Klassisch
gehängt,
multimedial
ergänzt
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Bewertung:
Mitte oder Ende der 1990er, als die Arbeitsagenturen (heute heißen sie Jobcenter) zur Senkung unverhältnismäßig hoher Arbeitslosenzahlen in Ostdeutschland noch auf sog. ABM ("Arbeitsbeschaffungsmßnahmen") zurückgreifen konnten, war ich zwischenzeitlich Nutznießer einer solchen und wurde diesbezüglich in die KUNSTSAMMLUNG GERA vermittelt. Dort war ich zunächst für die Digitalisierung von Archivbeständen mit zuständig, um später dann beim Auf- und Abbau von Sonderausstellungen mit Hand anzulegen oder, als letzte Station (bevor diese Stelle abgelaufen war), im Otto-Dix-Haus - neben der Orangerie die kleinere der beiden Ausstellungsstätten der KUNSTSAMMLUNG GERA - als Museumsbibliothek mitzutun. Diese anderthalb oder zwei Jahre (weiß nicht mehr so genau, um wieviel Monate die ABM verlängert wurde) möchte ich im Nachhinein nicht missen: Die Hierarchien waren niedrig, die Kollegenschaft menschlich sehr angenehm, ja und die Arbeiten, die ich mir schließlich sogar selbst aussuchen konnte, machten Sinn und Freude...
Direktorin war damals Ulrike Rüdiger, und sie galt zu dieser Zeit bereits als international anerkannte Otto-Dix-Spezialistin. Seit ihrer Heirat heißt sie Ulrike Lorenz und ist - nach weiteren leitenden Positionen in Gera, Regensburg und Mannheim - seit 2019 Präsidentin der Klassik Stiftung Weimar.
Sie wurde von der Stadt Gera als Kuratorin der aktuellen Dauerausstellung OTTO DIX. Trau deinen Augen, die Anfang Oktober 2024 in beiden Flügeln der Orangerie im Geraer Küchengarten eröffnet wurde, bestellt und konnte hier auf ihren reichhaltigen Erfahrungs- und Wissensschatz in puncto Otto Dix zurückgreifen.
In der durch die Dresdner Kreativagentur Whitebox gestalteten Ausstellung sind...
"...50 Gemälde und 35 Aquarelle und Zeichnungen aus allen Schaffensphasen zu sehen. Ergänzt wird die Präsentation der Originalwerke durch interaktive Medienstationen und einen Multimediaraum.
Gera kann dank der eigenen, in den 1990er Jahren eminent erweiterten Dix-Sammlung – jetzt komplettiert durch umfangreiche Dauerleihgaben der Otto Dix Stiftung Vaduz und der Sammlung Niescher – einen großen Bogen von den ersten Landschaftsgemälden des 15-jährigen Dekorationsmalerlehrlings über das einzigartige Konvolut der gezeichneten Feldpostkarten aus dem Ersten Weltkrieg bis hin zu den zeitkritischen Allegorien des altmeisterlichen Jahrzehnts nach 1933 und des expressiven Spätwerks nach 1945 spannen.
Die Wandlungen des epochemachenden Superrealismus von Dix in der Weimarer Republik werden mittels einer immersiven Multimediainstallation auf 80 Quadratmetern veranschaulicht. Originale Filmdokumente aus den 1920er und 1960er Jahren ermöglichen seltene Einblicke in das Werk und Denken des Malers und runden das Epochenbild eines kantigen Künstlerschicksals im Jahrhundert der Extreme ab."
(Quelle: gera.de)
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OTTO DIX. Trau deinen Augen, die neue Dauerausstellung der Kunstsammlung Gera: In einem der zwei Multimediabereiche (im Westflügel der Orangerie) läuft ein Dokumentarfilm über Leben und Werk von Otto Dix | Foto: KE
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Wer den ostthüringisch gefärbten Dialekt seiner Stimme hören will, kommt hier [s. Foto o.] auf seine Kosten. Dokumentiert wurde beispielsweise die Verleihung der Ehrenbürgerwürde der Stadt Gera 1966, als Otto Dix zum zweiten Mal - nach seiner Übersiedelung an den Bodenseee - in seine Geburtsstadt und somit an sein Geburtshaus am Mohrenplatz (heute: Otto-Dix-Haus) zurückkehrte.
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Selbstbildnis mit liegendem Akt (1944) von Otto Dix - in der neuen Werkschau OTTO DIX. Trau deinen Augen in der Kunstsammlung Gera | Foto: KE
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Auf zirka 500 Quadratmetern sind Werke sämtlicher Schaffensphasen des Künstlers zu besichtigen. Die Palette reicht dabei von frühen Landschaften, Studien aus Dix' Kindheit, Stilleben, Porträts und Feldpostkarten über Szenen aus dem Großstadtleben, Milieudarstellungen im neusachlichen Stil, mythologische und religiöse Allegorien bis hin zu seinem Spätwerk mit expressiven Porträts und farblich starken figürlichen Kompositionen.
Neben den Beständen der eigenen Dix-Sammlung zeigt die KUNSTSAMMLUNG GERA auch Dauerleihgaben sowohl der Otto-Dix-Stiftung Vaduz als auch der Sammlung Niescher.
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OTTO DIX. Trau deinen Augen, die neue Dauerausstellung der Kunstsammlung Gera: Die Multimedia-Show im Ostflügel der Orangerie übersetzt den kritischen Blick des Künstlers auf das 20. Jahrhundert als räumliches Erlebnis. | Foto: KE
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Auf die spektakuläre Multimedia-Show im Ostflügel der Orangerie [s. Foto o.] muss unbedingt verwiesen werden. Sie kommt als immersive Installation daher und macht v.a. die Zeit der Weimarer Republik und Dix' neusachliche Malweise erfahrbar. Seine Bildwelten werden auf 80 Quadratmetern mit digitalen Projektionen, Film- und Tonelementen inszeniert.
"Die Besucher erleben dabei die Entwicklung von Dix’ 'Superrealismus' – seine scharfe Beobachtung von Großstadt, Gesellschaft und Menschen – nicht nur anhand einzelner Werke, sondern in einer multimedialen Erzählung. Ergänzt wird die Inszenierung durch historische Filmdokumente aus den 1920er und 1960er Jahren, die Einblicke in den Künstler, seine Zeit und sein Denken geben." (Quelle: ChatCBT)
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Zwei abschließende Einwände:
Im Ostflügel schien die Klimaanlage nicht zu funktionieren, es war brütend warm dort (angeblich mussten die Verantwortlichen bereits einige Bilder wieder abhängen, damit sie nicht zu Schaden kommen) - während einem im Westflügel unverhältnismäßige "Kälte" von unten her zupustete. Die Besichtigung beider Flügel gestaltete sich demnach als die Trockenvariante einer Kneipp-Kur.
Und (was überhaupt nicht nachvollziehbar ist): Die KUNSTSAMMLUNG GERA präsentiert sich im Netzt nicht etwa mit einer eigenen Website, sondern mit einer Art von angegliedertem also integriertem Webauftritt der "übergeordneten" Homepage gera.de. Das nenne ich arg weltfremd, und es strahlt aufs Provinziellste in die Webwelt weit, weit draußen aus.
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Andre Sokolowski - 12. Juli 2026 ID 15944
Weitere Infos siehe auch: https://www.gera.de
https://www.andre-sokolowski.de
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