Abakans
und mehr
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Bewertung:
"Abakan" setzt sich aus den ersten sechs Buchstaben ihres Nachnamens zusammen:
Magdalena Abakanowicz (1930-2017) war eine polnische Bildhauerin und Textilkünstlerin, die ihre gewebten, monumentalen Installationen in schwarz oder rot aus Wolle, Hanf und Jute Abakans nannte. Einige davon sind zurzeit im Pariser MUSÉE BOURDELLE zu sehen. Sie hat für ihre handwerklich erstellten Architektur-Skulpturen eine völlig neue Webtechnik entwickelt. Recycelte Stoffe oder in Häfen gesammelte und von ihr eingefärbte Sisaltaue gehören zu ihren Arbeitsutensilien. Die gigantischen, dreidimensionalen Abakans hängen von der Decke herunter oder liegen auf dem Boden und recken sich zur Decke. Bis zu vier Meter groß können sie sein.
"Ich betrachte Fasern als [...] das größte Geheimnis unserer Umwelt. Aus Fasern bestehen alle lebenden Organismen, das Gewebe von Pflanzen, Blättern und uns selbst." (Magdalena Abakanowicz)
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Abakans in der Ausstellung Magdalena Abakanowicz. La trame de l´existence im Musée Bourdelle, Paris Foto: Jean-Noel Pettit
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Außer den beeindruckenden Abakans [s. Foto oberhalb] sind weitere Installationen aus unterschiedlichen Schaffensperioden, Kleinskulpturen, Gouache-Zeichnungen und Fotografien in der Schau zu sehen. Der große und extra dafür umgebaute Saal im Museum Bourdelle ist wie geschaffen für diese Schau.
Immer wieder sind es Welt-Katastrophen, die Abakanowicz in ihren Arbeiten aufarbeitet.
Wiederverwendete Jutesäcke werden zu menschlichen Formen.
Zwischen 1978 und 1980 entsteht die Installation Rücken, akephale Figuren als Ausdruck der menschlichen Existenz im Allgemeinen. Handelt es sich hier um Teilnehmer einer rituellen Zeremonie? Sind es Gefangene, Unterdrückte? Oder ist es die Erniedrigung oder Resignation einer radikalen Isolation? Diese Installation wurde im polnischen Pavillon der Biennale von Venedig 1980 präsentiert. Hier in der Schau ist diese hoffnungslose Gruppe von kopflosen tanzenden Figuren umgeben.
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Rücken und kopflos tanzende Puppen in der Ausstellung mit Werken von Magdalena Abakanowicz - im Musée Bourdelle, Paris Foto: Jean-Noel Pettit
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Die Crowd-Serie entsteht 1985. Eine Torso-Armee aus Jute und Resina. Eine Schenkung der Künstlerin 1997 an das Pariser Museum für Moderne Kunst.
Die Standing Mutants (1992) sind das Ergebnis einer experimentellen Überkreuzung von Tier und Pflanze. Sie sind taub und blind, unfähig sich zu verteidigen. Sie sind das perfekte Opfer. Diese enigmatische und mutierte Schar scheint auf einen Schäfer oder auf die Künstlerin zu warten, um zu sehen, wie es nun weitergeht. Totems zwischen Exorzismus und Faszination.
Aus Jute und Seilen besteht die Installation War Games. Gefällte Bäume in den Masuren haben die Künstlerin dazu inspiriert.
Die Installation Embryology ist eine organische Metamorphose. Hier in der Ausstellung liegen die unterschiedlich großen Zellkörper aus Watte, Nylon, Sisal oder Leinen wie vergessen in einer Ecke.
Abakanowiczs organische Welt besteht aus Baumwolle, Wolle, Leinen, Jute und Hanf.
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1960 wird Magdalena Abakanowiczs erste Einzelausstellung von Ölbildern in Warschau schon vor der offiziellen Eröffnung wieder geschlossen. Kurz darauf entdeckt sie die Textilkunst und geht in dieser Richtung weiter. Von da an gehören natürliche Materialien zu ihrem Handwerkszeug. Die Abakans nehmen für sie eine Brückenfunktion ein, verbinden ihre damals enge Welt mit der weiten Welt und werden zu gehäkelten, abstrakten und geometrischen Rückzugsorten. In dem in der Ausstellung gezeigten Film kommt das sehr gut zur Geltung. Abakanowicz nimmt 1962 an der 1. Internationalen Tapestry Biennale in Lausanne teil. Es ist ihre erste internationale Ausstellung. 1965 erhält sie den Grand Prix der Biennale Sao Paulo. Von dem Preisgeld kauft sie sich in einen Genossenschaftswohnblock in Warschau ein und bezieht so ihr eigenes Künstleratelier. Bis 1989 lebt und arbeitet sie dort mit ihrem Mann.
Andere Arbeiten oder gewaltige Installationen sind aus wetterfestem Material wie Bronze, Eisen, Stein oder Beton und haben heute ihren festen Platz überall auf der Welt.
In Polen gehört Magdalena Abakanowicz zu den bekanntesten Künstlerlinnen des 20. Jahrhunderts. In Frankreich ist es die erste bedeutende Ausstellung dieser Pionierin der zeitgenössischen Textilkunst. Ophélie Ferlier Bouat hat sie kuratiert.
2023 wurden ihre Arbeiten mit großem Erfolg in der Tate Modern in London gezeigt.
Die Künstlerin ist vielfach ausgezeichnet worden. 2010 nahm sie für ihren herausragenden und dauerhaften Beitrag zum kulturellen Dialog zwischen Polen und Deutschland in der deutschen Botschaft in Warschau das Große Bundesverdienstkreuz mit Stern entgegen.
2017 ist Magdalena Abakanowicz 87-jährig in Warschau verstorben
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Magdalena Abakanowicz. La trame de l´existence im MUSÉE BOURDELLE in Paris | Foto: Jean-Noel Pettit
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Christa Blenk - 13. März 2026 ID 15753
Die sehenswerte Schau Magdalena Abakanowicz. La trame de l´existence im MUSÉE BOURDELLE in Paris geht noch bis zum 12. April 2026 und ist von Dienstag bis Sonntag von 10 bis 18 Uhr geöffnet.
Das Ticket kostet 12, der Katalog 35 Euro.
Weitere Infos siehe auch: https://www.bourdelle.paris.fr
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