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Kurzportrait - Gespräch mit Franz Wolf im Mai 2006

Mit dem Künstler Franz Wolf verbindet mich eine langjährige Freundschaft und so entstand auch das Portrait vom


Großmeister des Bildermachens





Franz Wolf will sich nicht Künstler nennen, sondern Bildermacher

Franz Wolf wurde 1954 in Vorarlberg geboren und beschäftigt sich schon seit 1969 intensiv mit der Zeichnung. Gelernt hat er ein bodenständiges Handwerk, nämlich Maschinenschlosser.

1972 hat er als 18jähriger beim 13. österreichischen Grafikwettbewerb in Innsbruck mitgemacht und als jüngster Teilnehmer den Preis des Landes Burgenland gewonnen. (zum besseren Verständnis für die Leser, beim österreichischen Grafikwettbewerb vergibt jedes Bundesland einen Preis, ebenso das Bundeskanzleramt)

Dieser Preis war für Franz Wolf ausschlaggebend, seinen gelernten Beruf - 1973 schloss er die Lehre ab - an den Nagel zu hängen und nach Berlin zu übersiedeln, um sich künstlerisch ausbilden zu lassen.

1978 ist er dem Kunstverein „Selbsthilfe Berliner Künstler“ beigetreten. Von 1980 bis 1985 hat Franz Wolf an der heutigen Universität der Künste Berlin mit den Schwerpunkten Akt und Malerei studiert.
Sein Studium musste er selbst finanzieren und so jobbte er nebenbei als Busfahrer auf allen Linien quer durch Berlin. Der Vorteil darin war, er konnte nachts Bus fahren und tagsüber die Uni besuchen. Viele Beobachtungen konnte er in seinen Zeichnungen einfließen lassen.

1982 wurde er dann Mitglied im Berufsverband bildender Künstler Berlin. 1986 war er ein Gründungsmitglied der „Künstlerinitiative Neukölln“. Franz Wolf hat sich in dieser Zeit sehr viel mit Druckgrafik u.a im Künstlerhaus Bethanien, beschäftigt und wurde nach dem Fall der Mauer Mitorganisator und auch Teilnehmer am ersten gemeinsamen Projekt von ost- und west Berliner Künstlern, der Nibelungen – Werkstatt .


Was für ihn in den 26 Berliner Jahren eigentlich unvorstellbar war, wurde 1999 doch Realität. Franz Wolf brach die Zelte in Berlin ab und übersiedelte nach Österreich. In Grödig, südlich von Salzburg, hat er sein Atelier eröffnet. Auf die Frage, warum er Berlin verlassen hatte, kommt die klare Aussage: Nach dem Mauerfall wurden die gewachsenen Strukturen im Westen zerstört. Die Mieten explodierten, Berlin wurde zusehends negativer. So hat z.B. Kreuzberg, ein ehemaliger Mauerbezirk, seine Identität als autonomer Künstlerbezirk verloren.

Auf die Frage hin, ob sich die Malerei im nächsten Jahrhundert auch noch etablieren kann und ob es nicht einwenig altmodisch ist ? „Nein, man wird die Malerei immer finden und immer wieder neu schaffen, ob das dass im 18. Jahrhundert war oder ob es im 23. Jahrhundertsein wird , Malerei wird es immer wieder geben.“
Fragt man Franz Wolf, wie er selber seinen Kunststil beschreiben würde, nennt er zunächst den Realismus, auch verbunden mit Surrealem. Sein Ausgangspunkt sind die Menschen, die
er immer wieder beobachtet. Es ist der Alltag, oft aber auch die Geschichte, die ihm Stoff für seine Bilder liefert.

Große Vorbilder hat der GROSSMEISTER auch; wie z.B. Max Ernst, Heinrich Füssli,
Luzian Freud oder Andrea Mantegna ein großartiger italienischer Maler. Oder die
Engländer William Blacke und David Hockney.

Früher hat Franz Wolf 13-14 Skizzen pro Bild angefertigt, bevor er sich an das große Bild wagte und die Skizze in Großformat umsetzte. Mittlerweile setzt er seine Idee sofort um.







Fotos: Hermann Wolf


Seine ganz großen Erfolge hat er in den letzten Jahren gefeiert. 2002 war er im Museum der Beida-University in Beijing. Hier wurde eine komplette Etage für die Ausstellung seiner Werke ausgeräumt. Die zweite Ausstellung war dann in Shanghai in der Fudan University im Foreign Affairs Office. Dort wurden die Bilder jeden Abend aus den Räumlichkeiten in Tresore gesperrt, so vorsichtig und behutsam gingen die Chinesen, mit den Werken des Künstlers um.
Bei beiden Ausstellungen ist Franz Wolf aufgefallen, dass die chinesischen Besucher die Gestalten auf den Bildern mit den Händen nachzuzeichnen versuchten, um das künstlerischen Schaffen Franz Wolfs nachempfinden zu können. Die Ausstellungen waren überaus gut besucht – und immer wieder fanden Führungen statt.

2005 war die große Ausstellung in Tokio im Österreichischen Kulturforum. Die Japaner waren von den Arbeiten hellauf begeistert und es gab während der Ausstellung viele positive Feedbacks. Und die Kontakte zu Kunstliebhabern und Galeristen werden auch heute noch von Grödig aus gepflegt.
Auf meine Frage hin, wie man zu solchen großen Ausstellungen kommt: „Professionelles Management, Sponsoren (Fluglinie AUA, österreichische Speditionen und das Außenministerium). Und gute Beziehungen, sonst würde man dies alles nicht auf die Beine stellen können“.

Wie sieht die Zukunft des GROSSMEISTERS aus?
Es gibt schon wieder Auslandsprojekte, man ist im Gespräch mit Mailand, Indien ist ein heißes Thema, jedoch eine lange Schiene bis zum Ziel.
Seit 2001 hält der „Großmeister des Bildermachens“ Kurse quer durch Österreich von Niederösterreich bis nach Vorarlberg.
Als Lehrer will er Menschen ermutigen, ihre eigene Autonomie auszuleben, gleichzeitig die Sinne zu schärfen, urteilsfähig zu werden und letztlich auch klar Position zu beziehen. Das mag nicht immer der einfachste Weg sein – aber als Künstler und als Mensch lebt ihn Franz Wolf vor.
Wer würde hier nicht gerne beim GROSSMEISTER in die Lehre gehen.

Sollte ein Leser jemals Station in Salzburg machen, dann sollte er den GROSSMEISTER Franz Wolf in Grödig in seinem Atelier besuchen. Terminvereinbarung ist angebracht.
e-mail: kunst@franzwolf.at Homepage: http://www.franzwolf.at

Mit Franz Wolf über Kunst zu plaudern, Erfahrungen auszutauschen, ist immer wieder aufs Neue interessant und spannend. Unsere Kunstgespräche dauern in der Regel immer
sehr lange.

Ich werde den „GROSSMEISTER des Bildermachens“ und seine Kunst weiter verfolgen und irgendwann wieder, über ihn einen Bericht schreiben.








Fotos: Hermann Wolf




Christa Linossi - red / 14. Juni 2006
ID 00000002477
Siehe auch: http://www.franzwolf.at






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