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Museum im Check

Atomschutz unter

Spätburgunder



Foto: Zaubi M. Saubert



In der heißen Phase des Kalten Krieges herrschte in Westdeutschland eine regelrechte Bunker-Manie. Wer sich ein eigenes Häuschen leisten konnte, baute im Keller oft keine Sauna oder einen Hobbyraum ein, sondern einen Atomschutzbunker. Über Sinn und Unsinn eines solchen Schutzraumes ließ sich vortrefflich streiten. Konnte man darin doch eventuell den großen Atomschlag überleben und dann? Spätestens wenn Wasser und Vorräte aufgebraucht waren, musste man den Schutzraum verlassen. Und draußen wartete der radioaktive Fallout. Was für den normalen Bürger kaum bezahlbar war, musste für die Regierung und den sie stützenden Staatsapparat natürlich selbstverständlich sein.

Zwischen 1960 und 1972 legte der westdeutsche Staat für den Fall eines atomaren Angriffs unter den idyllischen Weinbergen von Bad Neuenahr-Ahrweiler einen gewaltigen Atomschutzbunker mit einer gesamt Tunnellänge von 17,3 Kilometern [s. Foto o.re.] an. Die Bunkeranlage lag nur gut 30 Kilometer vom damaligen Regierungssitz Bonn entfernt und bot maximal dreitausend Personen Schutz. Allerdings nur Funktionsträgern und nicht deren Familien. Allerdings nur für dreißig Tage. Und dann?



Perfekte Tarnung: Grauburgunder Weinstöcke über dem Regierungsbunker Bad Neuenahr-Ahrweiler | Foto: Zaubi M. Saubert


Heute kann dieses Relikt des Kalten Krieges als Dokumentationsstätte besichtigt werden. Zumindest auf einer Länge von gut zweihundert Metern veranstaltet der Heimatverein Altahrweiler e.V. Führungen, die in etwa neunzig Minuten einen spannenden und teils kuriosen Einblick in die Technik und das Leben im Bunker vor gut 60 Jahren, gut einhundert Meter unter der Erde, geben. So finden sich dort tief unter den Weinbergen der Ahr zwei gelbe Telefonzellen an, mit denen die Eingeschlossenen Kontakt zu ihren Familien halten konnten. An den Tunnelwänden finden sich kleine Aschenbecher, identisch mit denen, wie man sie früher aus Zügen kannte. Es gab einen Frisör, einen Zahnarzt dessen Technik noch sehr archaisch aussieht, einen Mini Operationstisch und ein Fernsehstudio. In der Kantine weist ein Schild auf die Zeiten des Gottesdienstes hin, getrennt nach Katholiken und Protestanten.

Im großen Besprechungsraum hängt immer noch die Weltkarte an der Wand, auf der mittels Sticker in der Lagebesprechung die militärische Situation dargestellt wurde. Damals fanden regelmäßig auch mehrwöchige Übungen in der abgeriegelten Anlage statt. Da sich der Bundeskanzler nicht mal eben für drei Wochen dem Tagesgeschäft entziehen kann, weil er an einer Atomschutzübung teilnimmt, wurde er von einem Abgeordneten aus dem Bundestag vertreten. Der Besucher kann heute die Kommandozentrale besuchen, in dem die gesamte Technik des Komplexes kontrolliert wurde. Hierzu gehört auch ein Technikraum mit Telefon, Fernschreibern und Matrizendruckern zur Kommunikation. Damals auf dem Stand der Technik, heute museal.



Kommandozentrale im ehemaligen Atomschutzbunker in Altenahr | Foto: Zaubi M. Saubert


Das A und O eines Bunkers ist seine hermetische Verriegelung. Beim Anblick der gewaltigen rollbaren MAN- Stahlbetontore, die den Bunker hermetisch verschließen, wurden in mir Erinnerungen an Fred Feuerstein wach, bei dem es damals, in der Steinzeit, bereits üblich war tonnenschwere Steine vor den Höhleneingang zu rollen. So auch hier. Die Verschlusstore wiegen etwa 25 Tonnen und verschließen den Zugang innerhalb von weniger als einer Sekunde mittels einer Hydraulik. Kaum vorstellbar. Im Film kann man sehen, wie dies bei einem der Frischlufttunnel funktioniert. Blitzartig schließt sich der Deckel mit einem lauten Knall. Sollte es zum Stromausfall kommen, lassen sich die Tore auch von Hand mittels Kurbel schließen, was allerdings wesentlich länger dauert.

