst. Giottos hat seinen Figuren erstmals Volumen und Gewicht verliehen.

Neben Giotto sehen wir den Maler Paolo Uccello (1397-1475) in Grau und Lilatönen, im Halbprofil links. Er scheint etwas älter zu sein. Der Maler hat ihm nicht, wie bei Giotto oder Donatello, eine beeindruckende Kopfdrapierung verpasst, sondern ihm einfach nur eine graue Pelzmüsse, passend zu seinem dichten langen Bart, aufgesetzt. Uccello blickt streng, nachdrücklich irgendwo in die Ferne. Der etwas exzentrische Uccello wird heute als der Vater der perspektivischen Malerei in Italien angesehen und hat vor allem die räumliche Darstellung revolutioniert. Uccello war hochgeschätzt bei der wohlhabenden und mächtigen Medici-Familie, die ihn unterstützte und förderte. Uccellos drei Schlachtenbilder mit einem Überfluss an in Perspektive gesetzten Figuren zählen zu seinen Hauptwerken. Sie zierten seinerzeit das Schlafzimmer von Lorenzo de Medicis und hängen heute getrennt in London, Florenz und Paris.

In der Mitte der Bildhauer Donatello (1386-1466), fast in Frontalansicht. Er blickt kritisch und ernst auf den Betrachter, hat eine elegante Kopfbedeckung in dunkelblau. Farblich passend dazu sein schlichtes, oben geschlossenes, hellblaues Hemd. Donatellos Bart ähnelt dem von Uccello, nur ist Ersterer noch nicht ergraut. Donatello war der Bildhauer der Renaissance schlechthin, ein bahnbrechender Erneuerer und in Florenz, Rom und Padua tätig. Er galt als ausgesprochen kreativ und einfallsreich und experimentierte nicht nur mit Materialien. Er schuf die erste freistehende Figur nach der Antike und das monumentale Reiterdenkmal, den Gattamelata. Seine Allegorien waren oft politisch. Sehr bekannt ist sein David, eine feuervergoldete Bronze aus dem Jahre 1430, die heute im Bargello Museum in Florenz zu sehen ist. Seine Reliefs bestechen mit großer Raumtiefe. Donatello hat Realismus mit stimmiger Anatomie und keine Idealisierung gesucht. Da Donatello weder Frau noch Kinder hatte und sehr eng mit den ebenfalls ungebundenen Künstlern Brunelleschi und Masaccio verbunden war, geht man davon aus, dass er homosexuell gewesen sein könnte, was in dieser Zeit als Sünde galt.

Aus einer Seidenhändlerfamilie stammt der Mathematiker, Architekt, Philosoph und Schriftsteller Antonio Manetti (1423-1497). Als nächster in der Reihe, direkt unter dem Lichteinfall, sitzt er im Dreiviertelporträt neben Donatello. Manetti trägt ein schwarzes Hemd unter einem roten, ärmellosen Umhang und scheint auf Giotto und Uccello zu blicken. Bekannt ist Manetti vor allem wegen seiner intensiven Befassung mit Dantes Inferno. Ob er wirklich der Verfasser der Biografie von Brunelleschi ist, ist nicht komplett bestätigt. Allerdings hat er in seinem Roman Der dicke Zimmermann einen Jugendstreich Brunelleschis thematisiert. Manetti, 1423 geboren, ist der jüngste unter den fünf Persönlichkeiten. Sein Gesichtsausdruck auf dem Bild ist fast kindlich.

