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Ausstellung

Yayoi Kusama

Eine Retrospektive wird zum Abschied


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Amsterdam, 1965. Im STEDELIJK Museum steht ein Ruderboot, überzogen von unzähligen weißen, phallischen Auswüchsen. Auf seinem Boden liegen zwei weiße Pumps, an den Wänden wiederholt sich dasselbe Boot als Tapete hundertfach. Die junge japanische Künstlerin Yayoi Kusama zeigt die Installation Aggregation: One Thousand Boats Show in der Ausstellung Nul 1965 und schenkt sie dem Museum anschließend.

Gut sechs Jahrzehnte später kehrt ihr Werk in ganzer Breite an diesen Ort zurück. Die Künstlerin selbst erlebt es nicht mehr. Kusama starb am 14. August 2026 mit 97 Jahren in einem Krankenhaus in Tokio. Knapp vier Wochen danach, am 11. September, eröffnete das STEDELIJK die Retrospektive, an der sie bis zuletzt beteiligt war. Zu sehen ist sie noch bis zum 17. Januar 2027.



Yayoi Kusama, Aggregation: One Thousand Boats Show, 1963. Rowboat and oars covered by plaster castings in white cotton, a pair of women’s shoes, and black-and white posters; boat. Collection Stedelijk Museum Amsterdam, gift of the artist. © YAYOI KUSAMA



Eine Schau, die die Künstlerin noch selbst geprägt hat

Amsterdam ist die dritte und letzte Station einer Tour, die im Oktober 2025 in der Fondation Beyeler bei Basel begann und von März bis August 2026 im Museum Ludwig in Köln zu sehen war. Die Vorbereitungen mit Kusamas Studio liefen nach Angaben der Kuratorin Leontine Coelewij rund vier Jahre. Kusama gab das Konzept frei und brachte eigene Ideen zur Auswahl und Anordnung der Werke ein. Nach ihrem Tod hat das Museum daran nichts verändert.

Entstanden ist eine der umfangreichsten Werkschauen in der Geschichte des Hauses. Direktor Rein Wolfs sagt, das STEDELIJK habe noch nie so viel Fläche für eine einzelne Künstlerin bereitgestellt. Mehr als 300 Arbeiten sind zu sehen, rund 50 davon wurden nie zuvor ausgestellt. Viele Leihgaben stammen aus japanischen Museen, unter anderem aus Tokio und aus Kusamas Geburtsstadt Matsumoto. Coelewij beschreibt die Ausstellung inzwischen als Schlusspunkt einer 70 Jahre langen Laufbahn.


Sieben Jahrzehnte zwischen Netz und Spiegel

Kusama kam am 22. März 1929 in Matsumoto zur Welt. Schon als Kind sah sie Halluzinationen, Muster und Punkte, die sich über ihr Blickfeld legten. Das Zeichnen half ihr, mit diesen Bildern umzugehen, und die Punkte wurden später zu ihrem Markenzeichen. Ende der 1950er Jahre ging sie nach New York, wo sie zu einer prägenden Figur der Avantgarde wurde. International bekannt machte sie 1966 die Installation Narcissus Garden auf der Biennale in Venedig. 1973 kehrte sie nach Japan zurück.

Die Ausstellung folgt diesem Weg durch alle Medien, die Kusama genutzt hat. Malerei und Skulptur stehen neben Zeichnungen, Collagen, Mode und Dokumenten ihrer Happenings. Auch die begehbaren Infinity Mirror Rooms gehören dazu, in denen Lichtpunkte und Spiegel einen scheinbar endlosen Raum erzeugen. Wer sich vor dem Besuch in Kusamas Biografie einlesen möchte, findet beim Kunst- und Kulturmagazin Curatoro ein ausführliches Porträt samt Überblick über weitere Ausstellungen von Yayoi Kusama.


Wo sich ein Kreis schließt

Dass die Tour gerade in Amsterdam endet, hat eine eigene Logik. In den 1960er Jahren stellte Kusama regelmäßig mit Künstler:innen der niederländischen Nul-Bewegung und der ZERO-Gruppe aus. Diese Szene suchte nach dem Krieg einen Neuanfang durch Reduktion und eine Erneuerung der künstlerischen Mittel, und Kusamas Netze und Punkte fanden dort früh Resonanz. Auf Einladung des Künstlers und Kurators Henk Peeters zeigte sie 1962 und 1965 Arbeiten im STEDELIJK.

Die Boot-Installation von 1963 war ihre erste raumgreifende Arbeit in New York. Die phallischen Formen verarbeiten eine Angst vor Sexualität, die auf Erlebnisse ihrer Kindheit zurückgeht. Heute gehört das Werk zur Sammlung des STEDELIJK. Was 1965 eine Arbeit unter vielen in einer Gruppenausstellung war, ist nun Teil einer Erzählung über mehr als sieben Jahrzehnte.

Kusama hat diese Schau nicht mehr gesehen. Gebaut ist sie trotzdem nach ihren Vorstellungen, und das macht sie zu einem Abschied, den sie selbst mitgeschrieben hat.


Hinweise für den Besuch

Für die Ausstellung gilt eine Zeitfensterbuchung über die Website des Museums. Ein reguläres Ticket kostet 32,50 Euro, die Infinity Mirror Rooms sind im Preis enthalten. An den Spiegelräumen ist allerdings mit Wartezeiten zu rechnen. Geöffnet ist täglich von 10 bis 18 Uhr. Wer die Retrospektive bis zum 17. Januar noch sehen will, sollte früh buchen, vor allem für Wochenenden und die Weihnachtsferien.




Yayoi Kusama with Yellow Tree / Living Room at the Aichi Triennale, 2010 © YAYOI KUSAMA. Courtesy of Ota Fine Arts and David Zwirner


Yeşim von der Lage - 29. Oktober 2026
ID 16117
Weitere Infos siehe auch: https://www.stedelijk.nl


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