Die Bunkeranlage verfügte über eine eigene Lüftungsanlage, Trinkwasser aus Tiefenbrunnen, mehrere Stromerzeuger und Vorräte für dreißig Tage. Damit sollte im V-Fall, sprich Verteidigungsfall die Handlungsfähigkeit der Bundesregierung sichergestellt sein. Luxus sucht der Besucher in der Anlage vergebens. Die Verpflegung bestand aus dem sogenannten Bundeswehr EPA (Einmannpackung) und dem was die unterirdische Küche servierte. Eine alte Preisliste zeugt auch vom Angebot an alkoholischen Getränken, allerdings zu erhöhten Preisen. Die Quartiere bestanden aus überwiegend Vierbettenzimmern, die lediglich Spind und Bett boten sowie gemeinsamen Waschräumen. Lediglich dem Bundeskanzler war ein Einzelzimmer vergönnt, dass allerdings auch keinen Luxus bot.



Blick in das Schlafzimmer des Bundeskanzlers im ehemaligen Atomschutzbunker in Altenahr| Foto: Zaubi M. Saubert


Grundlage der gesamten Anlage waren zwei vorhandene Eisenbahntunnel, die aus strategischen Gründen bereits im I. Weltkrieg gebaut, aber nie als solche fertiggestellt und genutzt wurden. Anfang der 30er Jahre befand sich dort unten die größte Champignonzucht des III. Reiches nachdem Frankreich als Pilzlieferant aus bekannten Gründen ausfiel. Später wurden die Tunnel zur Rüstungsproduktion genutzt. Bereits damals war alles rund um diese Tunnel streng geheim. Erst recht, nachdem man bereits 1950 beschloss diesen unterirdischen Komplex zum Atomschutzbunker auszubauen. Die Kosten der Anlage wurden einmal auf drei Milliarden DM geschätzt, was dieses Objekt zum teuersten Bauwerk Deutschlands machte. Alles streng geheim.

Eine Bewaffnung der Bunkeranlage sucht der Besucher vergebens, es gab keine. Gesichert werden sollte der Bunker durch mobile Einheiten außen um den Bunker herum. Oder vertraute man darauf, dass der Spätburgunder schon dafür sorgen würde, dass den Bunkerinsassen nichts zu stieß. Heute ist die ganze Anlage den Anforderungen neuer Waffentechnologien nicht mehr gewachsen und technisch überholt. Nach dem Wegfall seiner Nutzung wurde die Anlage bis auf die Tunnelröhren zurückgebaut. Nur auf etwa zweihundert Metern hat man die Einrichtung belassen.

*

Ob es in Berlin, am neuen Regierungssitz ein ähnliches Bunkerobjekt gibt, ob eventuell ehemalige Schutzbunker der DDR zum Schutz der Regierenden herangezogen wurden ist, allein schon aus Gründen der Geheimhaltung, nicht bekannt. Ist es überhaupt möglich bei den heutzutage machbaren Superbomben einen solchen Atomschlag in einem Schutzbunker zu überleben? Und will man dies auch? Und wofür? Was nützt es einer Führungselite den Atomschlag zu überleben, wenn draußen kein zu regierendes Volk mehr ist und nur noch atomare Wüste wartet. Diese Überlegungen stehen am Ende einer Spirale, an deren Anfang ein neuer Kalter Krieg wartet. Noch sind keine Bunkerplanungen bekannt, um im Zweifelsfall die Mac Wichtigs dieses Landes zu schützen. Der kleine Mann guckt so oder so dumm aus was auch immer...


Zaubi M. Saubert - 3. November 2026
ID 16128
Der ehemalige Atomschutzbunker in Altenahr ist ein spannendes Relikt aus vergangener Zeit und sein Besuch mal ein Museumsbesuch der anderen Art. Nicht nur für geschichtsinteressierte Menschen ein interessantes Objekt, was man nicht alle Tage zu Gesicht bekommt.

Der Bunker befindet sich Am Silberberg 0 in 53474 Bad Neuenahr-Ahrweiler.

Eintrittskarten können für 15 Euro entweder online gebucht oder vor Ort erstanden werden.

Montags ist der Bunker geschlossen.


Weitere Infos siehe auch: https://www.regbu.de


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