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Schenkungen aus dem Nachlass der Kunstmäzenin Irene Ludwig



Irene Ludwig

Es war schon ein seltener Anblick, wie der Kölner Oberbürgermeister Jürgen Roters und der Kulturdezernent der Stadt Köln, Prof. Georg Quander, entspannt um die Wette strahlten. Angesichts der chronisch angespannten Finanzlage der Stadt Köln gibt es meist wenig Gelegenheit dazu. Ort des Geschehens war der Hansasaal des Historischen Rathauses Köln, in dem im 14. Jahrhundert die Hanse tagte und der das wertvollste Interieur des Gebäudes birgt. Dies war der bewusst gewählte würdige Rahmen, in dem die Kunstschätze vorgestellt wurden, die Frau Prof. h. c. mult. Irene Ludwig der Stadt Köln vermacht hat, deren Testament alle heimlichen Hoffnungen und Erwartungen übertroffen hat. „Dies ist ein großer und schöner Tag“, freute sich OB Roters. Irene Ludwig und ihr 1996 verstorbener Ehemann Peter Ludwig waren passionierte Kunstsammler, deren Sammlung der Grundstock des 1976 nach ihnen benannten Museum Ludwig in Köln war.

Das Kölner Museum Schnütgen beherbergt eine der bedeutendsten Sammlungen der christlichen Kunst des Mittelalters in Europa. 20 sakrale Werke der Sammlung Ludwig, die bislang als Dauerleihgabe ausgestellt waren, gehen nun als Eigentum an das Museum über. Dazu gehören 8 Elfenbeinarbeiten, 3 Kristallwerke und etliche Goldschmiedearbeiten, die alleine vom Werkstoff her schon kostbar sind, darunter das Memento mori „Tödlein“, ein Skelett aus Elfenbein, das um 1520 entstanden ist. Zum Nachlass für das Museum Schnütgen gehören auch die im 16. Jahrhundert entstandenen Fenster des Klosters Altenberg, die bereits den neuen Eingang des Museums zieren.

Das Kölner Museum Ludwig hat als Schwerpunkt die Kunst des 20. und 21. Jahrhunderts und die größte Sammlung amerikanischer Pop-Art außerhalb der USA. Nun kommen 466 Werke der russischen und sowjetischen Avantgarde hinzu. Seit einer Schenkung Irene Ludwigs im Jahr 2001 von mehreren hundert Arbeiten Picassos avancierte das Museum Ludwig zur drittgrößten Picasso-Sammlung nach Barcelona und Paris. Durch die Werke der russischen Avantgarde, die Arbeiten von Gontscharowa, Larionow, Exter, Popowa und Malewitsch umfasst, wird Köln nun eine weitere Schwerpunktsammlung zuteil. Das Museum Ludwig wird noch eine Zeit brauchen, bis die „Schätze“ aufgearbeitet sind und Entscheidungen getroffen werden, wie und in welcher Form sie zugänglich gemacht werden.

Der Nachlass ist testamentarisch vor Verkauf und Trennung geschützt. Die Werke haben in den jeweiligen Sammlungen zu verbleiben und können nicht veräußert werden. Der Direktor des Museum Ludwig, Prof. Kasper König, weigerte sich bei der Pressekonferenz auch, den möglichen Kaufwert des Nachlasses zu nennen, erstens weil er nicht verkauft werden kann, zweitens weil der ideelle Wert gar nicht zu beziffern ist. Kulturdezernent Quander wurde da etwas präziser und sprach von 250 bis 300 Millionen Euro.

Allen Beteiligten war klar, dass dieser Nachlass nicht nur ein Erbe ist. OB Roters versprach: „Da diese Schenkung auch ein Vermächtnis ist, werden wir die Museen so ausstatten, dass die Werke adäquat ausgestellt und wissenschaftlich ausgewertet werden können.“ Auch Kulturdezernent Quander versprach, die benötigten Mittel bereitzustellen, auch im eigenen Interesse. Auf Nachfrage sicherte die Stadt Köln zudem die Kunst- und Museumsbibliothek, deren mögliche Schließung schon einmal angedacht war, auf jeden Fall geöffnet bleibt. Es hörte sich so an, dass sowohl der politische als auch der persönliche Wille dazu da ist.



Kasimir Malewitsch, Suprematistische Komposition, 1915, Öl auf Leinwand, 66,5 x 57 cm, Standort: Museum Ludwig Köln - Foto (C) Museum Ludwig Köln/RBA

Memento mori, Westschweiz um 1520, Elfenbein und Ebenholz, 12 x 42 x 15 cm, Standort: Museum Schnütgen Köln, Sammlung Ludwig seit 1963


Peter Ludwig (1925 – 1996) war ein deutscher Industrieller. Er studierte u. a. Kunstgeschichte an der Universität Mainz, wo er seine Kommilitonin Irene Monheim, eine Fabrikantentochter, kennen lernte. 1951 heiratete das Paar. Sie verband u. a. ihr Kunstinteresse und sie wurden zu den bedeutendsten Kunstmäzenen ihrer Zeit. Ein Dutzend Museen und Sammlungen sind nach ihnen benannt. Irene Ludwig (1927 - 2010) setzte das gemeinsame Werk fort, das jetzt das Kuratorium der Peter und Irene Ludwig Stiftung übernommen hat.


Helga Fitzner - red. 4. April 2011
ID 5135

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