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Museumsführer

ARP MUSEUM

BAHNOF ROLANDSECK



Hans Arp, Coquille (Muschel), 1938, © VG-Bildkunst, Bonn, Foto: Mick Vincenz | Bildquelle: facebook.com/arpmuseumbahnhofrolandseck


"Uns schwebten Meditationstafeln, Mandalas, Wegweiser vor. Unsere Wegweiser sollten in die Weite, in die Tiefe, in die Unendlichkeit zeigen." (Hans Arp)


Hans Arp hat hier [s.o.] visionär den zukünftigen Standort vieler seiner Werke beschrieben. Richard Meier hat das Arp-Museum Bahnhof Rolandseck so konzipiert, dass Arps Arbeiten in Verbindung mit Meiers schlichter und klarer Architektur Besucher wie Exponate in Weite, Tiefe und Unendlichkeit versinken lassen.

An einem sonnigen Tag ist es natürlich noch viel schöner, dort hinzufahren. Das Museum für die Sonnentage gebaut. Davon gibt es ja hier am romantischen Rhein auch ziemlich viele. Ferienstimmung und Ausflugskultur wurden hier immer schon groß geschrieben, und die deutschen Dichter und Romantiker hielten sich alle gern am Rhein hier auf. An Sagen und Geschichten um ihn und das Siebengebirge gibt es ja genug.

Der Bahnhof Rolandseck war ursprünglich die Endhaltestelle oder (besser gesagt) das Eisenbahnempfangsgebäude eines Privatzuges von Köln nach Remagen. 1858 entstand er, knapp 20 Kilometer von Bonn entfernt, direkt am Rhein. Einmal angekommen, konnte der verwöhnte Reisende gleich in einen Ausflugsdampfer der Reederei Köln-Düsseldorfer umsteigen, per Kutsche weiter den Rhein entlang fahren oder den Drachenfels auf der anderen Rheinseite besteigen. Manche sagen ja, dass sich der Nibelungen-Siegfried dort herumgetrieben haben soll, obwohl Drachenfels eigentlich vom Quarz-Trachyt abstammen soll, aber vielleicht gab es ja doch den Drachen. Wer weiß das schon!



Arp Museum Bahnhof Rolandseck - das Fenster zum Rhein | Foto (C) Christa Blenk


In der Romantik entwickelte sich eine Europa-übergreifende kulturelle Bewegung, eine Art Grand Tour um die Siebengebirgs-Rhein-Loreley Gegend, und Lord Byron erklomm 1816 den Drachenfels. Sein Gedicht Der turmgekrönte Drachenfels (1816) löste in England eine wahre Reisewut an den Rhein aus. Ein Modetrend, der ab da zig Reisende in die Stätten der Antike, über den Rhein gelangend, lockte. Damals wurde man mit Eseln auf den Drachenfels gebracht, und 1937 sollen gar noch 30 Esel im Einsatz gewesen sein. Die Drachenfelsbahn wurde erst 1883 eröffnet; sie ist die älteste Zahnradbahn Deutschlands. Heinrich Heine hatte 1830 Die Nacht auf dem Drachenfels verbracht.

Gegenüber, also auf der Museumsseite, steht der Rolandsbogen, oder das was von ihm übrig ist. Und weil ja früher alles möglich war, hält sich bis hierher eine Variante der französischen Rolandssage - demnach ließ Ritter Roland, ein Vasall Karls des Großen, seine verlassene Hildegunde am Drachenfels zurück, woraufhin diese sich in das Kloster Nonnenwerth zurückzog.

In den 60er Jahren hatte der Bonner Galerist Johannes Wasmuth dieses schöne klassizistische Gebäude aus dem 19. Jahrhundert vor dem Abriss gerettet und ihn kurzerhand in einen internationalen Kulturbahnhof umfunktioniert. Musiker, Literaten, Künstler, Bildhauer lebten und arbeiteten zum Teil dort, organisierten fortan Happenings, Theaterlesungen und Ausstellungen und machten den alten Bahnhof zum „the place to be“.

Nach dem Tode der Antriebsmaschine Wasmuth geriet der Kulturbahnhof in eine Krise und ziemlich in Vergessenheit, bis er 2004 als Arp Museum Bahnhof Rolandseck erneut mit einem geänderten Konzept eröffnet werden konnte. Die Stiftung Hans Arp und der Verein Sophie Taeuber Art e.V. sollten gemeinsam mit dem Land Rheinland-Pfalz das Museum betreiben. So gelangte die Sammlung der Stiftung dorthin. Diese nur kurz anhaltende Win-win-Situation endete allerdings in einem großen Streit, und die Stiftung zog die Sammlung wieder ab, so dass das Museum nun mit Leihgaben und den Beständen des Landes Rheinland-Pfalz auskommen muss (was aber auch nicht schlecht ist, zumal ständig neue Werke erworben werden).



Barbara Trautmann, Kaa, 2007 - Installation im Arp Museum Bahnhof | Foto (C) Christa Blenk


2005 wurde schließlich der Neubau des US Star-Architekten Richard Meier eingeweiht. So gut im Berg getarnt, dass man den Bau vom Parkplatz gar ncht sieht. Dort steht nur – wie immer – der alte Bahnhof. 33 Mio hat das Gesamtprojekt gekostet, die Ausstellungsfläche beträgt knapp 3000 Quadratmeter, den ehemaliger Bahnhof mit eingeschlossen.

