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Kurzportrait


FRANZ KAPFER



Franz Kapfer

Ich interviewte Franz Kapfer am 16. April 2006 bei einem Spaziergang durch die Altstadt in Salzburg.
Grund: die etwas eigenartige Kunst von Franz Kapfer, führte mich dazu, persönlich mit dem Künstler über seine Problematik zu sprechen.

Franz Kapfer thematisiert in seinen Fotoserien und Performances den zeitgenössischen Körper und Sexualität im Kontext von männlichen Identitäts-Konzepten, Familie und Katholizismus.

Auf die Frage hin, warum er sich den immer wieder entblößt zeigt und ob dies nicht ein Fall für einen Verarbeitungsprozess in der Psychologie wäre; erwiderte mir Kapfer ehrlich:

Er zeigt sich ja nicht ständig entblößt, jedoch muss er etwas verarbeiten was er mit 18 Jahren noch nicht wusste ; es ging um Sex und da wusste er rein gar nichts und im Unterbewusstsein dürfte ihn das jedoch so beschäftigt haben, dass er auf diese obszöne Darstellungen gekommen ist und sich mit der Problematik auseinandersetzen musste. Er wuchs im dörflichen Gebiet auf, seine Mutter eine „Zuagroaste“, arbeitete in einer Fabrik und war im Gegensatz zu den weiblichen Dorfbewohnerin immer geschminkt und halbwegs gut gekleidet und mehr oder weniger Alleinerzieherin, da sein Vater Fernfahrer war und nur an den Wochenenden nach Hause kam .

Somit war Franz Kapfer ein „Schlüsselkind“, was ja in unserer heutigen Zeit sicher kein Problem mehr darstellt, jedoch in den siebziger Jahren nicht üblich war, das ein Kind alleine zu Hause ist und im Dorf ( lt. Aussage der Dorfbewohner) herumzigeunert.

Die Mutter wurde in der Dorfgemeinschaft bis heute noch nicht akzeptiert, sie ist ja a „Zuagroaste“ und keine der ihrigen. Kirchen- und Wirthausbesuche gingen dem kleinen „Kapfer“ damals auch schon im Kopf herum. Er wurde immer vom Vater mitgenommen, denn das war Tradition. Er hörte auf die Erzählungen seines Großvaters und wurde somit mit den Kriegserzählungen konfrontiert.

Dies all sind Dinge, die er in der Kunst verarbeiten will. Geboren wurde er 1971 in Fürstenfeld Steiermark, 1996 besuchte er die Akademie der bildenden Künste in Wien 2005 wo er mit Ach und Krach das Diplom bei Heimo Zobernig schaffte. Die Professoren hätten ihn am liebsten gefeuert, so schlecht war, nach eigener Aussage, seine Diplomarbeit Zentauer eine einzige Katastrophe. Aber um ihn von Akademie loszuwerden, drückte man sämtliche Augen zu und ließ ihn durch die Prüfung.

Seine Diplomarbeit das Video „Zentaur 2004-2005. Darin thematisiert Kapfer das Spannungsverhältnis von Beziehung und Familie. Weiters bekam er auch scharfe Kritik Seitens der Professoren, dass das Video den Ansatz von Machtmissbrauch in Bezug auf das Kind hätte. (Was Lt. Kapfer ein Schwachsinn ist). Zentauren stehen auch am Eingang der Akademie der Bildenden Künste in Wien. Mit dem Satz "Acht Jahre habe ich hier studiert, die wollen mich schon als Hausmeister anstellen, so gemein sind die zu deinem Vater" resümiert Kapfer seinen Stand in der universitären Kunstwelt.

Am Ende bleibt die Resignation, Kapfer staubt das Zentaurengerüst ab und benutzt ihn als Hocker. "Jetzt geht eh die Sonne gleich unter".

Kapfer erklärte mir auch, dass er eher Geschichtsbücher lese als Kunstmagazine.

Auf die Frage ob er den Durchbruch schon geschafft hat, meinte er; eigentlich nicht, die einzige Galerie ist die Galerie Hohenlohe in Wien, der Rest sind nicht wirklich aufregende Ausstellungen.
Die Ausstellung in Salzburg, war auch nicht der durchschlagende Erfolg, da es keine Medienpräsenz gab und so gut wie gar nicht berichtet wurde. Regionalzeitungen brachten keinen Bericht. Der einzige „Standard“ brachte einen Bericht über Franz Kapfer.

Kapfer wird schauen, wie sich das für ihn weiterentwickeln wird. Er gestand mir auch seine Angst, die er hat, je mehr Ausstellungen er tätigt, dass seine Unbefangenheit in der performativen Arbeit verloren gegangen ist. Als ich ihn fragte, ob er nicht einmal über den Tellerrand hinaussehen sollte um den Fuß auch ins Ausland zu setzen, meinte er, dass er kein Englisch kann und für ihn dies gravierende Schwierigkeiten sein würden.


Er würde auch gerne in Kirchen seine Kunst präsentieren, da er in Graz Minoriten (gehört dem Kloster an) die Fresken fotografieren ließ und den Text des lateinischen übersetzte, und aus dieser Arbeit will er dem Betrachter die Hintergründe des lateinischen Text sichtbar machen. Aber die Kirche will nichts von ihm wissen.
Eines seiner neuesten Projekte wird auch Innsbruck betreffen, wo er über die Habsburger recherchieren wird und im speziellen König Rudolf von Habsburg; Rudolf Habsburg in einer Ritterrüstung und die Schamkapsel wird enorm hervorgehoben

Figur vom Maximiliansgrab Hofkirche in Innsbruck


Anscheinend bringt es Glück, wenn man dessen Schamkapsel berührt.
Foto: © Badische Heimat 2003


Na man darf gespannt sein, was daraus wird. Das Interview war in einer gewissen Weise Interessant und man konnte wirklich viel über die Person Franz Kapfer erfahren und hat auch mehr Verständnis für seine Kunst. Diese Art von Kunst wirkt im ersten Moment abstoßend, jedoch wenn man auf sie näher eingeht, werden psychische Probleme, Ängste sichtbar, die er in seiner Art und Weise verarbeiten will. Er geht zumindest seinen eigenen Weg und arbeitet nicht nach Modetrends, wie es bei vielen Künstler zur Zeit üblich ist.


Foto: \"Liebeserklärung\" von Franz Kapfer


Ich werde ihn auf alle Fälle weiterbeobachten und sehen, wie er sich weiter entwickelt und ob er auch einmal eine andere Linie einschlagen wird.
Schlußsatz: Für mich als Interviewer war es insofern ein interessantes Gespräch, nämlich die offene aufrichtige Art zu sprechen und nichts zu verheimlichen, obwohl so eine offene Art für einen Künstler das AUS bedeuten kann, wenn er an einen Schlagzeilenzüchtigen Kulturjournalisten kommt. Aber aus diesem Gespräch heraus will ich meinen Lesern aber auch mitteilen, dass Künstler ebenso Ängste und Probleme haben, wie jeder andere Mensch auch.


Christa Linossi - red / 16. April 2006
ID 00000002393

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