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Ausstellung

Poesie

und Eisen

Carl Andre:
Sculpture as Place,
1958-2010

(im Hamburger Bahnhof Berlin)


Carl Andre beim Ausstellungsaufbau in Beacon, New York. Photo: Bill Jacobson Studio, New York

Bewertung:    



Einen passenderen Ort als die Rieckhallen gibt es auf der Welt nicht! So wie es auch noch nie eine umfassendere und komplettere Ausstellung dieses Künstlers in Europa zu sehen gab. Und nicht nur Bodenplatten und Holzkonstruktionen stehen und liegen da, Fotos, Gedichte, ja sogar mit seinen Assemblagen „Dada Forgeries“ darf man sich auseinandersetzen.

Diese ehemaligen Lager- und Speditionshallen, die auf der linken Seite des Hamburger Bahnhofs liegen, sind an sich schon eine umwerfende Installation, und die Großzügigkeit der Räume lässt ganz wunderbar Carl Andres Werke in all ihren Dimensionen wirken und atmen. Die Bodeninstallationen kann man betreten, das ist also erlaubt, ja sogar erwünscht (allerdings nicht mit nassen Schuhen).

Die Ausstellung beginnt in der historischen Halle. Dort steht eine 1995 entstandene und zehn Meter große Arbeit 6-Metal Fugue. Andre hat diese 1296 Quadrate aus verschiedenen Metallen dem Chemiker Dimitir Mendelejew gewidmet. „Das Periodensystem der Elemente ist für mich das, was für den Maler das Farbspektrum ist“, beschreibt Andre seine Installation. Er selber sieht sich als Turner der Moderne, und wenn man um die Skulptur flaniert und die Augen leicht zukneift, kann man dem nur zustimmen... Ebenso in der Eingangshalle: das Werk Zeitlos 5-7, welches 1988 (eben für diese Halle) anlässlich der Ausstellung Zeitlos Kunst von heute im Hamburger Bahnhof entstand.

Dann geht es in die Rieckhallen, wo die Ausstellung richtig beginnt und auch Andres frühere Arbeiten zu sehen sind. Man muss sich und seinen Werken schon etwas Zeit gönnen. Bedächtig und gemächlich, vielleicht sogar zögernd, muss man sich an die Werke heranarbeiten oder auf ihnen hinweg schreiten, dann begreift man die Magie und den Zauber des Einfachen, des unfertig Scheinenden, des Kruden. Die Anordnung seiner Plastiken hat er persönlich überwacht oder überwachen lassen. Da geht es um Millimeter, und immer findet man die Verbindung von einem Block zum anderen und versteht, warum er gerade so und nicht anders liegen muss.

Im Vergleich zu seinen Großwerken muss erst der Zugang zu den Gedichten oder zu Geschriebenem gefunden sein. Die Worte sind ein weiteres seiner Werkzeuge, um etwas zu schaffen. Von 1960 bis 1965 dauerte seine intensive und sehr produktive dichterische Phase. Das Obsessionelle gewinnt aber auch hier wieder die Oberhand. Es gibt immer ein System, und es geht immer nach Pattern.


„My work doesn’t mean anything, it’s just the presentation of materials in den clearest form I can make it.“ (Carl Andre, 2013).


Passport ist ein Skizzenbuch, in dem er von ihm benutzte Materialien oder Meisterwerke der Kunstgeschichte festgehalten hat, wie das Goya, Frank Stella oder Brancusi taten.

Ein langer Spaziergang ist es, der den Besucher von einen Raum in den anderen führt. Filme sind zu sehen, zwischendurch immer wieder Gedichte oder kleinere Arbeiten, Gefundenes oder Gekauftes, Dada Manches, minimal das Meiste.

Wenn einer unseren Blick oder unseren Umgang mit der Skulptur und den ausgewählten Materialien des 20. Jahrhundert geformt, geschärft und verändert hat, dann der 1935 in Massachusetts/USA geborene Carl Andre.

*

Wenn man für den Rückweg den "gefühlt" 300 Meter langen Gang benutzt, dann fällt der Blick unvermeidlich auf einen freien Platz zu unserer Linken. Ein Carl Andre'scher Work in progress? Nein, nur eine weitere Berliner Baustelle mit Materialien, Containern, Schutt und großen Baumaschinen. Eine schlampige und unordentliche Fortsetzung von Andres gerade Gesehenem. Hier fehlt die Kontrolle, die Reflexion, aber schließlich handelt es sich ja auch nur um eine Baustelle. Vielleicht hat er diese Hallen (die früher Bindeglied bzw Verladeplatz zwischen Spedition und Eisenbahnschienen waren) ausgesucht, weil sie ihn an seine Jugend erinnern, als er selber als Schienenleger arbeitete?

Wie auch immer: Verpassen sollte man die Ausstellung [die leider nur noch bis zum 18. September dauert] keinesfalls!




Carl Andre: Sculpture as Place, 1958-2010 im Hamburger Bahnhof Berlin | Foto (C) Christa Blenk

Christa Blenk - 10. September 2016
ID 9537
Weitere Infos siehe auch: http://www.smb.museum/museen-und-einrichtungen/hamburger-bahnhof/


Post an Christa Blenk

eborja.unblog.fr



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