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Feuilleton


U10 – von hier aus ins imaginäre und wieder zurück, Teil 2

KATHARINA HEILEIN: Construction Time Again – Phase 2


Am 25. Juni berichtete KULTURA EXTRA über das Berliner "Kunst-im-Untergrund"-Projekt U10 – von hier aus ins imaginäre und wieder zurück. U10 versteht das unterirdische Berliner U-Bahnnetz als Parallel- und Spiegelwelt mit ihren Dimensionen Normalität, Realität und der Geheimnisfülle des Imaginären. Geschichte bleibt nicht Vergangenes, sie mündet in die Dynamik von Heute, macht bewusst und bleibt lebendig.

U10 ist das Ergebnis eines internationalen Wettbewerbes, das mit ausgewählten Kunstprojekten den Berliner Untergrund in seinen Wahldimensionen als Raum des Verstehens um den Interessierten aufspannt.

U10, das war einmal eine geplante und auch begonnene U Bahnlinie. Damals, in den 30er Jahren. 'Begonnen, unterbrochen, vergessen' ist nicht die ganze Geschichte. Die Zeit selbst, die verwarf und verschlang, machte aus U10 den Stoff, aus dem 80 Jahre später internationale Künstler ihre Themen formen und Ebenen der Wirklichkeit finden, in denen Realität Teil einer komplexen Wirklichkeit wird, die das Eintauchen ins Imaginäre zur konkreten Selbsterfahrung machen kann.

U10 ist also Geschichte von etwas, das einst werden sollte, von etwas, das geblieben ist, und von etwas, das weiterlebt und das Geschichte macht, andere Wirklichkeiten gestaltet und aus ihnen auf Parallelgleisen sein Zurück ins Hier und Jetzt mit der Frage im Gepäck findet 'Was ist hier Wirklichkeit und was ist (die) Wirklichkeit jetzt?'.

KULTURA EXTRA geht auf Spurensuche. Der Anfang war Geschichte: die der einst geplanten Linie U10. Sie sollte die Ortsteile Weißensee im Norden Berlins mit dem südlich gelegenen Steglitz-Zehlendorf verbinden.

Ihr Streckenverlauf sollte ausgehend von Weißensee die U Bahnhöfe Alexanderplatz, Leipzigerstraße, Potsdamer Platz, Innsbrucker Platz und Rathaus Steglitz einschließen und am U-Bahnhof Drakestraße in Steglitz-Zehlendorf enden.

Sein Ende nahm einen anderen Verlauf und Katharina Heileins Thema Construction Time Again – Phase 1 erweckte den immer innewohnenden Anfang zu neuem Leben.

Katharina Heilein im Interview, (c) U10
Die gebürtige Dresdenerin studierte in Dresden (HfBK), Kopenhagen (Det Kongelige Danske Kunstakademi) und London (Central Saint Martin's College of Art and Design, MA Fine Art am Goldsmiths College). Neben Lehre und Workshops beteiligte sie sich an Ausstellungen in Berlin, Dresden, Helsinki, London und Prag. Heute lebt und arbeitet die Projektkünstlerin in Berlin.

Im Mittelpunkt ihrer gegenwärtigen Arbeit steht die begrenzte Wahrnehmung von Systemen. Systeme können zum Beispiel Räume oder Situationen sein. Systeme sollten normalerweise funktionieren. Was, wenn nicht?

Die Künstlerin lässt sich auf den abseits des Normalen liegenden Betrachtungsweg ein. Dem störenden und im Normalfall zu behebenden oder zu beseitigenden Dysfunktionalen kann ein Potential zugeordnet werden. Das ist ihr Ansatz. Dem Potentialgefälle steht der Quelle ein Ziel oder eine Bestimmung gegenüber. Im dysfunktionalen Falle eine fiktionale oder fiktive.

Katharina Heileins Lösungsvorschläge bleiben hypothetisch. Ihre Kunst aber bewirkt durch hohe Präzision im Detail eine (weniger begrenzte?) Wahrnehmung von verblüffender Authentizität und Realisierbarkeit der betrachteten Systeme, so dass sie als Vorschläge, als Modelle, in die (oder besser 'eine'?) Praxis umsetzbar werden.

Das betrachtete System wird und wirkt komplexer. Erkannte fiktive Funktionalität erhöht den Bedeutungsgehalt des Systems.

