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Ausstellung

Der XXI. ROHKUNSTBAU im Schloss Roskow beschäftigt sich mit der Apokalypse



Miguel Rothschild, Die Flut | Foto (C) Stefan Bock

Bewertung:    



Nach den Anfängen in einem unfertigen LPG-Gebäude in Groß Leuthen, dem Umzug ins benachbarte Wasserschloss sowie einer anschließenden Odyssee über weitere brandenburgische Landschlösser in Sacrow und Marquardt hat die Sommerausstellung Rohkunstbau nun seit drei Jahren ihr Domizil im Barockschloss Roskow im Havelland gefunden. Hier residierte seit dem 18. Jahrhundert bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs das preußische Adelsgeschlecht derer von Katte. Bekanntester Spross der Familie dürfte der preußische Leutnant Hans Hermann von Katte sein, der nach einer geplanten Flucht seines Jugendfreunds Friedrich II. als Mitwisser von dessem Vater und Preußen-König Friedrich Wilhelm I. 1730 zum Tode verurteilt wurde. Das angebliche Richtschwert wurde noch bis 1948 in Roskow aufbewahrt, bevor es dann ins Stadtmuseum im nahegelegenen Brandenburg kam. Nun kann man einen Abguss davon in der raumgreifenden Installation der Bildhauerin Christiane Möbus im Gartensaal des Schlosses sehen. In der Mitte des Raums steht ein Korbstuhl, unter dem fünf Kürbisse liegen. Die Skulptur trägt den Titel Heinrich VIII., wohl als Hinweis auf das lockere Richtschwert des englischen Königs. Drei ruinöse Kachelöfen, die die Künstlerin Apocalypse I., II. und III. nennt, verweisen schließlich auf das Thema der aktuellen Gruppenausstellung.



Christiane Möbus, Heinrich VIII. | Foto (C) Stefan Bock


Die zehn geladenen Künstler des XXI. ROHKUNSTBAUs beschäftigen sich also in ihren Werken mit der Apokalypse. Lose angelehnt sind die seit 2011 von Kurator Mark Gisbourne ausgerichteten Ausstellungen zu den Themen Macht, Moral, Revolution und Apokalypse an Richard Wagners Ring-Tetralogie. Was Christiane Möbus' Installation mit einer apokalyptischen Götterdämmerung zu tun haben könnte, offenbart sich hier aber nicht ganz. Es ist eher eine Art assoziativer und universeller Umgang mit dem Ort und seiner Geschichte.

Zu den heutigen Katastrophen passt da schon eher die im Nachbarraum aufgehängte Installation Die Flut. Das graue Tuch des Argentiniers Miguel Rothschild [s. Foto o. re.]bauscht sich zu Wellenbergen und -tälern wie eine Topografie des drohenden Unheils, was durchaus seine Aktualität in der momentanen Flüchtlingsproblematik findet. Allerdings wirkt die Urgewalt des stürmischen Meeres durch die Abhängung an hunderten Fäden eben auch wie eine göttliche Schicksalsmacht, die vom Menschen nicht beeinflusst werden kann.

Die menschgemachte Apokalypse aus Gewalt und Kriegen verdeutlicht wesentlich eindrücklicher die Videoinstallation Understage (leak i the floor), bei der der polnische Künstler Domenik Lejman die Schattenrisse von fliegenden Hubschraubern und Drohen zu regelrechten Kampfszenarien direkt an die Wand projiziert.



Domenik Lejman, Understage (leak i the floor) | Foto (C) Stefan Bock


Dazu könnte man sich bestens den Walkürenritt Wagners als musikalische Untermalung vorstellen.

Technobeat aus einem der Nachbarräume unterstreicht den Drohnenkrieg via Joystick aber ebenso gut. Hier haben die kroatischen Künstler Damir Žižić und Kristian Kožul ihre Klanginstallation #summersunlove aufgebaut. Grau bemalte Muschelboxen, aus denen der monotone Elekrto-Sound wummert, thematisieren Verlockung und Enttäuschung gleichermaßen.

Mit dem Niedergang des Kommunismus im ehemaligen Ostblock, der mit Freiheit, neuem Reichtum aber auch wirtschaftlicher Rezession verbunden ist, beschäftigt sich auch das Video Trashman der russische Künstlerin Olga Chernysheva. Ein junger Usbeke hält am Ausgang eines Moskauer Kinos einen blauen Müllbeutel auf, in den die den Saal verlassenden Besucher beim Abspann des Filmes ihren Abfall entsorgen.

Ansonsten bleibt die Apokalypse weitestgehend aus. Keine Offenbarung oder ein ultimatives, reinigendes Göttergericht erwarten den Besucher. Der Mensch bleibt allein mit seinen Krisen und Katastrophen.

Der Maler Philip Grözinger zeigt in seinen Bildern endlos gewundene, autobahnartige Möbiusschleifen und setzt eines seiner Gemälde im Park direkt der zerstörenden Kraft Witterung aus.

Schaffende und zerstörende Naturgewalten sind auch Thema der aus Malerei, Skulptur und Video zusammengefügten Rauminstallation der Japanerin Leiko Ikemura mit Titel Memento Mori und Cloudgrafie.

Fast schon dekorativ wirken die Bilder und Skulpturen von Philipp Lachmann zu Kattes Traum oder die Zeichenserie Apokalypse. 29 zarte Leibesvisiten der Schweizerin Sandra Böschenstein.

Regelrecht idyllisch fügt sich auch die Skulptur The Artist, His Father and His Son des Londoner Bildhauers Daniel Silver in das Grün der Bäume im Park. Im doppelten Sinne ein Bild für das ewige Werden und Vergehen.





Bevor der Sommer vergeht, sollte man noch einen Ausflug nach Roskow wagen. Nach dem apokalyptischen Kunstgenuss gibt es fürs leibliche Wohl noch Kaffee und selbstgebackenen Kuchen von netten Damen aus dem Dorf.


Stefan Bock - 2. August 2015
ID 8784
Weitere Infos siehe auch: http://www.boell-brandenburg.de/de/rohkunstbau


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blog.theater-nachtgedanken.de



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