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Ausstellung

Matisse

Arabesque



Foto (C) Christa Blenk

Bewertung:    



„Da wir schon einmal hier sind, lass uns Matisse besuchen. Zieh Deine malvenfarbene Bluse und die weidengrüne Hose an, diese beiden Farben liebt er sehr.“ (Picasso zu Françoise Gilot)

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Der französische Maler und Bildhauer Henri Matisse (1869-1954) war neben Picasso der wichtigste Vertreter der Klassischen Moderne. Matisse, der Farbenformer, komponierte Symphonien in monotonen, reinen und klaren Farben, die im Verlauf des Arbeitsprozesses eine harmonisch-klingende, vibrierende Verbindung eingehen sollten. „Man muss jeder Farbe ihre Zone lassen, in der sie sich ausbreiten kann“, sagte er. Das dauerte manchmal sehr lange und ging über viele Phasen. Oft übermalte er seine Bilder, konzipierte sie neu oder veränderte sie, bis es zu seinem jeweiligen Lieblingsbild wurde. Man muss sie lange und von vielen Seiten betrachten, um all das zu sehen, was er zu erreichen suchte. Freude an der Kunst sollte man haben. Das Gegenständliche hat er nie verlassen, aber auf konventionelle Techniken (wie Perspektive) unbedingt verzichtet. Die Dinge oder Personen in seinen Bildern fallen uns sozusagen entgegen. Matisse malte nicht, was er sah - er malte, wie er fühlte.

"La révélation m'est venue d'Orient" (dt.: Die Offenbarung kam aus dem Orient zu mir), sagte Matisse 1947 zum Kunstkritiker Gaston Diehl.



Henri Matisse, Ramo di Pruno, fondo verde, 1948; Olio su tela, cm 115,9 x 88,9; Torino, Pinacoteca Giovanni e Marella Agnelli | ©Succession H. Matisse by SIAE 2015 Image: ©Pinacoteca Giovanni e Marella Agnelli


Matisse Arabesque ist der Titel dieser Ausstellung in den Scuderien, die von der Inspiration und Bedeutung seiner Malerei des in Mode kommenden Orients im auslaufenden 19. Jahrhundert erzählen soll. Hiermit hat sich die Kuratorin natürlich ein wenig selber eingegrenzt, denken wir, werden aber eines Besseren belehrt.

Die Hauptwerke unter diesem Begriff sind im ersten Drittel des 20. Jahrhunderts entstanden, allerdings ist Matisse im Laufe seines Lebens immer wieder auf den Orientalismus/Japonismus zurückgekommen, oder eigentlich hat ihn dieser nie so richtig in Ruhe gelassen. Dieses neue satte Grün, das durch diese Orient-Euphorie aus der Türkei, aus Nordafrika oder aus Japan in den Westen kam, ist einer der Hauptprotagonisten dieser Matisse-Schau.

Arabesken waren ursprünglich geometrische, florale und nicht figurative Ornamente und Verzierungen aus der islamischen Kultur und Architektur. In der Malerei des beginnenden 20. Jahrhunderts stand der Begriff für arabische Wohnkultur, Odalisken, Haremsszenen und viel Farbe. Schlegel kam da mit seiner Definition „scheinbar chaotische, natürähnliche Strukturen gekennzeichnete Form“ der Sache entschieden näher.

Die Exponate in den ersten Räumen sind so etwas wie die Initiierung der Reise in den Orient. Das Motiv für den Hintergrund des Gemäldes aus New York - Violette Tischecke (1903) - entdecken wir drei Räume weiter auf einer Kachel aus der Türkei wieder. Matisse, der mit 22 Jahren aus Nordfrankreich nach Paris kam, war 1905 schlagartig in aller Munde, als er beim Pariser Herbstsalon anhand eines farbig-schrägen und wilden (fauve) Portraits, begleitet vom traditionellen Geschrei der Pariser Neuem gegenüber, den Fauvismus präsentierte. Bis dahin durfte er für 1,25 Franc pro Stunde höchstens Girlanden für die Weltausstellung malen.

Im nächsten Raum hängt das faszinierende Portrait von Yvonne Landsberg (1914). Sie könnte sich so gerade für das Triadische Ballet bewerben; ihr Gesicht ist eine afrikanische Maske. Schon 1906 hat Matisse zum ersten Mal eine solche Maske in Gertrude Steins Salonge zeigt und damit vor allem Picasso fasziniert und beeindruckt (dieser besorgte sich dann – wie, ist nicht genau dokumentiert - sofort Masken aus dem Jeu de Paume Museum Paris). Philadelphia hat das Bild ausgeliehen.



