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Feuilleton

Eröffnung der art berlin contemporary 2014



Bewertung:    



Die art berlin contemporary ist seit 2011 Berlins Hauptmesse und Aushängeschild der jährlich im Herbst stattfindenden Berlin Art Week. Und auch in diesem Jahr strömten die Messebesucher zahlreich zur Eröffnung in die Station Berlin in der Luckenwalder Straße am Gleisdreieck. Hier ist die Atmosphäre offener als in der in sogenannten galeriebezogenen Kojen angeordneten BERLINER LISTE oder der neuen Zweitmesse POSITIONS im Kaufhaus Jandorf. Die Austeller von 111 Galerien präsentieren hier 115 Künstler, was auch eine kleine Reduzierung zum Vorjahr bedeutet. Der Berliner Kunstmarkt ist sicher nicht so heiß umkämpft wie in Basel, London oder New York, aber immer noch repräsentativ was neue Positionen der Gegenwartskunst betrifft.

*

In der lockeren Verteilung der Galerien über die drei Hallen fallen große Skulpturen hier sofort ins Auge. So auch der riesige liegende Kronleuchter von Krištof Kintera bei Schleicher/Lange. My light is your light heißt das Werk und weist einem den Weg gleich hin zum nächsten Kunstwerk. Die Berliner Galerie Mehdi Chouakri zeigt den hoch aufragenden Kugelleuchter von Mathieu Mercier. Durch einen kleinen Uhren-Wald von Luc Fuller geht man bei der Galerie Rod Barton aus London.

Daniel Steegmann Mangrané hat eine Art labyrinthischen Raumteiler aus farbigen Kettenvorhängen erdacht und für die Galerie Esther Schipper in die Halle gestellt. Ein ganzes Haus hat Kerim Seiler für die Galerie Grieder Contemporary gebaut. Der Schweizer Künstler steht auf der Veranda seines mit französischem Leuchtschriftzug „Arbeiten sie nie“ überschriebenen Heims und lädt zum Verweilen ein. Unweit in einem kleinen Imbisswagen bietet Installations- und Performencekünstler John Bock als eine ins Licht getretene Triebkreatur für die Galerie Sprüth Magers Anti-Trieb-Toasts an. Wer das überlebt, kann sich bei W. Lentz aus Rotterdam auf einen alten Zahnarztstuhl des Künstlers James Beckett aus Simbabwe legen.

Überhaupt überwiegt der Anteil an Installationen und Videoarbeiten die der traditionellen Kunstgenres. Trotzdem trifft man hier und da auch auf bekannte Namen der Malerei und Fotografie:

Performancestar und Provokateur Jonathan Meese zeigt zum Beispiel bei Krinziger/Wien neue Bilder mit leicht infantiler Prägung. Die Betitelung BABYPARSIFAL zeugt wohl schon von ersten Ideen zur Inszenierung der Wagner-Oper bei den Bayreuther Festspielen 2016. Der Augsburger Maler Martin Eder stellt bei Galerie Eigen + Art seine üblichen trügerischen Idyllen aus leicht schwülstig lasziven Bildmotiven. Hier ist es die Figuren der Jeanne d’Arc und Aliénor d’Aquitaine als Sinnbild für das Einbrechen realer Gewalt in die Ästhetik von Videogames und die allgemeine Popkultur.

Den Österreicher Robert Muntean darf man allerdings nicht mit Markus Muntean vom Künstlerduo Muntean & Rosenblum, die noch im letzten Jahr auf der ABC ausstellten, verwechseln. Der junge Maler aus Loeben/Steiermark stellt nun - ganz untypisch für die gegenständlichen Gruppenportraits von Muntean/Rosenblum - ein fast schon abstraktes Gemälde bei der Charim Galerie Wien aus. Die Papierarbeiten von Volker Hüller bei der Produzentengalerie Hamburg zeigen surreal verzerrte Figuren an Bars, ähnlich den von Gorge Grosz. Hendrik Kaven montiert mit von 1 zu 1 nach ∞ einen Stadtplan aus verschiedenen Gemälden, zwischen denen Scheinstraßen und Alleen der Jugend verlaufen, an eine Wand.



