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Ausstellung

Van Gogh und

die irdene Schwere



Bewertung:    



Gleich zu Beginn der Ausstellung sieht der Betrachter sich einem Selbstbildnis des Künstlers gegenüber. Es ist ein kleinformatiges Gemälde, das eine unerbittliche intensive Anziehungskraft ausübt. Der magnetische flackernde Blick nagelt den Zuschauer fest, Gespaltenheit und Unruhe sind daraus abzulesen. Van Gogh blickt uns entgegen und doch durch uns hindurch in eine undefinierbare Weite. Ein Spiegelbild im doppelten Sinn. So hat der Künstler sich im Spiegel erblickt. Und so sehen wir ihn jetzt. Es ist sein Bild von sich das er uns zeigt. Und damit zieht er uns in seinen Bann und wir treten ein in seine Welt.

Seine Welt ist die Landschaft des Nordens. Auf dem Land geboren, im holländischen Groot-Zundert, erkundete er von klein auf die Natur auf seinen langen Spaziergängen. Mit 27 Jahren fängt Vincent an zu malen. Er malt diese Landschaft und ihre Menschen. Er malt die mühsame Welt der Bauern, die dieser Erde ihr täglich Brot abringen.

Gebückt Ähren einsammelnd und Abends das karge Mahl teilend. Klobige Figuren, deren Gesichter denen der Erde ähneln, von denselben Furchen durchzogen, bis ins Groteske entstellt. Mensch und Erdboden werden eins. Die Härte des Bodens spiegelt sich in der Härte der Gesichter wieder. Die Farben sind die düsteren Farben der Erde.

Der Tradition des sozialen Realismus verpflichtet, sind Parallelen zu Jean-Francois Millet und Jules Breton offensichtlich. Es ist ein Van Gogh, der sich dieser Bauernwelt nahe, sehr nahe fühlt. In seinen Briefen an den geliebten Bruder Theo beschreibt er die starke Faszination, die Genügsamkeit, Einfachheit, Ehrlichkeit ausstrahlen.



Vincent van Gogh, Contadini che piantano patate; Olio su tela, 66 x 149 cm 1884 Kröller-Müller Museum © Kröller-Müller Museum

Vincent van Gogh, Natura morta con piatto di cipolle; Olio su tela, cm 49,6 x 64,4 1889 Kröller-Müller Museum © Kröller-Müller Museum

Vincent van Gogh, Veduta di Saintes-Maries-de-la-Mer; Olio su tela, cm 64,2 x 53 1888 Kröller-Müller Museum © Kröller-Müller Museum


Erst als er sich aus dieser eingeengten Welt entfernt, nach Paris gelangt, öffnet er sich den verschiedenen Einflüssen, die in der großen Stadt auf ihn einströmen. Die Dunkelheit und Enge der ersten Bilder verschwindet, um sich der leuchtenden Farbenwelt zu nähern. Die Pinselstriche werden unruhig, aufgespalten, Konturen verschwinden, und die Farbe dominiert seine Bilder.
Weiter südwärts zieht es Van Gogh in die Provence der kräftigen Farben, des intensiv blauen Himmels. Der Künstler entfernt sich mehr und mehr von den sozialen Themen, die sein Anfangswerk durchziehen, und gibt sich der Landschaft hin - eine psychologische Landschaft, die seine Emotionen wiedergibt.

Wer sich diesen Van Gogh erwartet, den typischen Van Gogh der Provence, der Kornfelder, des Sonnenblumen, des Sternenhimmels, wird vielleicht leicht enttäuscht die Ausstellung verlassen. Nur wenige Bilder dieser letzten Periode sind in der Ausstellung zu sehen und sicherlich nicht die bekanntesten.


Sylvia Schiechtl - 21. Dezember 2014
ID 8335
Der Großteil der in der Ausstellung Van Gogh – L´uomo e la terra (im Palazzo Reale, Mailand) ausgestellten Werke stammt aus dem Kröller-Müller Museum von Otterlo und bringt uns diesen weniger bekannten Van Gogh näher, den Van Gogh der Erde.

Weitere Infos siehe auch: http://www.vangoghmilano.it


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