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Ausstellung

Botero's

Kreuzweg

von Jesus



Bewertung:    



Pünktlich zur Osterwoche ist in Rom Fernando Botero's Via Crucis – Der Kreuzweg von Jesu angekommen. Ein Gemälde-Zyklus, bestehend aus 27 Ölgemälden und 34 Zeichnungen sowie Aquarellen, der in den Jahren 2010/2011 entstand.



Botero's Via Crucis: Jesús y la multitud, (Jesus im Volk) 2010 Cristo e la moltitudine Jesus and the Crowd Olio su tela / Oil on canvas -106 x 81 cm - Medellín, Museo de Antioquia


Intensive und kräftige Impressionen, Pathos und Emotion, Wahrheit und Lüge, Grausamkeit und stille Leidensfähigkeit treffen hier wie ein bunter Donnerschlag aufeinander. Sein Jesu sieht aus wie ein Sumo-Kämpfer und hängt schwer am Kreuz, Maria in Blau hält ihn, und dann wirkt er plötzlich klein und schutzbedürftig. Das Bild Der Judaskuss [s.u.] manifestiert eine leere unbeteiligte Verlogenheit, und das Gemälde Jesus im Volk [s. o.] ist auch das Ausstellungsplakat und klebt nun an allen Bussen; es zeigt einen dornengekrönten, fast abgemagerten und seltsam muskulösen Jesus, umringt von grimmig dreinschauenden Menschen verschiedener Couleur. Einige tragen 60er Jahre Mercedes-Benz-Sonntagsfahrer-Hüte und haben dunkelrote (Bier-)Gesichter; andere wiederum ziert ein Diktatorschnurbart. Niemand schaut ihm in die Augen. Das Bild ist leidenschaftlicher, lebendiger und hat etwas Manieristisches - im Vergleich zu den anderen, kälteren. Otto Dix hätte dieses Gemälde auch malen können.

In der New Yorker Marlborough Galerie wurde dieser Gemäldezyklus zum ersten Mal 2012 ausgestellt, obwohl für Botero New York ein laizistisches Finanzmekka ist. Damit diese Serie da auch besser hinpasst, hat er eines der wichtigsten Gemälde (Jesu Christ am Kreuz) in den Central Park verlegt. Hier hängt nun dieser grüne Hulk, mit dem Empire State im Hintergrund.

Verkauft wurde die Serie nicht, und Botero hat sie anlässlich der Feierlichkeiten zu seinem 80. Geburtstag seiner Heimatstadt Medellín geschenkt.



Botero's Via Crucis: El beso de Judas (Judaskuss), 2010 Il bacio di Giuda / The Kiss of Judas - Olio su tela / Oil on canvas 138 x 159 cm - Medellín, Museo de Antioquia


*

Wie kam Botero dazu, eine dermaßen religiöse Thematik aufzunehmen?

Ganz einfach, er hat sich in der Kunstgeschichte umgesehen und festgestellt, dass sich im 20. Jahrhundert nur wenige (außer Picasso) mit religiösen Themen beschäftigten, und schon hatte er eine Lücke gefunden - wie damals, Mitte der 50er Jahre, als er beschloss, seinen Körpern eine eigene Ästhetik zu geben, eine unförmig-birnenhafte mit meist zu kleinen Köpfen. Boteros Personen sind eine Mischung aus präkolumbianischer Keramik und das Ergebnis einer Mandolinen-Skizze. Damals war er noch in der Stiefkampfschule. Die immer wieder veränderten Proportionen haben ihn auf die Idee gebracht, seine Gestalten aufzublasen. 50 Jahre lang und an allen Malstilen vorbei ist er dieser seiner Vorstellung von Kunst treu geblieben. Die alten Meister liebt und verehrt er und kennt sie in- und auswendig. Sein Leben lang hat er sie studiert und studiert sie immer noch; davon sprechen seine unzähligen Referenzen quer durch die Malerei (siehe Mona Lisa). Beim zweiten Blick, wenn man sich von der ungewöhnlichen Ästhetik erst einmal erholt hat, sieht man das. Eine eternelle Paraphrasierung von den Flamen bis zur französischen Klassik in das 20. Jahrhundert. Karikatur oder Neuerfindung, politisch oder polemisch? Die bunte Welt der Karibik, die Sonne, die fleischfressenden Pflanzen und grellen Vögel haben ebenso ihren Weg in sein Werk gefunden. Ab den 1970er Jahren haben auch seine disproportional-voluminösen Skulpturen diese Form angenomen, und er hat viel Erfolg damit gehabt. Degenerierte Kolonialbourgeoisie und naive Bilderbuchmalerei. Es gibt vielzählige Interpretationen seiner Kunst, und alle treffen zu.

1932 ist Fernando Botero in eher bescheidenen Verhältnissen in den kolumbianischen Anden geboren. Schon als Jugendlicher verdiente er sich Geld als Illustrator und nahm mit 16 Jahren zum ersten Mal an einer Ausstellung teil. 1951 ging er nach Bogota und kurz darauf nach Europa.

Und auch wenn man Botero nicht mag, kommt man doch nicht darum herum, ihm gewissen Respekt zu zollen für diese Konsequenz, die enorme Kenntnis der Kunstgeschichte und die mutige Darstellung seiner rosa-himmelblauen Welt, die so unkritisch gar nicht ist, wie eine kontroverse Serie 2006 gezeigt hat.



Botero's Via Crucis: Madre afligida, 2010 Madre afflitta / Sorrowful Mother Olio su tela / Oil on canvas 71 x 58 cm; Medellín, Museo de Antioquia

Christa Blenk - 17. Februar 2016
ID 9146
Vor Rom war die Ausstellung in Lissabon und in Palermo, im Normannenpalast, zu sehen. In Rom bleibt sie bis zum 1. Mai 2016.

Weitere Infos siehe auch: http://www.palazzoesposizioni.it/Home.aspx


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eborja.unblog.fr



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