In memoriam
EVA
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Bewertung:
Vorgestern vor 12 Jahren hatte ich mich mit EVA & ADELE in ihrer Charlottenburger Wohnung verabredet, um mit ihnen ins Gespräch zu kommen. Ich blieb dort vielleicht zwei oder zweieinhalb Stunden, und das Ergebnis unseres Treffens war ein 60-seitiges Büchlein, das ich in der von mir herausgebenen Reihe "nachDRUCK" veröffentlichte: In und außerhalb der Zeitmaschine betitelte ich mein Interview mit den beiden, und damit war bereits markiert, worum es dem hochsympathischen Künstlerinnenpaar zeitlebens auch gegangen sein sollte, nämlich um diesen für uns alle so unsagbar mysteriösen Übergang von der einen in die andere Hemisphäre menschlichen Daseins; es handelte sich um ein Gedankenspiel des Paares, das die zwei großen Themen von Leben und Tod tangierte - - und jetzt (in der Gruppenausstellung everybody im Georg Kolbe Museum) lese ich auf dem Begleittäfelchen zu ihrer aus 14 Stühlen mit je 2 mal 7 übereinen Jäck'chen ihrer Eigenkollektionen bestehenden Installation (einige dieser Kostüme kannte nicht nur ich vom Sehen her; EVA & ADELE waren seit Jahrzehnten die vielleicht auffälligsten Premieren-Ehrengäste, die die drei Berliner Opernhäuser "anzubieten" hatten), dass EVA bereits 2025 starb und ihre gemeinsame Performance mit ADELE somit ein für allemal zu Ende war.
Ich wusste nichts (oder noch nichts) vom Tod der lebenslangen Partnerin und war aus diesem Grund doch ziemlich überrascht, als ich das las.
Aber es ist halt wie es ist: Leben und Tod.
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Mit Skulpturen und großformatigen Papierarbeiten reflektieren EVA & ADELE Identität als performatives und sich ständig wandelndes Gefüge... Ausstellungsansicht everybody, Georg Kolbe Museum, 2026; Foto: KE
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Näheres zu der von Eva da Silva Antunes Alves kuratierten Exposition:
everybody (heißt es in der Pressemeldung des Museums) sei...
"...ein Versuch, Körper neu zu denken und sie in Utopien zu imaginieren. Mit Arbeiten von Pauline Boudry / Renate Lorenz, EVA & ADELE, Carolyn Lazard, Monilola Olayemi Ilupeju, Janne Kummer, Luís Lázaro Matos und Lauryn Youden vereint die Ausstellung eigens entstandene Werke, sowie bestehende Arbeiten.
Die beteiligten Künstler*innen beschäftigen sich mit individuellen und gemeinschaftlichen Körperpolitiken. In Skulpturen, Installationen, Videoarbeiten, Malerei, Performance und partizipativen Arbeiten widmen sie sich Themen wie Intimität, Fürsorge, Begehren, Behinderung und Krankheit, Queerness, Technologie und kollektivem Widerstand.
Im historischen Atelierhaus des Künstlers Georg Kolbe gewinnt die Auseinandersetzung eine besondere Tiefenschärfe. Im Austausch mit den figürlichen Skulpturen der Klassischen Moderne nähern sich die in everybody ausgestellten Werke dem Körper abstrahierend, performativ, theoretisch und fantasievoll an.
Am Sonntag, dem 13. September wird die Ausstellung durch das gleichnamige Performance Festival im Rahmen der Berlin Art Week 2026 erweitert."
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Monilola Olayemi Ilupeju: Female Torsi (After Georg Kolbes "Großer Torsi", 1929) 2026 | Ausstellungsansicht everybody, Georg Kolbe Museum, 2026; Foto: KE
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So hat dann beispielsweise - exklusiv für diese Ausstellung [s. Foto oberhalb] - die nigerianisch-US-amerikanische Multimedia-Künstlerin und Autorin Monilola Olayemi Ilupeju eine Werkserie entwickelt, welche Skulpturen von Georg Kolbe als Oberfläche für ihre künstlerische Auseinandersetzung verstehen würde, indem sie ausrangierte Tierhäute über dessen Figuren spannte und so Skulpturen entwarf, die die bronzenen Körperbilder in fragile und verletzliche Figuren verwandelte. Derart vermeinte sie "Geschichten von Gewalt, Anpassung und Körperidealen" zu untersuchen.
Oder Pauline Boudry / Renate Lorenz: Das seit 20 Jahren zusammenarbeitende Berliner Künstlerinnen-Duo kreierte eine Filminstallation unter dem Titel All the Things She Said, und da sehen wir, wie die Aktivistin und Whistleblowerin Chelsea Manning eine DJ im queeren Berliner Club SchwuZ performt. (Kurz zur Erinnerung: Manning, die 1987 als Bradley Edward geboren wurde, war US-Nachrichtensoldat/in und wurde im Mai 2010 unter dem Verdacht verhaftet, Videos und Dokumente kopiert und der Website WikiLeaks zugespielt zu haben; daraufhin wurde sie zu 35 Jahren Haft verurteilt; Barak Obama begnadigte sie 2017, auch ließ sie 2013/14, also noch während ihrer Haft und einer dort erfolgten Transition, ihren Geschlechtseintrag amtlich ändern.)
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Pauline Boudry / Renate Lorenz: All The Things She Said, 2025 | Ausstellungsansicht everybody, Georg Kolbe Museum, 2026; Foto: KE
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Andre Sokolowski - 13. August 2026 ID 15985
Weitere Infos siehe auch: https://georg-kolbe-museum.de
https://www.andre-sokolowski.de
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