Odyssee des
Vergessens
Installation von Anne & Patrick Poirier
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Bewertung:
Bis zum 30. August 2026 ist im MUSÉE D'ARTS DE NANTES noch eine Schau des Künstlerpaares Anne & Patrick Poirier zu sehen. Das Museum setzt damit ihre Reihe von zeitgenössischen Ausstellungen fort.
Die Hauptinstallation, The City of Shadows, besteht aus weißen Keramikkonstruktionen, die in einer Labyrinth-Landschaft stehen. Sie sehen wie Menschen oder Schachspielfiguren aus, und man denkt an Dolmen und mythische Steinreihen. Die Anordnung dieser Figuren soll an ein Gehirn erinnern, an das, was wir in vielen Jahrtausenden angesammelt haben, und wurde für diesen Ort konzipiert. Ergänzend haben die beiden Künstler ältere Arbeiten hinzugefügt. Die Schau wird an zwei Orten im Musem gezeigt. Einmal im großen, quadratischen Innenhof im Museum, der von allen vier Seiten von Arkaden umgeben ist und dann in der Kapelle des Oratoriums. Neonlicht liegt auf der weißen Schattenstadt. Die neue Komposition Scissura von Eric Tanguy (gespielt von Julia Pusker), die alle zehn Minuten gespielt wird, versetzt die Installation in einen Schwebezustand, in dem Trümmer und Träume aufeinanderprallen. Die Fortsetzung der Schau in der Kapelle des Oratoriums hingegen liegt im Dunkeln, die Werke sind schwarz. Man muss weit gehen, die Etage wechseln und ein wenig suchen bis man dort ankommt. Hier gibt es ebenfalls Musik, die nie aufhört und die Dunkelheit intensiviert. Die Themen sind wie so oft bei Anne und Patrick Poirier: Zivilisation, Untergang, Tod, Vergessen: Geschichte.
Beide Künstler sind 1942 geboren; Anne in Marseille und Patrick in Nantes. Kriegskinder, die seit über 50 Jahren gemeinsam Projekte entwickeln, die von der Zerbrechlichkeit der Zivilisationen handeln und davon geprägt sind.
Begonnen hat alles Ende der 1960er Jahren in Rom - einen besseren Ort für den Untergang der Zivilisation und der Imperien gab es bis jetzt nicht. Ansonsten sind die beiden viel herumgekommen und haben nicht nur die Antike studiert.
Ihr Werk besteht aus Zeichnungen, Gebäuden, Gemälden und Installationen aus Holz, Glas, Erde. Anne & Patrick Poirier haben ihre besondere, fragile Ästhetik entwickelt und fortgeführt. Es geht um Verschwinden und Auferstehung, um eine "Odyssee des Vergessens" [Originaltitel der Ausstellung: Odyssée de l´oubli].
Anne & Patrick Poirier (beide 84 Jahre) haben in Paris studiert und von 1969 bis 1971 als Stipendiaten der Académie de France in der Villa Medici in Rom gelebt. Zentrales Thema ihrer Arbeit waren Kindheitserfahrungen im Krieg und in der Zeit danach. Sie selber sehen ihre Kunst als Archäologie an, eine Archäologie, die in die Zukunft mündet. Erinnerung und Vorausschau sind wichtige Begriffe, die man beim Betrachter der Arbeiten vor sich sehen sollte. Ohne Erinnerung gibt es keine Schöpfung oder Wiedergeburt.
Das Künstlerpaar hat dreimal an der Biennale Venedig (1976, 1980, 1984) teilgenommen und war 1977 auf der documenta 6 in Kassel vertreten. Im Berliner Ortsteil Halensee steht sein Gorge- oder Medusabrunnen. Im Münchner Stadtteil Schwabing findet man das Installationskunstwerk Oculus historiae, oculus memoriae, oculus oblivionis.
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Odyssée de l´oubli von Anne & Patrick Poirier (im Musée d´arts de Nantes) | Foto: Christa Blenk
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Christa Blenk - 26. August 2026 ID 16004
https://museedartsdenantes.nantesmetropole.fr
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