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Ausstellung

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Tisch


DALÍ, ERNST, MIRÓ, MAGRITTE...

in der Hamburger Kunsthalle


René Magritte, Reproduktion verboten | (C) VG Bild-Kunst, Bonn 2016

Bewertung:    



Kann man Surrealismus verstehen? Nein, man sollte es tunlichst lassen, denn es geht um aphrodisische Tiefen, um Regenschirm und Schatten, um nicht-euklidische Fliegen und weitere Absurditäten. Wir bekommen den magischen Spiegel vorgehalten, in dem wir nicht unser Gesicht sehen, sondern unsere Rückseite. Irgendwie ist es, als würde man sich selbst verfolgen. Und wenn man es dann zulässt, öffnen sich Türen ins Unbewusste, in den Traum und die Tiefen unseres Seins.

Wir sind aufgefordert mit dem inneren Auge zu sehen, und dort sind verwunschene Orte oder auch die unerträgliche Leere, das Nichts, subtile Transparenz, ein Lufthauch, den wir nicht sehen, aber spüren. Ganz offensichtlich wird hier viel mit anderen Energieebenen gespielt, mit Dingen, die wir nicht greifen, die aber wohl doch da sind.

Zu sehen gibt es Bilder und Objekte wie das Mae-West-Lippensofa (1938) von Salvador Dalí oder dessen Hummer Telefon, und allesamt kommen die oftmals kuriosen Werke einem wieder modern daher. Man entwarf Objekte für einen eigenen Lebensstil, feierte das Leben, die Natur, alles Menschliche und wollte immer wieder irritieren, um Blick und Denken zu schärfen.

Collagen-artig wird verbunden, was eigentlich nicht zusammengehört, nach dem Motto: Sachen gibt's, die gibt es gar nicht.

Beeindruckend natürlich das gigantische Paravent von Dali mit dem Seil springenden Mädchen. Der Schatten, den sie wirft, bekommt irgendwie ein Eigenleben. So ist es mit der ganzen Ausstellung - lässt man es zu, tritt man hier ein in das Seelenleben, in das, was eigentlich keine Form hat; und doch haben die Surrealisten immer wieder versucht, dem eine Gestalt zu geben. Deshalb kommt einem das oft kitschig vor, es hat aber eine subtile Tiefe, soll irritieren und zu der Zeit bisher gültige Kunstvorstellungen in Frage stellen.

Surrealismus, die prägende Kunstströmung des 20. Jahrhunderts, ist Begegnung pur mit dem Betrachter, und auch zwischen all diesen Werken vibriert es. Man war gegen Konventionen, gegen das nationalsozialistische Regime, änderte seine übernommenen Sehgewohnheiten und galt schnell als entartet. Viele Künstler mussten emigrieren.

Sammlungsschwerpunkt ist u.a. die Metamorphose - der unvorhergesehene Übergang in eine andere Gestalte wie etwa vom Mensch zum Tier. Dimensionen und phantastische Raumillusionen spielen mit Doppeldeutigkeit. Und was nehmen wir wahr? Nur das Äußere?

"Jedes Staubkörnchen hat eine wunderbare Seele. Aber um sie zu verstehen, muss man den religiösen und magischen Sinn der Dinge wieder finden." (Joan Miró, 1936)

So eine Ausstellung bleibt nicht ohne Folgen: Im Traum sehe ich Blau, viel Blau und daneben ein Brecheisen.

Es gibt ein Bild von Joan Miró mit einem blauen Farbklecks, dazu steht: "blue is the colour of my dreams".

All diesen Maler ist gemein: Sie suchen, sie zeigen kleine intime Einblicke, das Alltägliche und doch Rätselhafte im spannungsreichen Dialog. Alpträume und Verdrängtes bekommen hier ein Gesicht - wie auch das Thema Objekt der Begierde als treibende Kraft des Daseins.

Oder Mythen des Weiblichen, eine ambivalente Angelegenheit, sehen Männer bis dato die Frau als mystische Verbindung zu den Kräften der Natur, als das unbewusste Gegenstück zum vergeistigten Mann. Frauen, die sich seit den späten 1920er Jahren den Surrealisten anschließen, entwickeln ihren eigenen individuellen Stil. Sie spielen mit Identitäten und stellen klassische Rollen-Zuteilungen in Frage. Und nicht nur Selbstinszenierung bekommt Raum, es wird versucht, unbekannte Kräfte oder märchenhafte Sujets in spannungsvollen Gemälden darzustellen.

Der Bezug zu heute - es verschieben sich reale und virtuelle Welt. Bilderfluten im Internet ergeben Collagen in unserem Kopf - Doppelbilder erzeugen eine Schlacht im Gehirn, bringen unsere Wahrnehmung durcheinander. Surrealisten haben das auf phantastische und künstlerische Art vorweggenommen.

*

Sehen Sie an die 200 phantastische Exponate und eine Dichte von Meisterwerken! Treten Sie ein in eine entartete, kuriose, subversive und wahnbildende Welt! Vernunft hat hier nichts zu suchen!!

Da haben wir dann durch's Schlüsselloch geguckt, während die Zeit zerfließt.



Salvador Dali, Mae-West-Lippensofa, 1938 | (C) VG Bild-Kunst, Bonn 2016

Liane Kampeter - 7. Oktober 2016
ID 9608
Das Ausstellungsprojekt Dalí, Ernst, Miró, Magritte... ist eine Kooperation mit der Scottisch National Gallery of Modern Art, Edinburgh und dem Museum Boujmans Van Beuningen, Rotterdam. Besonderer Dank gilt den vier Sammlern - dem englischen Poeten Edward James (1907-1984), dem Kurator und Kritiker Roland Penrose (1900-1996), Gabrielle Keiller sowie dem bis heute sammelnden Berliner Ehepaar Ulla und Heiner Pietzsch.

Kuratorin ist Annabelle Glrgen-Lammers.

Zur Ausstellung ist ein reich bebilderter wissenschaftlich Katalog mit zahlreichen Essays erhältlich.

Für das Veranstaltungsprogramm informieren Sie sich auf der Website.


Weitere Infos siehe auch: http://www.hamburger-kunsthalle.de


Post an Liane Kampeter

http://www.liane-kampeter.de



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