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Ausstellung

Das Potsdamer Barberini bringt DDR-Kunst zur Wirkung



Cover des Ausstellungskataloges Hinter der Maske. Künstler in der DDR | (C) Prestel Verlag

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Wie reflektierten Künstler in der ehemaligen DDR die verordnete Kunstideologie? Die Antworten sind vielfältig und bilden die Basis für die Ausstellung Hinter der Maske im Potsdamer Museum Barberini. Rund 120 Werke von 84 Künstlern sind zu sehen, neben Malerlei auch Grafiken, Collagen, Fotografien und Skulpturen. Dabei handelt es sich, abgesehen von zehn Werken aus dem eigenen Bestand, um Leihgaben aus Museen, Galerien und Privatsammlungen.

Die beiden Kuratoren, Valerie Hortolani und Michael Philipp, nutzten die kleinräumige Galeriestruktur des Barberini, um Themenräume zu gestalten, was den Überblick erleichtert, zumal bei jedem Bild Informationstexte wichtige Hinweise zum Verständnis geben. Die dabei entstehenden Überschneidungen eröffnen weitere Fragestellungen, Vergleiche und Beziehungsfelder. Das Konzept überzeugt und wirkt ausgesprochen kurzweilig.

Die „Malerbilder“ zeigen Künstler, wie sie sich selbst in ihrer Rolle als Maler darstellen, welche Chiffren der Kritik sie entwickeln, darunter auch Wolfgang Mattheuers inzwischen schon viel zitierte Taube in Das graue Fenster als Ausdruck von Bespitzelung und Freiheit. Bernhard Heisig malt sich selbst inmitten seiner geistigen Inspirationen, die ein bewaffneter Soldat abzuwehren scheint. In den Spiegelungen erfolgt die künstlerische Reflexion als kubistische Fragmentierung, Collage oder in etwas abstrahierter Zeichenhaftigkeit. Die „Gemeinschaftsbilder“ hinterfragen, wie der solidarische Anspruch beispielsweise durch altmeisterliche Genrebilder oder antikisierende Nacktbilder unterlaufen wurde. Von Staats Seiten negierte man zwar abstrakte Kunst, die Abteilung „Formexperimente“ beweist das Gegenteil, auch wenn diese Richtung immer eine Randerscheinung blieb. Künstlerische „Erbansprüche“ kommen zum Vorschein. Studenten posieren vor alten Meistern (Evelyn Richter). Willi Sitte zeigt Parallelen zu Picasso, Dieter Weidenbach Weltenbild erinnert an die Malweise von Hieronymus Bosch. „Schaffensorte“ gewähren Einblick in die Ateliers als Bühne und Schutzraum. Erst dann findet man bei den „Maskenbildern“ Trak Wendisch herausragende, leicht zu verstehende Chiffre eines Seiltänzer. Als Titelbild der Ausstellung ein gelungener Blickfang in jeder Kunstzeitung und Ausstellungswerbung wird dieses Bild nicht gebührend positioniert. Dass auch das Christentum im atheistischen Staat thematisiert wurde, beweisen „Glaubensbilder“. Den Abschluss bilden die „Störbilder“ der 1970er und 1980er Jahre, in denen Künstler bereits zunehmend den Unmut über die sozialistische Realität äußerten.

Dass - als Gegenpol zu Hinter der Maske - gleichzeitig nach 20 Jahren zum ersten Mal 16 großformatige „Galeriebilder aus dem Palast der Republik“ ausgestellt werden, ist vortrefflich. Unter dem Motto „Dürfen Kommunisten träumen?“ rief die Politik seinerzeit zu einem Kunstwettbewerb auf, um den Palast der Republik mit staatlichen Repräsentationskunst auszustatten. Es sind bombastische, den architektonischen Ausmaßen angepasste Großformate, 280 cm hoch und bis zu 6 Meter breit im Stil des sozialistischen Realismus. Interessant ist, wie ähnlich die Visionen trotz der unterschiedlicher künstlerischen Handschriften sind. Immer wieder tauchen dieselben Motive auf, Familienidylle, der Drang hinaus in die Natur, nackte Badeszenen, schöne athletische Körper im Sinne der sozialistischen Doktrin, selbst bei der Arbeit. Soldaten, Krieg dagegen werden in das Reich der Dunkelheit verbannt. Und die Jugend versammelt sich rhythmisiert angeordnet zum pathetisch euphorischen Weltjugendlied (Lothar Zitzmann) der Zukunft, durch den Titel durchaus mit kritischer Komponente Bernhard Heisigs Ikarus.

*

Mit diesen beiden Ausstellungen verfolgt das Potsdamer Barberini konsequent seine Zielrichtung, die eigene Sammlung der DDR-Kunst zu erforschen und sie als wichtiges Kapitel der deutscher Kunst ins Bewusstsein zu bringen.

Michaela Schabel - 17. Dezember 2017
ID 10431
Weitere Infos siehe auch: http://www.museum-barberini.com


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