Nachbildwirkung
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Bewertung:
Im ersten Obergeschoss im Berliner GROPIUS BAU gibt es aktuell eine Ausstellung mit Foto- und Installationsarbeiten von Peter Hujar († 1987) und Liz Deschenes (*1966) zu besichtigen. Die Schau heißt Persistence of Vision, und die Fenster in den Räumen, in denen die Werke der beiden US-amerikanischen Künstler angeordnet wurden, sind mit dunklen Vorhängen verhangen...
Ich (als eingestandener Kunstlaie) kenne die zwei Ausgestellten leider nicht - nichtsdestotrotz war ich freilich neugierig darauf, ob mich all das Gezeigte "ansprechen" oder halt für mich unerreichbar zurücklassen würde.
Hier die auf der HP zur Ausstellung nachlesbaren Kurzviten der beiden Künstler:
"Peter Hujar (1934–1987) wuchs bei seinen ukrainischen Großeltern in einer ländlich geprägten Gemeinde von New Jersey auf. Als Kind begann er, mit der Kamera seiner Mutter die Tiere und das Farmleben rund um das Haus seiner Familie zu dokumentieren. Im Alter von zwölf Jahren zog er nach New York City zu seiner Mutter und seinem Stiefvater.
In der High School erkannte eine Englischlehrerin sein Potenzial und ermutigte ihn, sich intensiver mit der Fotografie auseinanderzusetzen. Nach seinem Schulabschluss arbeitete Hujar zunächst als Assistent für kommerzielle Fotograf*innen und nutzte ihre professionellen Dunkelkammern, um seine eigenen Abzüge zu entwickeln. Im Rahmen eines Fulbright-Stipendiums ging er 1962 nach Italien, um Film zu studieren und ausgiebig zu reisen. Ein Besuch in den Katakomben von Palermo mit seinem damaligen Partner Paul Thek hinterließ bei ihm tiefen Eindruck und weckte sein lebenslanges Interesse am Thema Sterblichkeit. Zurück in New York City war Hujar Teil der Szene im East Village, die aus Künstler*innen, Schriftsteller*innen und Performer*innen bestand. Er porträtierte legendäre Persönlichkeiten wie Candy Darling, William S. Burroughs und Susan Sontag. Eine Meisterklasse bei dem Fotografen Richard Avedon im Jahr 1967 markierte für Hujar einen Wendepunkt: Er gab die kommerzielle Fotografie auf und widmete sich ganz der künstlerischen Arbeit. Er fotografierte Szenen aus dem avantgardistischen und queeren Leben in der Zeit zwischen dem Stonewall-Aufstand 1969 und der AIDS-Krise der 1980er Jahre. Seine Fotografien dokumentieren die Bemühungen der Community, Räume des Widerstands zu schaffen.
Hujar war bekannt für seinen kompromisslosen Charakter und seine unbeirrbare Konsequenz hinsichtlich der Präsentation seiner Werke. Zu Lebzeiten gelang ihm nie der Durchbruch in der etablierten Kunstszene. Erst nach seinem Tod an den Folgen einer AIDS-bedingten Erkrankung fanden seine fotografischen Arbeiten breitere Anerkennung und Bewunderung."
Und...
"Liz Deschenes wurde 1966 in Boston geboren und lebt und arbeitet in New York. Sie hat einen Bachelor of Fine Arts der Rhode Island School of Design mit einem Schwerpunkt auf Fotografie. Derzeit lehrt sie an verschiedenen Hochschulen in New York City, wobei ihr Fokus auf interdisziplinärer künstlerischer Forschung liegt.
Deschenes beschäftigt sich mit den grundlegenden Aspekten der Fotografie – Licht, Chemie und Zeit – und experimentiert mit neuen Drucktechnologien und Trägermaterialien.
Sie arbeitet häufig mit Glas, das sie bedruckt oder in skulpturalen Arbeiten verwendet, die keine fotografischen Elemente enthalten. Deschenes‘ Werk erkundet die Möglichkeiten dessen, was Fotografie sein kann und stellt die engen Grenzen des Mediums immer wieder in Frage.
Die unverwechselbare Bildsprache der Künstlerin widersetzt sich festgelegten Bedeutungen und betont die der Fotografie innewohnende Fluidität. Viele ihrer Arbeiten erinnern an architektonische Strukturen und interpretieren die Räume, in denen sie sich befinden, neu. Ihre Skulpturen loten das Verhältnis von Kunst zu Architektur aus, thematisieren die Bewegung der Betrachtenden durch den Raum und machen sie sichtbar.
Durch räumliche Anordnungen, die sich je nach Blickwinkel und Position der Betrachtenden verändern, befasst sich Deschenes' Arbeit auf poetische Weise mit den Voraussetzungen von Wahrnehmung: Anhand welcher Mittel – körperlicher und technologischer Art – erleben wir die Welt?"
(Quelle: berliner-festspiele.de)
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Liz Deschenes, FPS (60); 2018 - in der Ausstellung Persistence of Vision im Berliner Gropius Bau | Foto: KE
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Peter Hujar, Self-Portrait (Lying Down); 1975 - in der Ausstellung Persistence of Vision im Berliner Gropius Bau | Foto: KE
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Liz Deschenes, Untitled (Claude Glass); 2023/2025 - in der Ausstellung Persistence of Vision im Berliner Gropius Bau | Foto: KE
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Zugegeben: Wenn man so eine Ausstellung im Schnelldurchlauf, wie ich das unbotmäßigerweise tat, abgeht, bleibt an gewonnenen Eindrücken nicht besonders viel haften; ich hatte allerdings auch einigen Zeitdruck, weil ich familiär bedingt (Umsorgung einer Verwandten) möglichst rasch wieder zuhause sein wollte oder musste; also:
Von Hujar gab es jede Menge Schwarzweißfotos zu entdecken, auf denen schöne Gesichter und Posen von Männern jeglichen Alters zu sehen waren; das hatte mich dann am innigsten berührt; auch hatte mir das Plakatmotiv mit dem von Hujar fotografierten amerikanischen Künstler David Wojnarowicz (1954-1992) gut gefallen, weswegen ich es mir auch gleich im Museumsshop kaufte... Insgesamt zeigt der GROPIUS BAU eine Auswahl von 120 Fotografien, und der Aussteller bemerkt hierzu:
"Sie bietet einen detaillierten Einblick in alle Phasen seines Schaffens, von den frühen fotografischen Experimenten der 1950er Jahre bis hin zu seinen späten Studioarbeiten, die vor seinem Tod an den Folgen einer AIDS-bedingten Erkrankung im Jahr 1987 entstanden sind."
Bei den ausgestellten Arbeiten von Deschenes blieben mir ihre Installationen vage in Erinnerung. Ihre Werke...
"...verleihen der Ausstellung einen dramaturgischen Rhythmus; sie sind auf Bewegung, Licht und die Präsenz von Körpern im Raum abgestimmt. In der Gegenüberstellung mit Hujars intimen Porträts von Freund*innen und Weggefährt*innen laden sie dazu ein, innezuhalten und sich intensiver mit dem Akt des Sehens und Betrachtens auseinanderzusetzen." (Quelle: berliner-festspiele.de)
Da waren unter anderem so Sachen aus Glas, und wenn man davor stand, konnte man sich in ihnen nebulös und dunkel widerspiegeln.
Interessante Schau.
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Andre Sokolowski - 22. März 2026 ID 15760
https://www.berlinerfestspiele.de/gropius-bau
https://www.andre-sokolowski.de
eborja.unblog.fr
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