Die Schule
von Paris
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1900 kommt ein junger, unbekannter Maler in Paris aus. Pablo Picasso lässt sich auf dem Hügel von Montmartre, Vergnügungsviertel und Hochburg von Künstler und Literaten, nieder, teilt sich mit seinem Freund Casagemas ein Atelier und malt Bilder in der Hauptfarbe Blau. Kurz darauf erschießt sich Casagemas aus Liebeskummer, und die Galeristin Berthe Weill erkennt Picassos Potenzial. 1904 erlangt eine Holzbaracke Weltruhm. Das Bateau-Lavoir wird zum künstlerischen Epizentrum der Avantgarde und zum Treffpunkt von Malern, Bildhauern und Intellektuellen. Im Verlauf der Jahre kommen dort Künstler aus aller Welt an, viele aus Osteuropa. Fernande Olivier tritt in Picassos Leben, und er erfindet den Kubismus. 1911 treffen Chaim Soutine, Marc Chagall und Moise Kisling in Paris ein. Noch vor dem Ersten Weltkrieg ziehen die meisten Künstler nach Montparnasse, in die Künstlersiedlung La Ruche. Ein neuer Kunststil jagt den nächsten. Die Kreativität kennt keine Grenzen. Picasso, Kees van Dongen, Otto Freundlich, Amedeo Modigliani, Giorgio de Chirico oder Juan Gris scharen sich um Cocteau, Apollinaire, Max Jacob und den Kunsthändler Amboise Vollard. Apollinaire meldet sich zu Beginn des Ersten Weltkrieges freiwillig für die Fremdenlegion.
Picasso verlässt 1913 die Butte Montmartre und zieht nach Montparnasse. Kiki (de Montparnasse) wird zum Lieblingsmodell und Markenzeichen von La Ruche. Moise Kisling teilt sich um 1916 mit Modigliani das Atelier.
In Montmartre verbleiben nur noch das sogenannte Trio infernal: Suzanne Valadon, ihr Sohn Maurice Utrillo und ihr Mann, der Maler André Utter.
Nach dem Krieg kommt Tamara de Lempicka in Paris an. Ihre russische Tänzerin ist das Ausstellungsplakat der derzeitigen Schau L´École de Paris. Collection Marek Roefler im MUSÉE DE MONTMARTRE. Sie verbindet darauf russische Folklore mit den alten Meistern. 1925 findet der Kunstkritiker André Warnod einen Begriff für diese kosmopolitische Gesellschaft, die in ihren Werken gerne Cezanne, Gauguin oder Van Gogh folgten. Der Begriff "Die Schule von Paris" bezieht sich hauptsächlich auf die Gemeinschaft nicht französischer Künstler in Paris. Der Börsenkrach von 1929 bedeutete auch für viele Galerien das Aus. 1937 zeigt Picasso sein Guernica im spanischen Pavillon auf der Weltausstellung in Paris. Ab 1939 verlassen viele jüdische Künstler Paris, darunter auch Kisling und Zadkine oder Hayden. Chaim Soutine stirbt in Paris, Max Jaob in Drancy. Henri Epstein wird nach Auschwitz deportiert.
Eine Epoche geht zu Ende.
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Noch bis 15. Februar ist die Ausstellung L‘École de Paris im Montmartre-Museum zu sehen.
Die Privatsammlung beherbergt v.a. Werke von osteuropäischen Künstlern, darunter Arbeiten von Boleslas Biegas, Marc Chagall, Henri Epstein, Chaïm Soutine, Ossip Zadinke, Eugène Zak, Amedeo Modigliani, Mela Muter, Chana Orloff, Manuel Ortiz de Zárate, Moïse Kisling - nur um einige zu nennen. Eines der emblematischsten Werke in der Schau ist das Gemälde Die Schachspieler (1913) von Henri Hayden (1883-1970). Es ist eine Hommage an Paul Cézanne und wurde 1914 im Salon des Indépendants ausgestellt. Das hermetische Porträt einer Familie in drei glatten Farben der jüdischen Künstlerin Nathalie Kraemer (1891-1943) erzählt von Angst und Verzweiflung. Sie malt es 1930.
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Christa Blenk - 19. Januar 2026 ID 15659
Marek Roefler (*1952) ist einer der bedeutendsten Kunstsammler in Polen. Seit über 30 Jahren sammelt er Gemälde, Skulpturen, Grafiken aus dieser Zeit. Seine Kollektion besteht zum Großteil aus Arbeiten polnischer und jüdischer Künstler, die ihren Teil zur Pariser Avantgarde beigetragen haben. Es sind heute meist unbekannte oder wenig bekannte Künstler des Postimpressionismus, des Kubismus, des Fauvismus und des Expressionismus.
Die Ausstellung steht unter der Schirmherrschaft der Botschaft der Republik Polen in Frankreich und des Polnischen Instituts in Paris, in Zusammenarbeit mit dem Museum Villa La Fleur in Konstancin-Jeziorna, wo die Sammlung zuhause ist, sowie der Basilika von Montmartre. Es ist das erste Mal, dass die Marek-Roefler-Sammlung außerhalb von Polen gezeigt wird.
Wenn man sowieso auf Ausstellungstour in Paris ist, dann ist diese Schau eine interessante Ergänzung. Der Eintritt in das verwinkelte, charmante Museum (mit der Ausstellung, der ständigen Sammlung und dem Atelier von Suzanne Valadon) kostet 16 Euro.
Der Ort ist eine Oase der Ruhe im von Touristen wuselnden Montmartre-Viertel im 18. Arrondissement.
Weitere Infos siehe auch: https://museedemontmartre.fr
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