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Debatte

"Im Pudel der Gefühle" oder

Die lange Nacht der ZEIT,

in Hamburg

Bucerius Kunst Forum, 14. April 2018: "Zur Sache Hamburg" - wie viel Kreativität ermöglicht die Stadt?

Man hat es gemerkt: Kreativität ist ein großer Wirtschaftsfaktor, und er erhöht die Attraktivität der Stadt. Neue Stichworte sind Toleranz, Eigensinn, Freiheit...

Doch wem gehört die Stadt? Nicht umsonst hat man Rocko Schamoni eingeladen, ehemaliger Dorfpunk, die Thermoskanne mit Fencheltee im Gepäck. Er plädiert für die elegante Anarchie, und er beherrscht die Kunst der Unterhaltung. Bei der Gentrifizierung seines Wohnviertels in der Bernstorfstraße hört allerdings der Spaß auf, und richtig in Rage redet er sich bei dem Eliteprojekt Elbphilharmonie.

Wir dürfen schon mal die rote oder die grüne Karte ziehen. Denn da ist man doch geteilter Meinung. Kultur wird meist ausgelagert, finanziell nicht unterstützt, klar ist aber auch, dass die Elbphilharmonie ein sehr gemischtes und interessantes Programm hat und trotz seiner Kosten ein Gewinn für die Stadt.

Ein steigender Wirtschaftsfaktor sind die Immobilien, Luxussanierungen, die Wohnraum zerstören, besonders die, welche meist ehrenamtlich von Künstlern aufgewertet wurden. Allein das Gängeviertel, eine Künstlerhochburg mitten in der Stadt, wurde mit viel politischem Druck zurückerobert. Die Essohäuser dann doch abgerissen, aber die Victoria-Kaserne in Altona, ziemlich runtergekommen, wurde in eine Genossenschaft umgewandelt. Zur Zeit arbeiten über 140 Kreative aus allen Bereichen in den Räumen der Victoria-Kaserne. In Einzelateliers oder Bürogemeinschaften.

Künstler brauchen keine 5-Sterne-Lofts, aber dahin führt es, wenn die Stadt lieber an ausländische Privatinvestoren verkauft und die Bewohner noch nicht einmal rechtzeitig informiert. Es gilt Wohnraum zu erhalten gegen Spekulationen.

Wem gehört die Hütte? - Der Pudel ist dann leider abgebrannt.

Auch Christoph Twickel ist ein Aktivist, Musiker, und Querdenker, schrieb Hamburger Popkultur-Geschichte und war ehemaliger Chefredakteur der Stadtzeitschrift Szene. Jetzt ist er freier Journalist, Autor im Hamburg Ressort der ZEIT und Spiegel Online-Kultur.

Er ist Verfasser der Streitschrift Gentrifidingsbums, gleichzeitig kritisiert er die „Bionade-Bourgeoise“, bezeichnet sie als elitäre Subkultur.

Ein wahrlich heißes Eisen! Einige meinen, Subkultur muss elitär sein. Man will doch als Künstler anecken. Oder sollen Künstler auch normal sein? Wir begeben uns hier auf hauchdünnem Eis. Aber da werden gleich Stimmen laut:

„Du willst doch als Künstler anecken, doch auch gepudert werden!“

Julia Melzner, verantwortlich für die Frappant Galerie e.V., ein Ort der kulturellen Produktion und eines konstanten Diskurses. Sie ist Kommunikationsdesignerin und eroberte gerade mit Postern die Freiräume der Stadt. Klaus Staeck ist Schirmherr dieses Awards. Das meiste Echo bekam ein Plakat mit gemalten „Vermummten“. Es war nicht allein der Schwarze Block, auch verschleierte Frauen konnte man beim genaueren Hinsehen entdecken. Irritierend. Damit ist man also nicht nur an den G20- Gipfel erinnert und wie da mit Polizeigewalt vorgegangen wurde.

Fazit: Der ehemalige Bürgermeister Hamburgs sitzt jetzt neben Merkel.

Hamburg gibt sich doch sehr bürgerlich, angepasst und wirtschaftlichorientiert. So kauft man Anlageobjekte in Harburg und vermietet teuer an WG’s.

Aber auch in der Kunst bleibt man seinen Prinzipien treu. Entweder die gute alte Hamburgensie oder die Massenproduktion eines längst verstorbenen Künstler Horst Janssen - handsigniert.

Kommen wir zu Christian Pfaff, seines Zeichens Galerist und erfolgreicher Werbetexter, ehemals Kindergärtner, Koch und immer wieder Weltreisender:

Er sitzt in einem ehemaligen Gemüseladen und nennt es nach vorbildlicher Renovierung Schreibwerkstatt. Für ihn gehört zur Eroberung der Welt ein wenig Naivität, auch Mut, und so finden in seinem SchauRaum oft wechselnd und gut kuratiert Kunstausstellungen statt. Seine Devise lt. Nina Hagen, „wenn du scharf bist, musst du rangehen!“

Nächsten Freitag ist die 50. Ausstellung. Bei ihm ist das Ganze quersubventioniert, bloß nicht kommerziell werden. Aber heißt das nicht auch viel Ehrenamt, oder ist es einfach Enthusiasmus? Und solange das kreative Feuer in einem brennt... Darin liegt wohl auch der Gründergeist von Kreativen, immer wieder Freiräume zu erobern, sinnstiftend zu arbeiten, sich selbst zu positionieren und zu vernetzen. Sonst wird Hamburg auch langweilig mit seinem Durchreinigungsaspekt.

Die Hafenstraße ist ja schon tot. Und die Astra-Stuben kann Hamburg nicht abreißen, schließlich ist dort schon Jan Delay aufgetreten.

Und wollen wir wirklich steigende Zahlen von Übernachtungen und noch mehr Traumschiffe? Warum muss Hamburg die tollste Stadt der Welt sein?

Man nannte hier die Begriffe: „bumsen, saufen, pissen, shoppen.“

Fazit des Abends: Wir brauchen Mitspracherecht!






Liane Kampeter - 18. April 2018
ID 10652
Weitere Infos siehe auch: https://leserservice.zeit.de/lange-nacht-der-zeit/


Post an Liane Kampeter

http://www.liane-kampeter.de

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