Katharina Heilein schreibt dazu auf ihrer Website: "Aus dieser Praxis heraus ist die Beschäftigung mit partizipativer Kunst und einer ihr innewohnenden Dysfunktionalität zu einem wichtigen Bestandteil meiner Arbeit geworden." (www.sloapsolutions.com)

Ihre Arbeit bezieht Künstler, Historiker, Ingenieure, Akteure aus der Öffentlichkeit und Publikum gleichermaßen mit ein.

Ihr Projekt Construction Time Again der etwas anderen Art greift ein historisches Berührungsprodukt zweier unterschiedlicher Parallelwelten, Ost und West, auf. Die Berührungen waren die von den Alliierten genehmigten Verhandlungen des Westberliner Senates mit der Deutschen Reichsbahn im Jahre 1983. Das Produkt war die Übernahme der Betriebsführung des West-Berliner S Bahn Streckennetzes durch den Senat und eine von ihm zu bestimmende Dienststelle.

Die S Bahnlinie S1 ging im Februar 1985 in Betrieb. Der Bau der parallelen U Bahnlinie U10 kam zum Erliegen. Im Erdreich Berlins sollte eine Phantomwelt entstehen, die zweieinhalb Jahrzehnte später von sich Reden machen sollte.

Die Geschichte produzierte Geschichten, deren Zeitzeugen an einem Gesprächsabend im Dezember 2009 im U10/U3-Vorratsbau des U Bahnhofes Potsdamer Platz zu Erbauern von Katharina Heileins Construction Time Again – Phase 1 wurden.

Construction Time Again – Phase 2 visualisiert die Phantomlinie als Nachbau der Gesamtstrecke.

Arbeiten am Modell des U-Bahnhofs Walther-Schreiber-Platz, (c) U10
Gebaut wird während wöchentlicher Modellbau-Workshops zusammen mit U-Bahn– und Orts-Kundigen auf der Grundlage von vorhandenen Bauplänen, Expertenberichten und Landesarchiv-Dokumenten. Das Modell entsteht im Maßstab 1:160. Die über sechs Monate dauernden Bauarbeiten werden gleichzeitig von beiden Enden her, ausgehend von den Bahnhöfen Weissensee und Drakestraße, vorangetrieben.

Es erfolgen regelmäßige Einladungen an die lokale Bevölkerung zur Besichtigung von U10-Rohbauten, zur oberirdischen Spurensuche, zum Ideenaustausch und zur Beteiligung am Modellbau.

Die Arbeiten an dem 100 Meter langen Modell dauern an. Anfang Dezember 2010 wird das Projekt auf dem unteren ungenutzten Bahnsteig der U10 im U Bahnhof Schlossstraße der Öffentlichkeit vorgestellt. Eine integrierte Audioarbeit wird auf die Spur der ungeahnten Potentiale der Phantom-Linie U10 führen.
Anlässlich des Tages des offenen Denkmals, am 12.09.2010, wird es eine Zwischenpräsentation der schon fertiggestellten Modelle im U10-Rohbaubahnhof Innsbrucker Platz geben.

Ab Herbst 2010 wird Jacopo Gallico, sonntags Interessenten auf sechs Spaziergängen entlang des seinerzeit geplanten Streckenverlaufes der U-Bahnlinie U10 führen.

Besichtigung des U-Bahnhofes Rathauses Steglitz, (c) U10
Neben Katharina Heileins Construction Time Again entstanden 2009 Projekte von Hans Polterauer (AT), Rae Spoon (CA) & Alexandre Decoupigny (D), Simon Grennan (UK) & Christopher Sperandio (USA)und Roland Boden (D). 2010 folgen Arbeiten von Evi Kruckenhauser (AT), Yuka Oyama (JP) & Axel Ruoff (D)und Grit Ruhland (D).

U10 ist ein Gemeinschaftswerk der Kunstschaffenden mit Mitarbeitern der BVG und zahlreichen Agenten des Berliner Untergrunds.

Initiiert wird U10 – von hier aus ins imaginäre und wieder zurück von Sofia Bempeza, Ania Corcilius, Jacopo Gallico, Eva Hertzsch und Adam Page.

U10 wird als Projekt der Neuen Gesellschaft für Bildende Kunst (NGBK) von der Senatskanzlei – Kulturelle Angelegenheiten / Kunst im Stadtraum finanziert. Unterstützt wird U10 von der BVG, der WALL AG und dem Berliner Fenster.

Katharina Heilein
web: www.sloapsolutions.com
mail: katharina@sloapsolutions.com
phone: 0049 (0)173 5872954



Autor der Serie:
Arnd Moritz, red, 13. August 2010, arnd.moritz[at]web.de
www.arnd.moritz.de


ID 00000004766

Weitere Infos siehe auch:
www.ngbk.de





 
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