Dick mit Binden, Gips und Metallspänen umwickelt sind die Skulpturen des Briten Des Hughes. | Foto (C) Stefan Bock

Der Künstler Jigger Cruz hat seine in mehreren Schichten übermalten ikonoklastischen Gemälde mit kaputten Rahmen und davorgestellten Kunstharzfiguren ergänzt. | Foto (C) Stefan Bock

Vor einem der Gemälde von Donna Huanca hockt eine am ganzen Körper blau bemalte Frau. | Foto (C) Stefan Bock


Interessante Fotoarbeiten gibt es bei Christine König mit der Serie Hohes Haus (Berlin) der österreichischen Künstlergruppe G.R.A.M. zu sehen. Ein Trio des Stillstandes mit schlafenden Politikern. Richard Mosse stellt für carlier / gebauer einer 16teiligen Foto-Serie von Hütten in rot gefärbter Landschaft aus. Am Ende der Halle B zieht einen der Experimentalfilm Coupé /Décalé von Camille Henrot mit von Urwaldvölkern auf dem Vanuatu Archipel in den Bann, das die Galerie Johann König zeigt. Ein Initiationsritual, das im Westen für den Sport des Bungee-Jumpings adaptiert wurde.

Genreübergreifende und Mixed-Media-Arbeiten sind nach wie vor stark im Kommen. Sprüth Magers hat an ein Gerüst in Halle B Arbeiten zwischen Malerei und Fotografie von Nina Pohl, Analia Saban und Walter Dahn gehängt. Eine ganze Wand mit auskragenden Elementen hat Tobias Rehberger für die Galerie neugerriemschneider bemalt. Eine Vanitas-Installation von Luciana Rondolini aus ironischer Portraitzeichnung auf Papier und metallenen Bananen davor zeigt die Galrerie miaumiau.

Dick mit Binden, Gips und Metallspänen umwickelt sind die Skulpturen des Briten Des Hughes bei der Buchmann Galerie Berlin. Skulpturen + Malerei zeigt die Galerie Arndt aus Berlin. Der Künstler Jigger Cruz hat seine in mehreren Schichten übermalten ikonoklastischen Gemälde mit kaputten Rahmen und davorgestellten Kunstharzfiguren ergänzt. Auch der Tscheche Marek Meduna trägt die Farben zuweilen dick auf und stellt bei der Prager Svit Gallery seine übermalten Plastikbierflaschen aus.

Aber auch der Mensch selbst ist Kunst. Vor den Gemälden von Donna Huanca bei der Brand New Gallery aus Mailand hocken zwei am ganzen Körper blau bemalte Frauen, die man nur beim näheren Betrachten blinzeln sieht. Hat man kurz weggesehen, traut man seinen Augen kaum, wenn die Figuren dann plötzlich doch ihre Haltung verändert haben. Als wandelndes Kunstwerk durchschreitet unermüdlich eine Frau mit Wurstpappenschleppe die Hallen und mahnt gegen das Kopieren von Kunst. Und auch noch so manch andere Selbstdarsteller in eigener Sache unterwegs wurden auf der wieder sehr vielseitigen ABC-Messe gesichtet. Der Schriftzug der Leipziger Künstlergruppe FAMED (Galerie ASPN) verabschiedet uns am Ausgang mit den Worten: „We‘re on Fire!“


Stefan Bock - 20. September 2014
ID 8110
ART BERLIN CONTEMPORARY (Station Berlin, 18.-21.09.2014)
 
Öffnungszeiten:
Fr + Sa | 12 – 19 Uhr
So | 12 – 18 Uhr
 
Tickets & Preise:
Tagesticket 12 € | Ermäßigtes Ticket 8 €
am So Familienticket 25 € (Eltern + unbegrenzte Anzahl an Kindern unter 18 J.)
2-Tagesticket 20 €
Gruppenticket (ab 8 Personen) | 8 €

Station Berlin
Luckenwalder Straße 4-6
10963 Berlin

U1, U2 Gleisdreieck
 

Weitere Infos siehe auch: http://www.artberlincontemporary.com/


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