Ganz rechts schließlich der große Filippo Brunelleschi (1377-1446) im Profil. Er scheint die anderen anzusehen. Seine Kopfbedeckung ist schwarz, wie sein Kleid, nur ein weißer Rand hellt seine Kleidung ein wenig auf. Er steht für die Bildhauer und Architekten. Bekannt vor allem für den Entwurf und Bau der Kuppel der Kathedrale von Florenz, Santa Maria del Fiore. Erst ihm ist mit Hilfe freitragender Gerüste und antiker Mauertechnik die Wölbung dieser Florentiner Domkuppel gelungen. Außerdem war er maßgeblich an der Entdeckung der Zentralperspektive beteiligt. Brunelleschi war obendrein Ingenieur und Erfinder. Zu seinen Errungenschaften gehört auch der große Holzkran für den Transport der Baumaterialien. Dieser hat die Bauzeit der Kuppel erheblich verkürzt. Den Wettbewerb für das Bronzeportal des Florentiner Baptisteriums hat hingegen Lorenzo Ghiberti gewonnen.


Die fünf großen Meister führen eine Choreographie auf mit ihren unterschiedlichen Positionen und individuellen Gesichtsausdrücken vor dem schwarzen Hintergrund. Sie blicken alle irgendwo in die Ferne, sind konzentriert, seriös. Farblich ist das Bild sehr ausgewogen. In der Mitte Blau, links und rechts rot. Uccellos und Donatellos Schultern berühren sich. Giotto, Donatello und Brunelleschi tragen aufwendige Kopfbedeckungen, während Uccello nur eine graue Pelzmütze auf dem Kopf hat. Manettis kurze, dunkle, gewellte Haare kleben wie eine Mütze auf seinem Kopf. Vielleicht wollte der Künstler damit eine Art Modernisierung der Jugend ankündigen.


Das Werk misst nur 65,6 x 21,3 cm und hängt am Eingang der Grand Galerie im Pariser Louvre.
Christa Blenk - 8. März 2024
ID 14652
Der Künstlerbiograph Giorgio Vasari hat ausführlich über die Maler Giotto, Uccello und Donatello berichtet. Er schreibt dieses Bild hier Masaccio zu, später wird es Uccello angedichtet. Aber das kleine Werk, das eine großartige Hommage an die bedeutenden Künstler der Renaissance in Florenz ist, wird generell als „anonym“ angesehen. Eine Inschrift unter dem Bild erklärt die berühmten Persönlichkeiten. Das genaue Entstehungsdatum dieses Florentiner Gruppenporträts kennt man nicht. Irgendwann zwischen 1500 und 1550 soll es gemalt worden sein. Zu diesem Zeitpunkt lebte von den Porträtierten keiner mehr. Der anonyme Künstler war darauf angewiesen, sich entweder an raren Zeichnungen oder Bildern und natürlich an Personenbeschreibungen zu halten.

Wikimedia-Link zu den 5 Meistern der Florentiner Renaissance


Post an Christa Blenk

eborja.unblog.fr

Ausstellungen

Kulturspaziergänge

Museen

Werkbetrachtungen



Hat Ihnen der Beitrag gefallen?

Unterstützen auch Sie KULTURA-EXTRA!



Vielen Dank.



  Anzeigen:




KUNST Inhalt:

Kulturtermine
TERMINE EINTRAGEN

Rothschilds Kolumnen

AUSSTELLUNGEN

BIENNALEN | KUNSTMESSEN

INTERVIEWS

KULTURSPAZIERGANG

MUSEEN IM CHECK

PORTRÄTS

WERKBETRACHTUNGEN
von Christa Blenk



Bewertungsmaßstäbe:


= nicht zu toppen


= schon gut


= geht so


= na ja


= katastrophal


Home     Datenschutz     Impressum     FILM     KUNST     LITERATUR     MUSIK     THEATER     Archiv     Termine

Rechtshinweis
Für alle von dieser Homepage auf andere Internetseiten gesetzten Links gilt, dass wir keinerlei Einfluss auf deren Gestaltung und Inhalte haben!!

© 1999-2024 KULTURA-EXTRA (Alle Beiträge unterliegen dem Copyright der jeweiligen Autoren, Künstler und Institutionen. Widerrechtliche Weiterverbreitung ist strafbar!)