Henri Matisse, Ritratto di Yvonne Landsberg, 1914; Olio su tela, cm 147,3 x 97,5; Philadelphia Museum of Art. The Louise and Walter Arensberg Collection, 1950 ©Succession H. Matisse by SIAE 2015 Image: © Philadelphia Museum of Art


Daneben eine Leihgabe aus dem Guggenheim New York, Die Italienerin (1916). Für diese südländische, halb-kubistische Schönheit hat sich Matisse ebenfalls an einer afrikanischen Maske inspiriert. Matisse, der bei Kriegsausbruch noch in Paris lebte, war gerade aus gesundheitlichen Gründen nach Nizza gezogen. Seine erste Reise nach Algerien 1906 (und 1912 mit Amelie auf den Spuren von Delacroix nach Marokko) haben ihn vollkommen für die islamische Kunst und den Orientalismus entflammt, und die hier gezeigten Bilder sind allesamt beeinflusst von diesem Rausch. Matisse entdeckte die Farben von Tanger, die afrikanischen Holzskulpturen und Masken. Außerdem dokumentiert ist ein Besuch der wichtigsten Ausstellung über islamische Kunst mit über 3500 Exponaten 1910 in München.

Im dritten Raum ein grün-rot-gelbes Matisse-Spätwerk, Blühender Pflaumenzweig vor grünem Hintergrund (1948), und im nächsten Saal gleich der geballte Orient mit vier figurativen Bilder, alle 1912 entstanden, (Zohra auf der Terrasse (Zorah in Gelb, Zohra stehend, Marokkaner in Grün). Die wunderbaren Keramiken, Kleider oder Masken - direkt gegenüber - , die vielleicht auch ein Kompromiss waren, um die großen Säle zu füllen, erklären die Gesichter, Tapeten oder Ornamente in seinen Werken. Einiges hat er sich auch von den Reisen mitgebracht, im Laufe seines Lebens zusammengesammelt oder mit Picasso eingetauscht. Aufhören tut die Ausstellung mit dem Bild Rote Fische (1911); es ist auch das Ausstellungsplakat: Ein Aquarium mit roten Fische rutscht gerade aus dem Zohra-Bild, und die Pantoffel hängen in der Luft (s.u.). Matisse hat die roten Fische geliebt und öfters auf seinen Bildern verewigt, wie auch in dem Bild, das leider nicht hier zu sehen ist. Le Café arabe (1913): Ein grün-blau-braunes gesichtsloses monumentales Werk von 176 x 210 Zentimeter, das in der Hermitage hängt. Platz für eine Reproduktion hätte sich finden können!

Diese prächtige Farbenwut und chromatischen Symphonien lassen die Räume heller erscheinen.



Henri Matisse, Zorah sulla terrazza, 1912-1913; Olio su tela, cm 115 x 100; Mosca, The State Puškin Museum of Fine Arts ©Succession H. Matisse by SIAE 2015; Image: © The State Puškin Museum of Fine Arts, Moscow


Klein aber fein ist diese Schau, und man verlässt sie mit dem Gefühl nicht genug gesehen zu haben.

Christa Blenk - 10. März 2015
ID 8489
Viel Platz hat die Kuratorin den Bildern gelassen. Unter den 100 ausgestellten Exponaten sind nur 30 Ölgemälde, die sich beliebig nach links und rechts ausbreiten können (wie es Matisse verlangte). Der Rest sind Zeichnungen, orientalische Gewänder und Keramik. Im Zwischengeschoß kann man sich einen Film aus den 40er Jahren über den malenden Matisse ansehen. Desweiteren läuft eine Reproduktion der Oper Monte Carlo aus 1999 von Strawinskys Ballet-Epos Le Chant du Rossignol, für das Matisse 1920 wunderbare asiatische Kostüme entworfen hat, die ebenfalls in der Ausstellung zu sehen sind.

Ester Coen hat die Ausstellung, die zwei Millionen Euro gekostet haben soll, kuratiert und viele Jahre an der Realisierung gearbeitet. Die 100 Leihgaben von erlesener Qualität kommen u.a. aus New York, London, Paris, Moskau, Philadelphia und Turin. Einige der Exponate sind zum ersten Mal in Italien. Bis zum 21. Juni 2015 ist Matisse Arabesque in den Scuderien del in Rom zu sehen.

Weitere Infos siehe auch: http://www.rome-museum.com/it/prenota-matisse-arabesque-scuderie-quirinale.php


Post an Christa Blenk

eborja.unblog.fr



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