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Ausstellung

Architekt der

Gaukler-Träume

Chagall. Love and Life


Bewertung:    



Marc Chagalls Faszination für den Zirkus, die nostalgische Verliebtheit zu seinem Geburtsort und eine Begeisterung für die Bibel sowie die außergewöhnlich romantische Verehrung und Liebe zu seiner Frau Bella, die er 1915 heiratete und die 1944 verstarb, waren seine Motoren und der Ansatzpunkt für diese Ausstellung: Chagall. Love and Life.

Diese kuriose Fusion ließ Chagall seine singenden, magisch-surrealen und persönlichen Bilder malen, die aus einem Roman von Gabriel Garcia Márquez entsprungen sein könnten. Chagalls fliegende Bauern heißen zwar nicht Aureliano Buendía und sind keine schillernden Diktatoren oder Politiker in Macondo, aber so stellen wir uns sie vor, wenn sie musizierend an der Seite von Kühen und mysteriösen, dunkelhaarigen Frauen durch die Lüfte gleiten. Gogols Tote Seelen oder die Fabeln La Fontaine's, die Illustration der Bibel oder die Aufträge des Pariser Galeristen Vollard - all das rundete den jahrzehntelang anhaltenden Erfolg von Chagall ab. Ein malender, naiver, harmoniesüchtiger Maler-Poet, ein mythisch-religiöser Eigenbrödler, der mehrmals in seinem Leben alles verloren hatte; das war er.

„Ich bin ein Mystiker. Ich gehe nicht in die Kirche oder die Synagoge. Ich bete, in dem ich arbeite.“ (Marc Chagall)

140 Exponate, darunter Gemälde, Zeichnungen und Drucke aus dem Israel Museum Jerusalem, werden - z.T. erstmals überhaupt - in Rom gezeigt. Mittelpunkt ist fast immer seine Frau und ewige Muse: Bella Rosenfeld. Einmal steht sie in seinen Autoportraits an seiner Seite bzw. fliegt mit ihm wie „Im Spaziergang“, oder er illustriert ihre drei Bücher. Sie ist immer um ihn und verwöhnt und versorgt ihn.

*

Ein Großteil der Schau sind grafische Werke, die seine persönlichen Erfahrungen und Erlebnisse seiner Jugend in Witebsk, seine Reisen und Traumata, seine Auseinandersetzung mit ihm als Künstler und dem Holocaust und immer wieder mit der (jüdischen) Religion beleuchten. Die zentralen Themen in seinem Leben laufen hier vorbei. Biblische, hebräische, orthodoxe, religiöse, pagane, biblische und allegorische Geschichten, Hoffnung, Glaube, Flucht und Feste, wie im Gemälde Liebende oder Die Liebenden (1949) zu sehen ist. Letzteres ziert auch das Ausstellungsplakat.

Die Auseinandersetzung mit dem Holocaust nimmt natürlich auch eine wichtige Rolle in seinen Bildern ein. Er hat es auf den Gekreuzigten übertragen. Die Gouache auf Papier, die 1944 in New York entstand (The Crucified) zeigt ein russisches Dorf; nicht identifizierte Tote liegen da, ein Mann sitzt auf dem Dach und beobachtet die mit Schnee bedeckte Straße, die – wie Wegweiser fast – von Gekreuzigten eingesäumt ist.

Weißrussische Zirkusfolklore oder schwerterschluckende Männer, die eine bunt-scheckige fliegende Kuh an der Hand halten, während sie durchs Feuer gehen, beeinflussten ihn in gleicher Weise wie seine Paris-Aufenthalte. Fast 100 Jahre hatte Chagall gelebt, war Zeuge des Beginns der Industrialisierung sowie des Verlusts der Illusion in der Romantik; und Impressionismus, Fauvismus, Suprematismus, Kubismus, Orphismus, Realismus (magischer), Surrealismus sind unweigerlich kurzfristig in seine Bilder eingeflossen und dann wieder verschwunden. Den Tendenzen der Avantgarde ist er immer wieder entwischt. Aber (falls wir's nicht eh' schon wussten): Chagall machte Chagallismus!

* *

Ansonsten erscheint die Ausstellung ein wenig mickrig, und ich hätte mir mehr erwartet. Außerdem sind - wahrscheinlich um sie zu schützen - ein Großteil der Zeichnungen, Illustrationen oder Radierungen leider in sehr schlecht beleuchteten und dunklen Ausstellungsräumen und Glaskästen so untergebracht, dass man beim Sich-Annähern immer den eigenen Schatten vor Augen hat. Das ist sehr schade. Als Entschädigung dafür darf man sich dann am Schluss der Ausstellung in das Gemälde Der Spaziergang hineinprojizieren...



Bildquelle: chiostrodelbramante.it

Christa Blenk - 24. Mai 2015
ID 8663
Kuratiert wurde die Ausstellung Chagall. Love and Life von Ronit Sorek; sie ist noch bis zum 26. Juli 2015 im Chiostro del Bramante zu sehen.

Weitere Infos siehe auch: http://chiostrodelbramante.it/info/marc_chagall_love_and_life/


Post an Christa Blenk

eborja.unblog.fr



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