* * *

Den dunklen, breiten Tunnel unter den Gleisen erhellt eine 17 Meter lange Skulptur von Barbara Trautmann - Kaa heißt sie (gleich der Schlange aus dem Dschungelbuch), und sie wühlt sie sich im 19. Jahrhundert durch den Berg und kommt im 21. Jahrhundert am Ende des Tunnels wieder heraus. Dann fährt man mit einem Aufzug - mit Blick auf den Fels - nach oben und wird umhüllt von Helligkeit und sonnendurchfluteter Luft. So ist man völlig hingerissen von diesem Wahnsinnsausblick. Alexander von Humboldt soll ihn als den siebtschönsten Ausblick der Welt bezeichnet haben - und er ist ja nun wirklich viel herumgereist.



Blick vom Arp Museum Bahnhof Rolandseck auf den Rhein | Foto (C) Christa Blenk


Richard Meier schaffte eine perfekte Symbiose zwischen Natur und Kunst, indem er bei der Planung die geografischen Gegebenheiten mit einbezog. Die Verbindung dort oben von Arps Traumanatomie-Skulpturen mit Meiers klarer Geometrie ist einfach perfekt.

Im ersten Stock (dort, wo der Lift ankommt) wird man aber erstmal von großen, von der Decke herabhängenden duftenden weißen Tränen empfangen, die zu individuell gestalteten und modellierbaren Knautschsesseln führen. Hier treffen wir auf die sinnlichen und lavendeligen Rauminstallationen des brasilianischen Künstlers Ernesto Neto. Mensch und Natur vereinen sich, und es entsteht eine Wohlfühlsituation wie im Wellnesscenter, wo die Sonnenstrahlen durch Meiers Bau gleiten und wir mit der Hand im Lavendel wühlen und der Duft unsere Nase erreicht.

Haux Haux heisst die Ausstellung – das kommt aus einem Indianer-Gedicht und heißt soviel wie Anfang, Ende, Harmonie und soll schlechte Gedanken und böse Geister vertreiben. Huni Kuin hat es gedichtet. Es funktioniert! (Bis 25. Mai 2015 bleibt noch Zeit, es auszuprobieren.)

Ernesto Neto passt gut zu Taeber-Arp. Das Licht, die Farben, der Ausblick, die Freiheit, Stoff und Tüll der Installation: auch Sophie Täuber-Arp befasste sich viel mit Textilien, und einige ihrer Wandteppiche sind ebenfalls im Obergeschoss zu sehen. Hier steht auch der Hauptteil der Arp-Sammlung, und man lernt über sein Leben und das Zusamenleben- und arbeiten mit Sophie Taeuber-Arp.

Wie schon im ersten Stock flutet auch hier alles in Weißtönen, und sogar die seltsamen Formen von Arps neuer Anatomie wirken weich und laden zum Hinsetzen ein - das darf man aber natürlich nicht.

Bei so viel Licht verliert man jegliches Raumgefühl. Die individuelle Platzierung der Arbeiten - entweder innen oder auf verschiedenen kleinen Terrassen - katapultiert uns in einen (gefühlten) Open-air-Skulpturenpark, und die Arbeiten bilden eine Verlängerung, um den Bergen auf der anderen Rheinseite näher zu kommen.

Vor genau 100 Jahren lernten sich der Dadaist und Surrealist, Ablehner der bürgerlichen Kunst und Wegbereiter der Moderne Hans Arp und Sophie Täuber in Zürich kennen. Arp war während des Ersten Weltkrieges dorthin geflüchtet. Inmitten von Wirrnis und Tollheit von zwei Weltkriegen organisierten die beiden Künstler 27 Jahre lang ihr Leben um ihre Kunst und um sich selber. Das Museum hat diese Verbindung zum Themenjahr 2015 erklärt: Zweiklang. Rendez-vous des amis: Sophie Täuber – Hans Arp. In dieser eigens dafür geschaffenen Zusammenstellung wird das Werk der Malerin und Textilgestalterin Taeuber immer wieder den seltsamen Gebilden von Arp gegenübergestellt. Fotos und viel Text begleiten und vertiefen. Erst durch Sophies tragischen Unfalltod wird diese enge Verbindung getrennt, und Arp stürzt in eine große Depression.

Außer Ernesto Netos Rauminstallationen im ersten Stock findet im ehemaligen Bahnhof, also vor dem Tunnel, eine Ausstellung über die französische Malerei statt: Revolution der Bilder: Von Poussin bis Monet mit Leihgaben aus Dublin und Werke aus der Kunstsammlung Rau. (Sie geht noch bis 6. September 2015).


Christa Blenk - 17. April 2015
ID 8578
Nicht weit weg vom ARP MUSEUM BAHNHOF BAHNHOF ROLANDSECK befindet sich das Skulpturenufer Remagen. Eine Idee, die im Jahre 2000 entstand in Zusammenarbeit mit der Stadt Remagen. Bis jetzt gibt es dort 13 Skulpturen u.a. - auch von Hans Arp.

Weitere Infos siehe auch: http://www.arpmuseum.org


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