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Kurzportrait

JANKEL

ADLER


UND DIE AVANTGARDE
CHAGALL / DIX / KLEE / PICASSO
im Von der Heydt-Museum,
Wuppertal


August Sander, Maler (Jankel Adler), 1924, V/33/5 Silbergelatine-Abzug, mattglänzend, 30,4 x 23,9 cm (Blatt); Reprint Gunter Sander 1978 | Von der Heydt-Museum Wuppertal © VG Bild-Kunst, Bonn 2018


Im Wuppertaler Von der Heydt-Museum ist derzeit [leider nur noch bis 12. 8.] eine sensationelle Ausstellung unter dem Titel Jankel Adler und die Avantgarde Chagall / Dix / Klee / Picasso zu besichtigen. Der konzeptionelle Kontext schielt dabei "nur zweitrangig" auf potenziellere Besucherzahlen; freilich ziehen solche Namen wie Chagall, Dix, Klee, Picasso immer - dennoch handelt es sich bei dem anspruchsvollen Großprojekt, und das in erster Linie, um die Wieder- oder sogar Neuentdeckung eines der markantesten Vertreter und Impulsgeber der Klassischen Moderne: Jankel Adler (1895-1949).



Jankel Adler, Selbstbildnis, um 1924; Öl auf Leinwand auf Holz, 68,5 x 56,5 cm | Kunst- und Museumsverein im Von der Heydt-Museum © VG Bild-Kunst Bonn, 2018


Der in Tuszyn bei Łódź Geborene wuchs als siebtes von zehn Kindern in der Welt des chassidischen Judentums auf. Mit 17 lernte er das Graveurhandwerk bei seinem Onkel in Belgrad. Noch vor Beginn des Ersten Weltkrieges zog er 1914 zu seiner Schwester in den Wuppertaler Stadtteil Barmen, wo er in der dortigen Kunstgewerbeschule bei Gustav Wiethüchter Malerei studierte. Dann ging er zwei Jahre zurück nach Łódź, wo er die Avantgarde-Künstlergruppe Jung Jiddisch mitbegründete und erste Ausstellungen seiner Werke hatte. Ab 1920 fokussierte sich sein Lebens- und Werkraum insbesondere auf Deutschland; erst weilte er kurz in Berlin, dann kehrte er wieder zurück nach Barmen (Künstlergruppe Die Wupper), und ab 1922 wohnte er paar Jahre in Düsseldorf, wo er zusammen mit Paul Klee an der dortigen Kunstakademie unterrichtete - es folgten künstlerische Initiativen und Aktionen der Düsseldorfer, der Kölner oder der Berliner Avantgarde; in der Düsseldorfer Akademie bezog er 1931 ein eigenes Atelier, das er allerdings 1933 aufgab und (auf Anraten seiner Freunde) Deutschland verließ.


"Mit links stehenden Künstlern und Intellektuellen hatte Adler zuvor in Düsseldorf während des Wahlkampfes zur Reichstagswahl März 1933 im Februar einen 'dringenden Appell' gegen die Politik der Nationalsozialisten und für den Kommunismus veröffentlicht. Adlers politische Haltung konnte man eher als eine Art anarchistischen Kommunismus bezeichnen, dem nichts ferner lag als die Unterwerfung unter eine damals bereits die KPD beherrschende leninistische Parteidisziplin."

(Quelle: Wikipedia)


Adler zählte also, nicht nur wegen seiner jüdischen Herkunft, zu den von den Nazionalsozialisten besonders verfemten und verfolgten Künstlern; 1937/38 stellten sie ihn in ihrer Ausstellung Entartete Kunst bloß, seine Werke wurden aus deutschen Museen entfernt oder zu Schleuderpreisen verkauft, falls sie nicht schon vorher der Zerstörung oder Vernichtung zum Opfer fielen.

Nachdem er zunächst in Paris Exil bekam und von dort aus gegen das faschistische Regime in Deutschland kämpferisch opponierte, führten ihn verschiedene Reisen nach Polen, Italien, Jugoslawien, in die Tschechoslowakei, nach Rumänien und in die Sowjetunion. Bei Ausbruch des Zweiten Weltkrieges meldete er sich 1939 freiwillig zu den polnischen Streitkräften, die in Frankreich aufgestellt wurden und gelangte mit ihnen (während ihres kriegsbedingten Rückzugs) nach Schottland, 1943 siedelte er endgültig nach London um. Erst hier, und kurz bevor er 53jährig starb, erfuhr er, dass keines seiner neun Geschwister den Holocaust überlebte...




Jankel Adler, Sabbat, Düsseldorf 1925; Öl auf Leinwand, Mischtechnik, Sand auf Leinwand, 120 x 110 cm | Jüdisches Museum Berlin, Foto: Jüdisches Museum Berlin, Jens Ziehe © VG Bild-Kunst Bonn, 2018


*

Seit über 30 Jahren hatte es landauf, landab nicht eine nennenswerte Jankel Adler-Werkschau mehr gegeben. So gesehen sollte das Zustandekommen dieser großartigen Wuppertaler Ausstellung nicht hoch genug gepriesen sein!


Sie "zeigt Werke aus allen Schaffensphasen dieses Pioniers und bringt sie in Verbindung mit Schöpfungen seiner Freunde. Anhand von rund 200 Werken, die das Von der Heydt-Museum aus den USA ebenso wie aus Israel, Brasilien, Frankreich, Polen und Großbritannien zusammenholt, lässt sich hier ein Malerrevolutionär im Kontext der Moderne wiederentdecken. Wie Chagall definierte er seine individuelle Position vor dem Hintergrund seiner jüdischen Herkunft, formte dabei aber ein weltweit verständliches Bildrepertoire."

(Quelle: Von der Heydt-Museum)


Zu ca. 17 "Unterthemen" wird das ausgestellte Werk des Künstlers seinen Betrachtern peu à peu vermittelt und/oder in aufgezeigte (Rück-)Beziehungen zu Adler nahe stehenden Personen (Freunden, Kollegen, Mitstreitern etc.) gebracht. Der Seitengang des 2. Stocks im Von der Heydt-Museum ist diversen Fotodokumenten unterhalb der Überschrift "Jankel Adlers Flucht vor den Nazis, sein Weg ins Exil und die Aktion 'Entartete Kunst'" vorbehalten. Ein ca. halbstündiger Film von Werner Raeune (mit Gesprächen, Interviews und Zeitzeugenaussagen, aber auch der einen oder andern Bildbeschreibung) hilft dem Ausstellungsbesucher sich auf eine umfassende Auseinandersetzung mit dem Leben und dem Werk von Jankel Adler einzustellen.



Jankel Adler, Der Künstler (Artist), 1927; Öl auf Leinwand, 100,4 x 65 cm |
French & Company, New York © VG Bild-Kunst Bonn, 2018

Andre Sokolowski - 22. Juli 2018
ID 10813
Museumslink zur Ausstellung Jankel Adler und die Avantgarde


http://www.andre-sokolowski.de

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